Der Nordhäuser Roland (2/1955)

Der Nordhäuser Roland (Januar 1955)
Reihe Der Nordhäuser Roland
Band-Nr. 2/1955
Autor Verschiedene
Herausgeber Kulturbund
Erscheinungsjahr 1955
Umfang 3–22 S.
Stand: 2. November 2015
Digitalisat: PDF (4 MB)
Titel Autor
„Maria Stuart“ an den Bühnen der Stadt Nordhausen Gertraude Stahl
Frühling und Naturschutz Johannes Ehrhardt
Sibirische Gäste in Nordhausen Wolfgang Schrödter
Die geschichtliche Entwicklung der Wasserversorgung der Stadt Nordhausen Wasserwirtschaftsbetrieb Nordhausen
Zur Geschichte des Dorfes Auleben Herbert Lüddecke
Die wilden Bienen aus dem Busch oder: Ein „süßes“ Erlebnis Herrmann Freyberg


„Maria Stuart“ an den Bühnen der Stadt Nordhausen[Bearbeiten]

Premiere am 27. Februar 1955
Zum Schiller-Jahr 1955

Das Jahr 1955 wendet unsere Aufmerksamkeit und unsere Gedanken einem großen deutschen Dichter zu, dessen Todestag sich am 9. Mai zum 150. Male jährt: Friedrich von Schiller.

Er hat in seinem kurzen Leben von nur 46 Jahren, das schwer an innerer und äußerer Not und Bedrängnis war, ein Werk geschaffen, in welchem von Jahr zu Jahr sich verstärkend, der Ruf nach Freiheit und Einigkeit erklang. Heute, 150 Jahre nach seinem Tode, ist die Forderung seines Lebens immer noch unerfüllt und sein Dichterwort nach wie vor bestimmt, die Kräfte seines Volkes zu wecken. „Wenn ich mir denke, daß vielleicht in hundert und mehr Jahren, wenn auch mein Staub schon lange verwest ist, man mein Andenken segnet und mir noch im Grabe Tränen und Bewunderung zollt, dann freue ich mich meines Dichtertferufes und versöhne mich mit Gott und meinem oft harten Verhängnis.“

Diese seine Worte sind mehr als nur eine Augenblicksstimmung. Hier klingt die Not eines Menschen durch, der sich ein Leben lang an kleinstaatlichen Verhältnissen, an Engstirnigkeit und Standesdünkel, an Herrscherlaunen und Grenzpfählen den Kopf wund gestoßen hat. Er war es, der Leasings alte Forderung nach einem deutschen Nationaltheater erneut ausrief; in seinen Dramen trat er für die Ideen der Freiheit, für ein einiges nationales Vaterland, für die humanistischen Ziele der Renaissance ein. Die Dramen sind der Kern seines Gesamtwerkes. Auf der Bühne führte er seinen Landsleuten am Beispiel anderer Völker vor, wie weit sie selbst in der Entwicklung zum Nationalstaat zurückgeblieben waren, wie dieses Übel allen geistigen und wirtschaftlichen Fortschritt gehemmt hatte.

Auch Goethe erkannte die große ökonomische, politische und geistige Umwälzung des 16. Jahrhunderts, die machtvolle Entfaltung neuer Ideen; von der Geistes- und Glaubensfreiheit, vom Anspruch des Bürgertums auf Mitbestimmung im Staat, von der Handels- und Gewerbefreiheit. Zweimal hat er diese Zeit geschildert: im „Eg-mont“, in dem das niederländische Volk über seine spanischen Bedrücker siegt und einer großen Zukunft entgegengeht, und im „Götz von Berlichingen“, in dem die deutschen Bauern dem Feudaladel unterliegen und für Jahrhunderte eine wahre Aufwärtsentwicklung auf gehalten wird. Friedrich von Schiller entschied sich für ein Thema aus derselben Zeit, für ein Ereignis aus der englisch-schottischen Geschichte. Sein Trauerspiel „Maria Stuart“ spiegelt nicht nur den Streit zweier Königinnen um einen Thron wider, sondern zeigt in letzter Konsequenz den Kampf zweier Weltanschauungen, von denen die eine rückgewendet und am Althergebrachten angend, die andere, von der großen Zeitentwicklung getragene, sich als zukunftweisend erwies.

