1990

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Januar[Bearbeiten]

  • 1. Januar: In der Neujahrsnacht trifft um 01.28 Uhr der erste Bundesbahn-Sonderzug aus Düsseldorf auf dem Nordhäuser Bahnhof ein, wo die Gäste von ca. 20.000 Bürgern begrüßt werden.
  • 9. Januar: Die Demonstration ist eine der größten, die Nordhausen erlebt. Um 18.00 Uhr versammeln sich auf dem August-Bebel-Platz etwa 35.000 Menschen. Vertreter der im „Wahlbündnis 90“ vereinten Oppositionsgruppen Neues Forum, Demokratischer Aufbruch und SDP (demnächst SPD) rufen zum Protestmarsch zum Gebäude der ehemaligen SED-Kreisleitung in der Wallrothstraße auf. Demonstranten stellen am Eingang Kerzen auf, Sprechchöre fordern die Räumung des Hauses.
  • 11. Januar: Auf dem Kreisparteitag der CDU wird Dr. Manfred Schröter zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Das Wort Sozialismus wird aus dem Parteiprogramm gestrichen.
  • 12. Januar: Der Nordhäuser Kurier erscheint erstmals.
  • 15. Januar: Etwa 30.000 Menschen demonstrieren durch die Nordhäuser Innenstadt und fordern dann auf dem August-Bebel-Platz u. a. die Entwaffnung aller Dienststellen des MfS.
  • 17. Januar: In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird der Bürgermeister der Stadt Nordhausen, Peter Heiter (SED-PDS), auf eigene Bitte von dieser Funktion entbunden. Er übernimmt die persönliche Verantwortung für fehlerhafte Entscheidungen im kommunalen Bereich. Seine Amtsgeschäfte führt Olaf Dittmann (NDPD) bis zur Kommunalwahl.
  • 24. Januar: Die 6. Sitzung des Runden Tisches behandelt Fragen der Auflösung der MfS-Kreisdienststelle sowie der zeitweiligen Einrichtung von Grenzübergangsstellen für Fußgänger zwischen Branderode-Neuhof sowie Ellrich-Walkenried. Die Grüne Partei wird als neues Mitglied und die Volkssolidarität (VS) als Beobachter zugelassen.

Februar[Bearbeiten]

  • 18. Februar: Pfarrer Rolf Rüther und Volker Erb gründen im Theater Nordhausen die Deutsche Forum-Partei.
  • 27. Februar: Die letzte Dienstags-Demo findet statt. In einem Aufruf teilt die Deutsche Forum-Partei mit, dass sich diese Demonstration gegen die Praktiken der DDR- Justiz richtet. Ihr wird vorgeworfen, mit den Altrepräsentanten der SED zu schonend umzugehen. Holger Wengler vom Neuen Forum und der Nordhäuser Bürger Alfred Heise (81 Jahre) sprechen ein Schlusswort.

März[Bearbeiten]

  • 5. März: DA, CDU, DFP, Grüne Partei, LDP, Neues Forum und PDS stellen sich im Gemeindesaal der katholischen Domgemeinde in Nordhausen mit ihren Wahlprogrammen vor.
  • 9. März: In seiner letzten Tagung vor der Kommunalwahl beruft der Kreistag Nordhausen Gisela Hartmann, Hans Schleusner und Volker Erb in das Ratskollektiv. Detlef Müller wird neuer Kreisschulrat.
  • 18. März: In der DDR finden die ersten freien Wahlen statt.

April[Bearbeiten]

  • 11. April: Der Runde Tisch empfiehlt auf Anregung von Propst Joachim Jaeger den Parteien, ihre Kandidaten für die Kommunalwahl eine Erklärung unterschreiben zu lassen, nach der sie zu keiner Zeit Mitarbeiter des MfS/ANS oder informeller Mitarbeiter gewesen sind, bzw., in diesem Sinne gewirkt haben. Spitzenkandidaten für die Kommunalwahlen sind Dr. Manfred Schröter (CDU), Eberhard Linß (SPD), Klaus Hummitzsch (PDS), Hartmut Debes (Bund Freier Demokraten), Peter Krausbeck (DA), Dr. Friedrich Kray (Deutsche Forum-Partei) und Helga Bosse (Die Grünen).

