1945

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Geboren 1945   •   Gestorben 1945

Januar[Bearbeiten]

  • 8. Januar: In zwei Fahrzeughallen der Boelcke-Kaserne Nordhausen wird ein Außenlager des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora eingerichtet.
  • 30. Januar: Kreisleiter Hans Nentwig hält auf einer öffentlichen NSDAP-Kundgebung im Riesenhaus eine Rede. Wie der Südharzer Kurier am nächsten Tag berichtet, war sie „von glühender Liebe zum Führer und vom unerschütterlichen Glauben an den Sieg“ getragen.[1] In der Stadtchronik ist unter dem 30. Januar 1945 eingetragen:
Kennzeichnend für diese Zeit sind in der Winterdunkelheit die überfüllten Elektrischen, welche die Menschen an die Arbeit oder an den Bahnhof bringen zur Weiterfahrt nach Niedersachswerfen und Ilfeld. Müde hungernde Gestalten, die, aber ihre Pflicht tun bis zum Äußersten. Viele Ortsfremde aus allen deutschen Gauen sind dabei, aber auch Fremdvölker, wie Franzosen, Holländer, Belgier. Im Südharzer Gebiet der Gipszone von Ellrich im Westen bis Rottleberode im Osten ist eine einzige ungeheure Rüstungsindustrie aufgebaut […] Zehntausende Häftlinge sind hier […] eingesetzt.[…] Von ihrer Behandlung erfährt die Bevölkerung so gut wie gar nichts; nur hin und wieder wird von vollzogenen Todesstrafen durch Erhängen gesprochen. Den in den Betrieben Arbeitenden ist nicht nur über ihre Tätigkeit, sondern auch über alle sonstigen Geschehnisse Schweigen auferlegt.[1]

Februar[Bearbeiten]

  • 5. Februar: Auf einem Betriebsappell der Vertreter des Handels fordert Kreisleiter Hans Nentwig von den Kaufleuten, beizutragen, damit „jeder Volksgenosse aufgeklärt und erzogen wird, über die sich aus der jetzigen Lage ergebenden Schwierigkeiten wegzukommen“.[1]
    Nach einer Meldung der Stadtverwaltung vom 5. Februar sind von den geplanten 357 Behelfsheimen fünf bezogen, 28 bewohnbar, 151 im Bau und 173 noch nicht begonnen.[1]
  • 22. Februar: Gegen 12:30 Uhr greifen US-amerikanische Bomber u. a. den Verschiebebahnhof an, was den Tod vieler Menschen und erhebliche materielle Schäden zur Folge hat. Betroffen sind auch das Kasernenviertel zwischen Nordhausen und Sundhausen, die Hallesche Straße, der Schlachthof, das Gelände der Fa. Anger’s Söhne und die Maschinen- und Apparatebau AG (MABAG) sowie die Schützenstraße. Für Bombengeschädigte wird am 23. Februar eine Auffangstelle im Keglerheim, Förstemannstraße, eingerichtet, um die notwendigsten Maßnahmen, wie Quartier-, Versorgungs- und Entschädigungsfragen in Gang zu setzen[1] (siehe Luftangriffe auf Nordhausen).
  • 26. Februar: Im Südharzer Kurier erscheint eine Todesanzeige für die „Gefallenen des Terrorangriffs“ vom 22. Februar mit der Ankündigung zur Beisetzung. Insgesamt fielen 296 Mehrzweckbomben und töteten 40 Menschen.
  • 27. Februar: Auf der Trauerfeier für die Opfer des Luftangriffs, die am 27. Februar auf dem Neuen Friedhof stattfindet, ruft Kreisleiter Hans Nentwig zum Durchhalten und Kämpfen bis zum Letzten auf.[1]

März[Bearbeiten]