Maria von Schottland und Elisabeth von England waren die weltlichen Repräsentantinnen auf der einen Seite die gesamte katholische Welt mit dem Papst aberQfvm spanischei} König Philipp II. an der Spitze standen, auf der anderen Seite ie protestantischen Länder. Die katholischen Herrscher vertraten das Prinzip der absoluten Gewalt, d. h. sie regierten allein kraft des ihnen „von Gott verliehenen Amtes“. In den protestantischen Ländern dagegen gewann das aufstrebende Bürgertum im Staat Sitz und Stimme und konnte seine Interessen vertreten.

Jeder Herrscher findet bei seinem Regierungsantritt ganz bestimmte ökonomische und politische Verhältnisse vor, die seinen Zielen und Absichten entweder günstig sind oder entgegenstehen; denn die Entscheidungen und Taten der regierenden Häupter hängen nicht allein von ihrem Willen, ihrer Tatkraft und Geschicklichkeit ab, sondern in weit stärkerem Maße von den geistigen und wirtschaftlichen Kräften, die bisher in ihrem Volke wirksam waren, deren Samen bereits ausgestreut ist und zwangsläufig zur Entwicklung treibt. Mit anderen Worten gesagt: Könige machen nicht die Geschichte, sondern haben die Wahl, sich der großen Zeitentwicklung helfend und fördernd zur Seite zu stellen oder ihr hemmend in den Arm zu fallen, um das Rad der Geschichte aufzuhalten.

So sind auch Maria Stuart und Elisabeth Tudor bei ihrem Regierungsantritt in ein Kräftefeld gestellt, das sie zunächst erkennen müssen, um es zu beherrschen und dann die Führung darin übernehmen zu können. Im englischen Volke waren es der Landadel und die Städtebürger, die durch ihre Tatkraft — unterstützt von den Vorgängern Elisabeths auf dem Thron — die Armut des Landes überwanden, von dem Getreideanbau zur Schafzucht und Wollproduktion übergingen, Tuch im eigenen Lande herstellten und nicht mehr einführten, Manufakturen errichteten, Außenhandelsbeziehungen aufnahmen und erfolgreich mit Kaufleuten des europäischen Festlandes konkurrierten. Auf diese Leute stützte sich die Königin Elisabeth, sie halten Sitz und Stimme im Unterhaus, ihnen wurde mit Gesetzen und Verfügungen geholfen, und der Reichtum, der durch ihre Tätigkeit ins Land strömte, stärkte auch die Macht der Krone.

Dieses „Volk“ war es, das im 4. Akt des Dramas von der Königin den Kopf der Stuart forderte, denn die katholische Maria auf dem protestantischen Thron von England bedeutete Gegenreformation, den Einfall katholischer Heere aus anderen Ländern, bedeutete den Untergang des Außenhandels, Verfolgungen durch die Kirche, Ketzerverbrennungen und Not und Elend im Lande.

Maria Stuart war eine gläubige Katholikin, die sich in allen Handlungen nicht ihrem Volke, sondern allein Gott und ihrem Gewissen verantwortlich fühlte. Sie war überzeugt von ihrem Rechtsanspruch auf die englische Krone. Ihr heldenmütiges Ausharren in jahrelanger Kerkerhaft und ihr. beharrlicher Kampf mit den englischen Staatsmännern und der Königin Elisabeth trugen ihr die Bewunderung ihrer Zeitgenossen ein und gaben ihr in den Augen der Katholiken einen mystischen Schimmer. In Frankreich bildete man junge Priester aus, die nach England gesandt wurden, um für einen Umsturz den Boden vorzubereiten mit der Absicht, Maria zu befreien und auf den Thron zu heben. In Mortimer tritt uns im Drama ein solcher heißblütiger, leidenschaftlicher Jüngling entgegen, dessen Liebe zur himmlischen und irdischen Maria ihn zum Werkzeug der weltlichen Ziele seiner Kirche werden läßt.

