1932

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Geboren 1932   •   Gestorben 1932

Januar[Bearbeiten]

  • 6. Januar: In einer Versammlung des Ortsausschusses des ADGB wird der Gedanke der Stadtrandsiedlungen propagiert, wie er seitens der Reichsregierung verkündet wurde, um insbesondere den einkommensschwachen Kreisen und Erwerbslosen die Existenz zu erleichtern. Diese Siedlungen sehen Wohnungen vor, deren Herstellung nicht mehr als 3000 Mark betragen dürfe, von denen 2500 Mark durch Reichsdarlehen bereitgestellt werden. Die restlichen 500 Mark muss der erwerbslose Siedler durch Eigenleistung aufbringen.[1]
  • 7. Januar: In zwei großen Kundgebungen im Spangenberg-Saal und der „Hoffnung“ treten die Thüringer Landtagsabgeordneten der NSDAP Paul Papenbrook, Kurt Ludwig, Willy Marschler, Paul Hennicke und Fritz Wächtler auf. Fritz Sauckel allerdings spricht nur in einer geschlossenen Versammlung der NSDAP-Ortsgruppe, weil er in Preußen Redeverbot hat.[1]
  • 19. Januar: Das Theater Nordhausen feiert mit einer Aufführung des Dramas „Strom“ von Max Halbe das 25-jährige Bühnenjubiläum und das 10-jährige Intendantenjubiläum am Stadttheater Nordhausen seines künstlerischen Leiters Heinz Huber.[1]
  • 21. Januar: Erstmals wendet sich die NSDAP-Ortsgruppe mit einer Bauernkundgebung im großen Spangenbergsaal an die Landwirte des Kreises Grafschaft Hohenstein.
    Am selben Tag tritt unter dem Motto „Wir greifen an!“ im Saal der „Hoffnung“ der Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Erik Nölting (SPD) auf und spricht zum Thema „Hitler bleibt vor den Toren! Sozialismus im Angriff!“[1]
  • 24. Januar: Kurt Wein führt Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins durch das Kneiffsche Arboretum (Park Hohenrode).[1]
  • 26. Januar: Erich Knorr, Organist der St.-Blasii-Kirche, hat alle erwerbslosen Berufsmusiker Nordhausens zu einem Orchester vereinigt, das am 26. Januar 1932 zum ersten Male vor die Öffentlichkeit tritt.
  • 29. Januar: Der Stadtverordneten-Vorsteher Robert Hohberg verstirbt an den Folgen eines Autounfalls. Hohberg (SPD) war stellv. Direktor des Arbeitsamtes und gehörte seit 1919 der Stadtverordneten-Versammlung an.[1]

Hans Silberborth spricht im Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein über Michael Meyenburg als Mansfelder Kupferschiefer-Händler.

  • 30. Januar: In einer öffentlichen Versammlung der Deutschen Staatspartei spricht Minister Walther Schreiber zum Thema „Der deutsche Freiheitskampf und die Parteien der Mitte“. Er äußert unter anderem, es sei die Aufgabe der bürgerlichen Mittelparteien, das deutsche Bürgertum aus den Fesseln politischer Abenteurer zu befreien, damit das deutsche Staatswesen wieder in sachliche Bahnen gebracht werde.[1]

Februar[Bearbeiten]

  • 8. Februar: Im Bildungsverein spricht der bekannte Kunsthistoriker Dr. Oskar Schürer.[1]
    Ebenfalls am 8. Februar wird in Nordhausen die Eiserne Front gegründet. In der „Eintracht“ finden sich Vertreter des Ortsausschusses des ADGB, des Ortsvereins der SPD, des Afa-Kartells, des Arbeiter-Sportkartells sowie der Ortsgruppen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes zusammen.[1]
  • 9. Februar: Im Riesenhaus fründen vornehmlich oppositionelle Sozialdemokraten eine Ortsgruppe der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Zum Vorsitzenden wird Fritz Häberlein gewählt, der sich hier auch als Pazifist einen Namen gemacht hat. In dieser Gründungsversammlung tritt auch der Vorsitzende der SAP, August Siemsen, auf.[1]
  • 16. Februar: Im Riesenhaussaal liest die bekannte ostpreußische Dichterin Agnes Miegel aus ihren Werken. Sie trägt eine Ballade, zwei Erzählungen und mehrere Gedichte vor.[1]
  • 19. Februar: In der Sundhäuser Straße hebt die Polizei eine Falschmünzerwerkstatt aus. 60 gefälschte Zweimarkstücke werden in der Werkstatt des Drehers Otto Fahrland sichergestellt.[1]
  • 28. Februar: In der vierten Wahlkampfveranstaltung der Eisernen Front spricht im Saal der „Hoffnung“ der Abgeordnete des Preußischen Landtags Hermann Hämisch über das Thema „Soll Deutschland eine faschistische Hölle werden?“[1]