  • 1. März: Nordhausen hat 42.207 Einwohner. Außerdem werden 23.467 Ortsfremde gezählt, darunter 659 Kriegsgefangene, 503 verwundete Soldaten in fünf Lazaretten, 420 Angehörige der Kriegsmarine und 6082 ausländische in Massenquartieren untergebrachte Arbeitskräfte.[1]
    Die Straßenbahn übernimmt ab 1. März 1945, infolge der Benzinverknappung, Gütertransporte.
  • 6. März: Der Führer des HJ-Banns Nordhausen weist die Ober-, Mittel-, Berufs- und Fachschulen an, Schülerinnen und Schüler für den Kriegseinsatz in der Rüstungsindustrie freizustellen. Einsatzscharen des BDM sollen die straffe Durchführung des Kriegshilfsdienstes, d. h. den Einsatz im Funkdienst und bei der Flakartillerie sichern, sowie den Soforteinsatz im „Ernstfall“ ermöglichen.[1]
  • 18. März: Nach einem Bericht des Südharzer Kurier haben die Nordhäuser Gärtnereien ihren Anbau hundertprozentig auf Gemüse umgestellt. Aufrufe wie „Weg mit den Rasenflächen, weg mit den Blumenbeeten! Alles anbaufähige Land für Gemüse und Kartoffeln“ unterstreichen die äußerst schwierige Emährungslage.[1]

April[Bearbeiten]

  • 3. April: Der erste große Luftangriff der Royal Air Force auf Nordhausen wird geflogen.
  • 4. April: Der zweite der beiden großen Luftangriffe auf Nordhausen zerstört die Stadt zu nahezu 80 Prozent; ca. 8.800 Menschen verlieren ihr Leben.
  • 8. April: Bei einem letzten Bombardement gehen die Bomben auf den Trümmern nieder, richten aber auch noch an bis dahin unbeschädigten Häusern schwere Schäden an.[1]Nach den schweren Luftangriffen vom 3. und 4. April 1945 wurde das Krankenhaus, dessen Gebäude zerstört waren, am 8. April 1945 in Kohnstein-Stollen ausgelagert.[2]
  • 10. April: US-Soldaten erreichen das Konzentrationslager Mittelbau-Dora.[3][4]
    In der letzten Not-Ausgabe des Südharz-Kurier vom 10. April 1945 „… riefen Kreisleiter Nentwig, Landrat von Wolffersdorf und Oberbürgermeister Dr. Meyer letztmalig zum Durchhalten und Widerstand gegen die heranrückende US-Armee auf.“
  • 11. April: Am Morgen besetzt die über Werther anrückende 104. US-Infanterie-Division kampflos Nordhausen. Die NS-Führung und der Oberbürgermeister Herbert Meyer haben die Stadt in Richtung Harz verlassen. Die Übergabe an die Amerikaner erfolgt durch Stadtrat Sturm. Auf dem Gelände der Boelcke-Kaserne treffen die US-Soldaten auf weit über tausend in ihrer Mehrzahl dem Hungertod zum Opfer gefallene, aber auch durch die Luftangriffe auf Nordhausen ums Leben gekommene Häftlinge und mehrere Hundert zu Skeletten abgemagerte Überlebende. Auf Anordnung der Amerikaner dürfen die befreiten KZ-Häftlinge, Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter die Stadt plündern.[1]
  • 13. April: Auf Befehl der amerikanischen Militärregierung wird mit der Anlage des Ehrenfriedhofs für die Opfer des Konzentrationslagers „Mittelbau-Dora“ begonnen.
  • 15. April: Der bisherige Stadtrat Sturm wird vom US-amerikanischen Militärgouverneur entlassen. Am folgenden Tag ernennt er Otto Flagmeyer zum Bürgermeister.[1]
  • 20. April: Die männliche Bevölkerung im Alter von 14 bis 65 Jahren wird zum städtischen Arbeitseinsatz aufgerufen.[1]
  • 22. April: In der Altendorfer Kirche findet der erste Gottesdienst nach den Luftangriffen auf Nordhausen statt.[1]
  • 26. April: Die Weiterführung von Industrie- und Gewerbebetrieben muss neu beantragt werden und ist vom Nachweis politischer (antifaschistischer) Zuverlässigkeit abhängig.[1]
  • 30. April: Alle Nordhäuser Einwohner vom 12. Lebensjahr an müssen sich in den folgenden Tagen für die Ausstellung von Personalausweisen melden.[1]