Mai[Bearbeiten]

  • 6. Mai: Bei der ersten freien Kommunalwahl der DDR geht die CDU mit 37,77 % hervor. Es folgen die SPD mit 23,89 %, die PDS mit 10,00 %, BFD mit 4,92 %, die Grünen mit 3,91 %, DBD mit 3,68 %, BV mit 3,31 %, Bündnis 90 mit 2,68 %, Bauern mit 2,29 %, DFD mit 2,23 % und DFP mit 1,77 %. Mit der Kommunalwahl 1990 endet die Arbeit der zeitweiligen Untersuchungskommission des Kreistags Nordhausen zur Überprüfung von Fällen des Amtsmißbrauchs, der Korruption, der persönlichen Bereicherung und anderer Handlungen von Gesetzesverletzungen.
  • 9. Mai: Auf der letzten Sitzung des Runden Tisches erklärt Propst Joachim Jaeger, der Runde Tisch sei ein Stück praktizierter Demokratie des Überganges gewesen.
  • 26. Mai: Seit heute rollen wieder D-Züge von Nordhausen nach Kassel. Bundesbahn und Reichsbahn nehmen die seit 45 Jahren unterbrochene Strecke zwischen Eichenberg und Ahrenshausen wieder in Betrieb.
  • 28. Mai: In der ersten Sitzung des neugewählten Kreistages Nordhausen werden der Diplomlehrer Joachim Claus (CDU) zum Landrat und der Lehrer Horst Hildebrand (CDU) zum Kreistagspräsidenten gewählt.
  • 29. Mai: In Nordhausen wird eine große Koalition aus CDU, DA, SPD und Liberalen gebildet. Die CDU stellt mit Dr. Manfred Schröter den Bürgermeister, die SPD mit Eberhard Linß den 1. Beigeordneten. Vier Dezernate (Hauptamt, Baudezemat, Verkehr/Tourismus und Soziales-/Gesundheitswesen) besetzt die CDU, drei Dezernate (Finanzen, Umwelt-/Energie/Entsorgung) die SPD, bzw. Neues Forum, das Dezemat Wirtschaftsförderung die Liberalen.
  • 31. Mai: Die Nordhäuser Stadtwerke werden wiedergegründet. Zunächst arbeiten zwei Gesellschaften, die Dienstleistungsgesellschaft und die Verkehrsbetriebe.

Juni[Bearbeiten]

  • 16. Juni: In einer Feierstunde gedenken Freimaurer aus Osterode und Kassel der Gründung der ersten Nordhäuser Freimaurer-Loge vor 200 Jahren im Juni 1790.
  • 17. Juni: Im Nordhäuser Stadttheater wird mit einem Festakt die Städtepartnerschaft Nordhausen-Bochum besiegelt.
  • 29. Juni: Der Kreisausschuss des Kreistages Nordhausen befasst sich erstmals mit den Problemen des Gipsabbaus in der Region.

Juli[Bearbeiten]

  • 1. Juli: Auf Grund einer Anordnung des Ministers für Finanzen der DDR wird mit Wirkung vom 1. Juli 1990 das Finanzamt Nordhausen gebildet. Es hat seinen Sitz im Kreishaus 1, Markt 15. Die Währungsunion wird hergestellt und auf dem Gebiet der DDR die D-Mark eingeführt. Schlangen von Menschen bilden sich vor den Sparkassenfilialen, Postämtern und Filialen der neuen Banken. Viele nutzen den Tag für einen Stadtbummel, um die neuen Auslagen der Geschäfte zu betrachten.
  • 4. Juli: Landrat Joachim Claus stellt die Dezernenten des Landratsamtes vor: Detlef Müller, Dezernent für Bildung, Kultur, Freizeit und Sport, Dr. Dieter Kornmann, Dezernent für Soziales, Jugend- und Gesundheitsverwaltung, Günter Uebner, Dezernent für Ordnung, Sicherheit und Erholungswesen, Günter Goutier, Dezernent für Bauwesen, Walter Thume, Dezernent für Finanzverwaltung, Volker Erb, Dezement für Wirtschaftsverwaltung, Christine Wagner, Dezernentin für Hauptverwaltung, Dr. Bernhard Völkel, Dezernent für Umweltschutz, Land- und Forstwirtschaftsverwaltung.
  • 5. Juli: Der neue Kreistag bildet auf der Grundlage des Beschlusses Nr. 16-2/90 den Ausschuß für Vergangenheitsbewältigung und Petitionen.