März[Bearbeiten]

  • 3. März: Arthur Petry, bedeutender Botaniker und Gymnasiallehrer, verstirbt plötzlich im Alter von 74 Jahren.
  • 4. März: Die berühmte Filmschauspielerin Henny Porten führt mit einem eigenen Ensemble im Stadttheater am das Lustspiel „Madame sans gene“ des Franzosen Victorien Sardou auf.[1]
    Ebenfalls am 4. März hält Pfarrer Johannes Lippert im Restaurant „Zum Dom“ einen Vortrag über „Christentum und Nationalsozialismus“.[1]
  • 13. März: Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 wird Paul von Hindenburg in Nordhausen mit 49,8 % gewählt.
  • 19. März: In einer öffentlichen Kundgebung der Eisernen Front im Saal der „Hoffnung“ spricht am 19. März 1930 der Bundesjugendführer des Reichsbanners über das Thema „Die Niederlage der Faschisten“.[1]

April[Bearbeiten]

  • 6. April: Schulrat Dr. Koch führt zwei neue Schulrektoren in ihr Amt ein: für die Justus-Jonas-Schule Rektor Thilo Blankenburg und für die Mathilden-Mittelschule Rektor Ernst Steffen.
    Ebenfalls am 6. April 1932 wirbt der Geschäftsführer des Alldeutschen Verbandes Graf von Brockdorff im Saal des Riesenhauses für die Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten.[1]
  • 10. April: Im zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl am 10. April entfallen auf Hindenburg 11.613 Stimmen (11.603) = 51,0 %, auf Hitler 9759 (7.245) = 42,8 %, und auf Thälmann 1392 (2023) Stimmen = 6,2 % (in Klammern die Ergebnisse des ersten Wahlganges).
  • 13. April: Am Abend kommt es während einer Versammlung der KPD vor der „Hoffnung“ zu Tumulten, die dadurch hervorgerufen werden, dass die Polizei den Stadtverordneten Hans Schildt (KPD) verhaftet. Schildt wurde als Mitverantwortlicher der illegal erschienenen Zeitung „Trotz alledem“ polizeilich gesucht.[1]
  • 14. April: In den Sälen der „Hoffnung“ und im Volkshaus Eintracht treten die Reichstagsabgeordneten der SPD Kurt Loewenstein und Georg Dietrich auf.[1]
  • 19. April: Die Stadtverordneten-Versammlung wählt unter 77 Bewerbern den Gerichtsassessor Kurt Henschel aus Merseburg zum Bürgermeister.[1]
  • 22. April: In einer Wahlversammlung der Deutschen Staatspartei im Gesellschaftshaus Spangenberg, die von Studienrat Edgar Wahl geleitet wird und in welcher der preußische Handelsminister Schreiber auftritt, kommt es zu einer handgreifliche Auseinandersetzung zwischen dem Saalschutz des Reichsbanners und Nordhäuser Nationalsozialisten, so dass die Polizei einschreiten muss.[1]
  • 24. April: Bei den Landtagswahlen am 24. April wird Johannes Kleinspehn (SPD) für den Wahlkreis 12 (Thüringen) wiedergewählt. Heinz Sting (NSDAP), bisher Ortsgruppenleiter von Nordhausen, wird für Erfurt in den Preußischen Landtag gewählt.
  • 27. April: Eine Ortsgruppe des Arbeiter-Radio-Bundes wird gegründet.[1]
  • 29. April: Kurt Wein spricht im Geschichts- und Altertumsverein über das Thema „Geschichte und Naturwissenschaft“.[1]

Mai[Bearbeiten]

  • 9. Mai: In einer Sondervorstellung wird in der Schauburg der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ aufgeführt. Die Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft hatte sich wiederholt gegen das Aufführungsverbot gewandt.[1]
  • 19. Mai: Ein Nordhäuser Schöffengericht verurteilt die Reichsbannerleute Otto See zu 9 Monaten und Erich Steinecke zu 6 Monaten, den Kommunisten Gustav Strauß zu 4 Monaten und die Kommunisten Erich Eiling, Friedrich Espe und Wilhelm Strauß zu je drei Monaten Gefängnis. Die Verurteilten legen Berufung ein. [nach: „Volkszeitung“, Nr. 116 v. 20. Mai 1932][1]
  • 22. Mai: Auf dem Flugplatz findet ein großer Flugtag statt. Unter den Piloten befindet sich auch der talentierte Nordhäuser Flieger Hans Werther.[1]
  • 24. Mai: Der Früh’sche Gesangverein verabschiedet seinen verdienten Musikdirektor Eduard Lindenhan in den Ruhestand. Zum Nachfolger des erkrankten Lindenhan als Dirigent des Früh’schen Gesangvereins wird Musiklehrer Walter Treichel gewählt. Sein Mitbewerber, der Organist an St. Blasii, Erich Knorr, gründet daraufhin als Konkurrenzunternehmen den Bach-Chor.[1]