Mai[Bearbeiten]

Juni[Bearbeiten]

  • 1. Juni: Mit Genehmigung der Militäradministration wird ein amtliches Nachrichtenblatt für Nordhausen und den Kreis Hohenstein herausgegeben.[10]
    Das Säuglingsheim in der Riemannstraße ist total zerstört. Nebenan wird eine provisorische Kinderklinik eingerichtet.
  • 2. Juni: Platzeck, Leiter des Arbeitseinsatzes, weist Bürgermeister Otto Flagmeyer daraufhin, daß die Beteiligten am Arbeitseinsatz unter schlechtem Schuhwerk und unter den geringen Lebensmittelrationen (täglich 9 g Butter und 21 g Fleisch) leiden.[11]
    Schwarz-, Schleich- und Tauschhandel werden in einer Bekanntmachung des Bürgermeisters unter strengste Strafe gestellt.
  • 8. Juni: Es verkehren im Raum Nordhausen wieder Personenzüge.[12]
  • 11. Juni: Mit dem Aufruf „Der Wiederaufbau beginnt“ fordert Bürgermeister Otto Flagmeyer die Bevölkerung zu gemeinschaftlichen Aufräumungsarbeiten auf.
  • 13. Juni: Es haben wieder 45 Textilwaren- und drei Schuhgeschäfte geöffnet. Die Versorgung erfolgt auf Bezugscheine, die jedoch nur für totalgeschädigte Einwohner ausgegeben werden.
  • 14. Juni: Bürgermeister Otto Flagmeyer tritt von seinem Amt zurück. Die amerikanische Militärregierung erlässt ein 15 Punkte umfassendes Memorandum zur Regelung der Verwaltungstätigkeit. Sein Nachfolger wird Richard Senger.
  • 15. Juni: Die Dienststellen der amerikanischen Besatzungsmacht erteilen den Franzosen die Erlaubnis, die unterirdischen Stollen der „Mittelwerk GmbH" zu besichtigen.[13]
  • 16. Juni: Am 16. Juni 1945 wird Nordhausen als Bestandteil des preußischen Regierungsbezirks Erfurt in das Land Thüringen integriert.[14]
    Im ehemaligen Lindenhof-Museum wird am 16. Juni ein Lehrerbildungsinstitut gegründet.
  • 25. Juni: Nachdem Lehrer, die der NSDAP angehörten, aus dem Schuldienst entlassen wurden, wird mit Genehmigung der amerikanischen Militärverwaltung am 25. Juni im wiederhergerichteten Gebäude der Heinrich-Mittelschule der Grundschulunterricht für die Klassen 1 bis 4 aufgenommen. Mit dem Wechsel der Besatzungsmacht, eine Woche später, wird er wieder beendet.[1]
  • 26. Juni: Eine „antifaschistische Front“ wird gegründet.[1]

Juli[Bearbeiten]