August[Bearbeiten]

September[Bearbeiten]

  • 1. September: Die Berufsschulen, auch die betrieblichen, befinden sich jetzt in der Trägerschaft des Landkreises.
  • 3. September: Die Kreismusikschule Nordhausen nimmt die Arbeit wieder auf. In der renovierten EOS „Wilhelm von Humboldt“ in der Blasiistraße wird wieder unterrichtet.
  • 13. September: Der Kreistag beschließt die Führung eines Wappens für den Landkreis Nordhausen, das bereits vom 8. April 1949 bis 1952 galt.
  • 26. September: Die St.-Blasii-Kirche feiert ihr 500-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst. Es ist der erste nach mehrjähriger Rekonstruktion.

Oktober[Bearbeiten]

  • 3. Oktober: Am Tag der deutschen Einheit findet nach einem ökumenischen Gottesdienst im Dom eine Festveranstaltung im Theater statt.
  • 14. Oktober: Die Landtagswahlen in Thüringen brachten als Wahlergebis: 45,9 % CDU, 23,6 % SPD, 9,9 %, PDS, 8,2 % FDP, 8,2 % Bündnis 90/Die Grünen.
  • 24. Oktober: Über 1000 Bürger aus der Stadt und dem Landkreis Nordhausen versammeln sich zu einer Andacht in der Altendorfer Kirche und einer anschließenden Demonstration durch die Innenstadt, um an die erste Demo für Freiheit und Demokratie vor einem Jahr zu erinnern. Im Kellergang des Neuen Rathauses werden drei beschädigte Ölgemälde von Maria Schmidt-Franken entdeckt, die von ihr 1938 für den Ratskeller gemalt und aus diesem in den 70er Jahren entfernt wurden.

November[Bearbeiten]

  • 10. November: Seit mehreren Jahrzehnten feierm die Nordhäuser und ihre Gäste aus Ost und West ohne behördliche Einschränkung das Martinsfest. Nach dem Singen des Luther-Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“ und bei Glockengeläut kommen die vom Dom her erwarteten Kinder mit dem Heiligen Martin zu Pferde vor die St.-Blasii-Kirche. Gegen 18.30 Uhr beschließt ein Feuerwerk den Abend.
  • 17. November: Auf dem August-Bebel-Platz wird die erste Südharz-Schau eröffnet. Etwa 180 Aussteller präsentieren auf einer Fläche von rund 10.000 m2 ihre Erzeugnisse. Im Jahre 1927 hatte eine vergleichbare Messe, die IGENO, auf dem Gelände des Stadions stattgefunden.
  • 30. November: Medizinalrat Dr. Klaus Gebhardt wird zum leitenden Chefarzt des Maxim-Zetkin-Krankenhauses berufen und Prof. Dr. Joachim Reichel mit Würdigung seiner Verdienste verabschiedet.

Dezember[Bearbeiten]

  • 3. Dezember: Die Nachprägung des Nordhäuser Reichstalers von 1660 erscheint in der Serie „Norddeutsche Städtetaler“. Der Verkaufserlös wird für die Sanierung der Altstadt verwendet. Die Kreisvolkshochschule zieht in die Grimmelallee 60 um.
  • 5. Dezember: Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Raphael Scharf-Kratz, ist in Nordhausen. Er besucht die 35 deutsch-stämmigen Juden aus der Sowjetunion, die z. Z. in Nordhausen leben. Er informiert sich über den Deutschunterricht, den diese in der Ingenieurschule erhalten.
  • 9. Dezember: In Ellrich gründet sich der „Förderverein zum Wiederaufbau der St.-Johannis-Kirche“.
  • 12. Dezember: Die Kreishandwerkerschaft Nordhausen wird gegründet.
  • 15. Dezember: Das Kultusministerium teilt die „Abwicklung des Instituts für Lehrerbildung“ per 31. Juli 1991 mit. Die Studenten erhalten die Möglichkeit, ihr Studium an einer Hochschule fortzusetzen. Damit geht eine über 40-jährige Ausbildung für Lehrer der unteren Klassen zu Ende.
  • 24. Dezember: Zu Weihnachten schlägt die neue Turmuhr des Domes zum ersten Mal. Bei der Renovierung 1973 - 1978 musste die alte Uhr entfernt werden.

Literatur[Bearbeiten]