Juni[Bearbeiten]

  • 2. Juni: Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters findet sich ein Luftschutzbeirat zusammen.
    Ebenfalls am 2. Juni verurteilt das Große Schöffengericht den Dreher Otto Fahrland wegen Falschmünzerei zu eineinhalb Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust und den Schlosser Fritz Herbst wegen des gleichen Deliktes zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.[1]
  • 20. Juni: In Nordhausen wird der Fußballspieler Erich Haase geboren.
  • 24. Juni: Der Kampfausschuss der Erwerbslosen „Gegen Hunger und Faschismus“ beruft eine Versammlung im Saal der „Hoffnung“ ein. Der Andrang ist so groß, dass eine zweite Versammlung im Saal des Restaurants „Stadt Berlin“ stattfindet.

Juli[Bearbeiten]

  • 1. Juli: Am Markt kommt es zu Ansammlungen und Tumulten. Mitglieder oder Anhänger der KPD sollen versucht haben, wie am Tag zuvor Druck auf das Wohlfahrtsamt auszuüben. Polizei greift ein und zerstreut die Ansammlung. Bei der Rentenauszahlung ereignen sich am 1. Juli, wie die „Volkszeitung“ schreibt, erregte und erschütternde Szenen. In Einzelfällen gibt es Rentenkürzungen von 10 und mehr Mark pro Monat.[1]
  • 2. Juli: Eine für den 2. Juli in den Sälen der „Hoffnung“, „Eintracht“ und „Stadt Berlin“ angesetzte Erwerbslosenversammlung wird von der Polizei aus Gründen der öffentlichen Sicherheit verboten.[1]
  • 10. Juli: Anlässlich einer Propagandafahrt der Nordhäuser SA kommt es in Salza und Ellrich zu schweren Ausschreitungen und blutigen Schlägereien mit Kommunisten und Sozialdemokraten. Ebenfalls am 10. Juli protestieren im Gesellschaftshaus Spangenberg Rentner, Witwen, Kriegs- und Arbeitsinvaliden gegen den drastischen Rentenabbau.[1]
  • 23. Juli: Der braunschweigische Minister, ehemalige Konrektor in Benneckenstein, Dietrich Klagges, spricht auf einer Nordhäuser NSDAP-Kundgebung.[1]
  • 31. Juli: Bei der Reichstagswahl 1920 (Nordhausen) wird die NSDAP mit 45 Prozent stärkste Kraft.

August[Bearbeiten]

September[Bearbeiten]

  • 15. September: Vor dem Großen Schöffengericht wird der Prozess gegen eine Anzahl örtlicher KPD-Mitglieder geführt, die angeklagt sind, 1931 die illegale Zeitung Trotz alledem herausgegeben zu haben.

Oktober[Bearbeiten]

  • 3. Oktober: Die Jahresversammlung des Vereins für Kirchengeschichte der Provinz Sachsen tagt in Nordhausen. Stadtarchivar Seminardirektor i. R. Heinrich Lewin führt die Tagungsteilnehmer durch das Stadtarchiv.[1]
  • 9. Oktober: Der SA-Reitersturm 3/43 feiert sein 10-jähriges Bestehen. Der Reitersturm baute ein altes Fabrikgebäude zu einer modernen Reitbahn um. Durch den finanziellen Einsatz des Fabrikanten Hauptsturmfiihrer Kruse wurden dem Reitsturm 36 erstklassige Reitpferde zur Verfügung gestellt.[1]
  • 20. Oktober: Im Wissenschaftlichen Verein referiert der kaiserliche Exgeneral und Verteidiger von Deutsch-Ostafrika von Lettow-Vorbeck über das Thema „Die Bedeutung einer Kolonie“. Er führt aus, dass der Besitz von Kolonien für Deutschland eine Lebens- und Schicksalsfrage sei.[1]

November[Bearbeiten]

  • 6. November: Bei den Reichstagswahlen verliert die NSDAP in Nordhausen über 5 % Wählerstimmen und erreicht knapp 40 %. Die SPD verliert leicht und erhält 24 % der gültigen Stimmen; die KPD gewinnt fast 500 Stimmen hinzu und erreicht 13 %.
  • 28. November: Die Kornbrennerei Knorr feiert ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Carl Christian Knorr, der Großvater des jetzigen Inhabers, gründete die Brennerei im Jahre 1832 im Grundstück Neustadtstraße 2.[1]
  • 29. November: Pfarrer Friedrich Trautmann hält im großen Spangenbergsaal einen Vortrag, in dem er die „Abkehr vom christlichen Parlamentarismus und eine Vermählung zwischen Deutschtum und Christentum“ fordert.[1]

Dezember[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 1,29 1,30 1,31 1,32 1,33 1,34 1,35 1,36 Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen : 1802 bis 1989. Horb am Neckar: Geiger, 2003.