  • 1. Juli: In den Räumen des ehemaligen Hotels „Friedrichskron“ eröffnen ausgebombte Geschäftsleute am 1. Juli den Handelshof.[1]
  • 2. Juli: Die Rote Armee löst die US-Armee als Besatzungsmacht ab.[15]
  • 3. Juli: Er erscheint erstmals die „Thüringer Volkszeitung“.[16]
  • 20. Juli: Es erfolgt der Aufruf des Bürgermeisters Richard Senger zur Beseitigung von Schutt und Trümmern in den Straßen der Stadt.
  • 23. Juli: Karl Schultes wird Bürgermeister von Nordhausen. Er erlässt zugleich Bestimmungen zur Einschränkung des Wohnraums. Damit soll das Obdachlosenproblem gelöst werden. Darüber hinaus sind der Stadtverwaltung infolge des Zusammenbruchs des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens und des erheblichen Zugangs von Hilfebedürftigen große materielle Schwierigkeiten erwachsen. Die Versorgungslage der Stadt wird noch verschärft, da infolge der Grenznähe zu den von den Westalliierten besetzten Zonen ein besonders großes sowjetisches Truppenkontingent zu versorgen ist. Die Truppenkommandeure greifen willkürlich in Versorgungsfragen ein. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, Benzin u. a. materielle Güter werden nach Bedarf beschlagnahmt und Gebäude besetzt. Die Zufuhr von Gemüse und Fleisch aus dem benachbarten Landkreis Sangerhausen ist durch die sowjetische Militärverwaltung der Provinz Sachsen unterbunden. Die Möglichkeiten, die Bevölkerung mit Bekleidung und Haushaltsgegenständen zu versorgen, sind erschöpft. Die Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten kommen mangels Arbeitskräften, Transportmitteln und Baumaterial nicht voran. Im Gesundheitswesen fehlen Ärzte. Neben Typhus u. a. Infektionskrankheiten grassieren Hautkrankheiten. Zur besonderen Aufgabe wird die Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten.[1]
    Auf Grund einer landesgesetzlichen Bestimmung vom 23. Juli wird mit der Reinigung der Stadtverwaltung von „nazistischen“ Elementen begonnen.[1]
  • 24. Juli: Der letzte Zug fährt aus der sowjetischen in die amerikanische Besatzungszone über die spätere innerdeutsche Grenze zwischen Arenshausen und Eichenberg. Im Verlauf der deutschen Wiedervereinigung wurde im Januar 1990 mit Bauarbeiten begonnen, um die Gleislücke zwischen Arenshausen und Eichenberg wieder zu schließen.[17]

August[Bearbeiten]

  • 1. August: Der Bahnverkehr zwischen Ilfeld und Nordhausen wird wieder aufgenommen.[18]
  • 8. August: Es konstituiert sich unter Vorsitz von Otto Flagmeyer eine Arbeits- und Wiederaufbaukommission. Für die Planung des Wiederaufbaus der Stadt werden Vertreter der Staatlichen Hochschule für Baukunst Weimar unter Leitung von Professor Henselmann herangezogen. Nach dem Willen der Thüringer Landesregierung soll ein für das 20. Jahrhundert mustergültiger Aufbau erfolgen.[1]
  • 15. August: Das Filmtheater „Eintracht“ in der Geseniusstraße wird eröffnet.
  • 16. August: Nach einer zwischen dem Oberbürgermeister und Landrat sowie dem sowjetischen Stadt- und Kreiskommandanten getroffenen Vereinbarung und nachfolgend erlassener Befehle des sowjetischen Kommandanten sollen die unkontrollierte Abgabe von Lebensmitteln an die Besatzungsmacht verhindert und die Auslieferung der Rationen, die der Zivilbevölkerung zustehen, gewährleistet werden.[1]
  • 17. August: Ein Amt für Besatzungsmacht wird als Vermittler zwischen der sowjetischen Kommandantur und den Dienststellen der kommunalen Selbstverwaltung eingerichtet. Außerdem werden Ämter gebildet, die für die Rückführung der Evakuierten, für die Wiedergutmachung der Opfer des Nationalsozialismus und den Neuaufbau des kulturellen Lebens zuständig sind.[1]
  • 20. August: Es wird ein Zuzugsverbot für Nordhausen erlassen. Das Wohnungsamt setzt Kommissionen ein, um die Belegung der Wohnungen zu überprüfen.[1]
  • 24. August: Ein Ortsverband des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) wird gegründet.

September[Bearbeiten]

  • 2. September: Die Straßenbahnlinie Altentor - Bahnhofsplatz wird feierlich wieder in Betrieb genommen.
  • 10. September: Die Stadtbibliothek beginnt unter der Leitung von Hanna Müller den Neubeginn in der Domstraße 1.
  • 12. September: Zum Schutz der Jugend gibt der Oberbürgermeister Richtlinien für den Besuch von Gaststätten und die Ausgabe von Alkohol heraus.[1]
  • 17. September: Der sowjetische Stadtkommandant erlässt den Befehl Nr. 42 zur Ingangsetzung der Betriebe.[1]
  • 18. September: Das Orchester des Nordhäuser Theaters gibt in einer Schule sein erstes Sinfoniekonzert nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • 19. September: Wernher von Braun, der eine führende Stellung in der Fern-Raketen-Entwicklung im Mittelwerk Dora inne hatte, kommt in den USA an.[19]
  • 20. September: Die Familie Schreiber & Sohn erhält die Aufforderung, die Stadt Nordhausen zu verlassen und innerhalb von fünf Tagen nach Mecklenburg umzuziehen. Sie verließen daraufhin ihre Heimat und gingen illegal in den amerikanischen Sektor West-Berlins. Der Besitz der Familie Schreiber & Sohn kam daraufhin an die Provinz Sachsen und an das Land Thüringen. Damit wurde nach 125 Jahren das Nordhäuser Familienunternehmen liquidiert.

Oktober[Bearbeiten]

  • 4. Oktober: Die Stadt beantragt bei der Regierung des Landes Thüringen die Eingliederung eines Teils der „Goldenen Aue“, insbesondere die Nordhausen im Osten vorgelagerten Dörfer Bielen, Sundhausen, Uthleben und Steinbrücken, in den Stadt- und Landkreis Nordhausen.[1]
  • 6. Oktober: In der „Harmonie“, dem heutigen Jugendclubhaus, wird nach dem Zweiten Weltkrieg mit Molières „Der eingebildete Kranke" eine vorläufige Spielstätte des Theaters eröffnet.
  • 9. Oktober: In der Aula der Heinrich-Mittelschule findet eine öffentliche Kundgebung zum Thema „Wiederaufbau und Baukunst“ statt. Referenten sind Professor Henselmann, Staatliche Hochschule für Baukunst Weimar, und Oberbürgermeister Dr. Schultes.[1]
  • 15. Oktober: In den ausgebauten Kellerräumen der Wiedigsburgschule werden der erste und am 24. Oktober der zweite Kindergarten der Stadt wieder eröffnet.[1]
  • 19. Oktober: Mit Wirkung vom 19. Oktober 1945 wird der „Kreis Grafschaft Hohenstein" in „Landkreis Nordhausen" umbenannt.
  • 27. Oktober: Um die Seuchenherde zu beseitigen, veranlasst Stadtbaumeister Otto Höfer, das Mühlgrabenbett zwischen Rothleimmühle und Grimmel mit Trümmerschutt zu füllen.[1]
  • 30. Oktober: Auf Grund einer Verordnung des Landes Thüringen müssen alle vormaligen Mitglieder der NSDAP aus den Verwaltungen entfernt werden. Für die Stadtverwaltung entsteht eine schwierige Lage. Sie ist, infolge der Vernichtung der laufenden Akten, auf die Kenntnisse der Beamten und Angestellten angewiesen. Gleichzeitig wird auf landesgesetzlicher Grundlage mit der Reinigung der gewerblichen Wirtschaft von „Naziaktivisten“ durch Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter begonnen.[1]

November[Bearbeiten]

  • 1. November: Das bisherige Mädchenlyzeum erhält den Namen „Wilhelm von Humboldt“.[20]
  • 7. November: Am 7. November erhält der Kreis Grafschaft Hohenstein durch eine Verordnung der Regierung des Landes Thüringen offiziell den Namen Landkreis Nordhausen.[1]
  • 11. November: Im Haus Altendorf 7 wird eine städtische Tauschstelle eröffnet.[1]
  • 14. November: Nordhausen I. gewinnt gegen Wolkramshausen I. mit 14:0. Es ist der erste Nordhäuser Fußballsieg seit Kriegsende.[21]
  • 15. November: Außer den ehemaligen Wehrmachts-Angehörigen sollen sich im Polizeirevier I. persönlich melden: Erfinder, Ingenieure, Spezialisten, Wissenschaftler der Kriegsmarine und Luftwaffe sowie auch anderer Zweige der Kriegsindustrie.[22]
    Dem Rektor Gustav Temme wird auf Beschluss der Dezernentenrunde eine monatliche Unterstützung von 175 Reichsmark gewährt, bis seine Pensionszahlung freigebeben ist. Grund sind Temmes große Verdienste auf sozialem Gebiet.[22]
    Oberbürgermeister Hans Himmler meldet, dass bei der „Sicherstellung und Enteignung von Nazivermögen“ lediglich 5 Prozent der erwarteten Meldungen eingegangen sind. „Durch die Nazilisten soll festgestellt werden, welche Pgs. [Parteigenossen] nicht gemeldet haben. Diese sollen der Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Pgs. sollen beim Räumen der Wohnungen nur notwendigste Sachen mitnehmen dürfen. Die Dienststelle für Opfer des Faschismus erhält die verbleibenden Gebrauchsgegenstände.“[23]
    Außerdem werden auf Anordnung Himmlers einige Straßen umbenannt, darunter: An der Bleiche = Johannes-Kleinspehn-Straße; Bauvereinstraße = Thomas-Müntzer-Straße; Hesseröder Straße = Karl-Liebknecht-Straße; Moltkestraße = Oskar-Cohn-Straße; Neumarkt = August-Bebel-Platz; Promenadenstraße = Käthe-Kollwitz-Straße.
  • 21. November: Werner Rathsfeld, Dipl.-Ingenieur und Betriebsleiter der Maschinenfabrik Julius Fischer, wird vom NKWD verhaftet und zunächst in den Kellern der Geheimpolizei in der Karolingerstraße inhaftiert.[24]
  • 25. November: Ein Aufruf zum Beitritt in den Kulturbund wird von führenden Nordhäuser Persönlichkeiten unterschrieben.
  • 26. November: Im früheren Kramerschen Laden, Altentor 7, wird die städtische Tauschzentrale eröffnet.
    Das Umsiedleramt registriert 9004 Vertriebene aus den Ostgebieten.[25]
  • 30. November: Richard Senger wird zum Direktor der Thüringer Präsidialkanzlei ernannt.

Dezember[Bearbeiten]

  • 1. Dezember: Der allgemeine Arbeitsdienst (Schippdienst) für Frauen und Jugendliche wird vorerst beendet. Im September waren dabei rund 3000 Personen eingesetzt, im Oktober 1945 am Tag durchschnittlich 600 Männer und 750 Frauen, im November am Tag etwa 120 Männer und 350 Frauen, im Dezember am Tag durchschnittlich 65 Männer. Bei Frostbeginn werden die Arbeiten gänzlich eingestellt. Als Wiederbeginn dieses Arbeitsdienstes ist der 1. März 1946 geplant.[26]
    Die sowjetische Kommandantur fordert vom Oberbürgermeister Karl Schultes zum 1. Dezember 1945 bereitzustellen: für das Mittelwerk 300 Arbeitskräfte, für das Nordwerk 300 Arbeitskräfte, für den russischen Armeestab Niedersachswerfen 600 Arbeitskräfte, für den Holzeinschlag 250 Arbeitskräfte. Trotz allergrößter Schwierigkeiten können dem Mittelwerk mit dem 1. Dezember 1945 184 Arbeitskräfte, dem Nordwerk 52 Arbeitskräfte zugewiesen werden, für die Sonderaktion Holzeinschlag 170. Um den 10. Dezember sind im gesamten Mittel- und Nordwerk ca. 2400 Arbeitskräfte mit Demontagearbeiten beschäftigt.[26]
  • 3. Dezember: Der Militärkommandant fordert den Oberbürgermeister auf, im Hinblick auf die bevorstehende Kälte die Bevölkerung ausreichend mit Holz zu versorgen, da es an Kohlen mangelt.
    Die Zahl der wegen ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP entlassenen Volksschullehrer steigt stark an.
  • 6. Dezember: Die Konsumgenossenschaft wird gegründet.[1]
  • 8. Dezember: Der erste „Freie Markt“, nach dem Beispiel anderer Thüringer Städte, ist ein Misserfolg. Auf Grund der Abgabepflicht können die Bauern kaum etwas anbieten.[1]
  • 10. Dezember: Mit einem Vortrag von Oberbürgermeister Karl Schultes „Über das Wesen des Faschismus und die Aufgaben der Demokratie“ wird die Volkshochschule eröffnet.[1]
  • 17. Dezember: In Nordhausen gründet sich der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, dessen Vorsitzender Rudolf Hagelstange wird.
    Die erste Konsumverkaufsstelle öffnet am 17. Dezember in der Ernst-Thälmann-Straße.[1]
  • 21. Dezember: Die Stadtverwaltung legt vor der Öffentlichkeit im großen Saal der „Harmonie“ einen Rechenschaftsbericht ab.[1]
  • 30. Dezember: Es findet eine gemeinsame Kreiskonferenz der KPD und SPD in der „Harmonie“ statt. In einer Entschließung wird die Forderung nach schneller Bildung einer Einheitspartei erhoben.
  • 31. Dezember: Josef Tauchmann kommt mit seiner Familie in Nordhausen-Salza an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 1,29 1,30 1,31 1,32 1,33 1,34 1,35 1,36 1,37 1,38 1,39 1,40 1,41 Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen : 1802 bis 1989. Horb am Neckar: Geiger, 2003.
  2. Wikipedia: Nordhausen Abgerufen am 14. März 2014.
  3. Wikipedia (en): Mittelbau-Dora Abgerufen am 4. April 2014.
  4. Web Site in Memory of John M. Galione: Mittelbau Dora Concentration Camp Abgerufen am 4. April 2014.
  5. Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. S. 48 f.
  6. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. S. 49
  7. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. Seite 49
  8. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. Seite 50
  9. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. Seite 50
  10. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. Seite 51
  11. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen. Seite 51
  12. Lauerwald: Eisenbahnstrecke Nordhausen-Arenshausen Seite 59
  13. Engler: Frankreich an der Freien Universität Seite 111
  14. Wikipedia: Nordhausen Abgerufen am 4. Juni 2013.
  15. Wikipedia: Nordhausen Abgerufen am 14. Juni 2013.
  16. Nordhäuser Zeitungswesen aufgearbeitet. Abgerufen am 17. Juni 2013.
  17. Wikipedia: Bahnstrecke Halle–Hann. Münden Abgerufen am 18. Juli 2013.
  18. Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen vol. 26 (2001), Seite 10
  19. Zeit-Online | Geschichte: Auf der Seite der Sieger Seite 2/3: Bei der Produktion der V2 kommen etwa 20.000 KZ-Häftlinge ums Leben Abgerufen am 10. September 2013.
  20. Schenk: Das höhere Schulwesen in Nordhausen. Seite 133
  21. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen – Schicksalsjahr 1945, Nordhausen 1995, S. 101.
  22. 22,0 22,1 Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen – Schicksalsjahr 1945, Nordhausen 1995, S. 101.
  23. Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens Kuhlbrodt101" wurde kein Text angegeben.
  24. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen – Schicksalsjahr 1945, Nordhausen 1995, S. 102.
  25. Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen – Schicksalsjahr 1945, Nordhausen 1995, S. 103.
  26. 26,0 26,1 Peter Kuhlbrodt: Inferno Nordhausen – Schicksalsjahr 1945, Nordhausen 1995, S. 105.
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