Stefan Zweig sagt von beiden Königinnen mit Recht: „Mit Elisabeth siegt der Wille der Geschichte, der vorwärts drängt, der die abgelegten Formen wie leere Schalen hinter sich schleudert und seine Kraft in immer anderen, sich schöpferisch entwickelnden versucht. In Elisabeths Leben verkörpert sich die Energie einer Nation (Burleigh ist der konsequente und unerbittliche Vertreter der britischen nationalen Einheitsgedankens), die ihre Stelle in der Welt erobern will; in Maria Stuarts Ende stirbt nur prächtig und heldisch eine ritterliche Vergangenheit. Aber dennoch erfüllt jede in diesem Kampf vollendet ihren Sinn: Elisabeth, die Realistin, siegt in der Geschichte, Maria Stuart, die Romantikerin, in Dichtung und Legende.“ Unserer Inszenierung kommt es darauf an, dem Untergang der schottischen Königin die Bedeutung einer geschichtlichen Notwendigkeit zu geben und sie aus der poetischverklärenden, mitleidfordernden Auffassung zu lösen, die eine bürgerliche Literaturbetrachtung ihr unterstellen wollte. Unter Beibehaltung der dichterischen Konzeption soll der Zuschauer den großen Atem der Geschichte spüren, die stets nur zwei Arten von Menschen kennt, solche, die ihrer Vorwärtsentwicklung dienen, und solche, die ihr hemmend in den Arm fallen wollen.

Gertraude Stahl

Frühling und Naturschutz[Bearbeiten]

Von Johannes Ehrhardt, Nordhausen
siehe scan

Sibirische Gäste in Nordhausen[Bearbeiten]

Von Wolfgang Schrödter, Nordhausen

Anfang November waren sie plötzlich da. Es waren nur zwei, dennoch blieben sie nicht unentdeckt. Besonders von der Jugend wurden die beiden freudig begrüßt; denn sie gingen freigebig mit den Nüssen um, die die Haselnußbäume in der Kar -Liebknecht-Straße im Jahre 1954 reichlich gefruchtet hatten. In hellen Scharen sta den die Schulkinder unter den Bäumen, und balgten sich um die Nüsse, die die Nußpflücker herabfallen ließen. Wer Glück hatte, bekam hin und wiederrauAei ne aufgehackte Nuß, er brauchte den süßen Kern dann nur

selbst Erwachsene stehen und staunten über die beiden flinken Vogel die so wenig Scheu zeigten. Einer von ihnen mußte sogar einmal Federn lassen, als er tollkuh einer fallenden Nuß nachstürzend, sich mitten in einen Haufen Schulkinder warf. Was für Vögel mochten es nur sein? Obwohl sie taubengroß waren, trugen sie doch ein dunkelbraunes Kleid mit weißen Sprenkeln, ähnlich den Staren Hejkst* Auch ihr Schnabel war so lang und spitz. Da sie mit ihm aber sehr geschickt auf die Nüsse einhämmerten, die sie meist mit dem rechten Lauf auf einen Ast druckten, (siehe Aufnahme) konnte es sich vielleicht um Spechte handeln. — Dann, als alle Bäume von ihren Nüssen befreit waren, verschwanden die Vögel ebenso, wie sie gekommen waren — unerkannt.

Die beiden Gäste waren Sibirische Tannenhäher (Nucifraga caryoca-tactes macrorhynchoa Brehm). Ihre Heimat reicht von Korea über ganz Sibirien bis Osteuropa. Sie sind nahe verwandt mit dem bei uns beheimateten „Dickschnäbligen Tannenhäher“ und werden nur als eine andere Unterart eingeordnet. Am ehesten lassen sich beide Unterarten an der verschiedenen Stärke und Länge des Schnabels unterscheiden. Die Hauptnahrung des Sibirischen Tannenhähers ist die Zirbelnuß. Wie sehr der Vogel von dieser Nahrung abhängig ist, zeigt uns die Verbreitung an. Nur wo die Zirbelnuß gedeiht, ist auch der Sibirische Tannenhäher beheimatet. Es mögen daher jene Forscher schon recht haben, die glauben, daß diese Vogelart nur immer dann auf Wanderung geht, wenn in einem unfruchtbaren Jahr die Zirbelkiefer-Nahrung nicht ausreicht. In solchen Jahren ziehen die JVoge über ganz Europa bis nach England hin. Derartige „Tannenhäher-Invasionen sma seit 1754 in der Literatur bekannt. Sie folgen einander in sehr unreplmaßigen Abständen. Wie nun Nachrichten anderer Beobachter bestätigen, erfolgte auch letzten Herbst eine solche Invasion. Ihr gehörten also unsere beiden Gaste an.

Eine traurige Tatsache scheint es nach den bisherigen Beobachtungen zu sein, daß viele der wandernden Vögel nie mehr in ihre Heimat zurückkehren. Einmal wird ihnen bei uns zum Verhängnis, daß sie in den unendlichen sibirischen Weiten den Menschen mit seinen Gefahren nicht kennengelemt haben und ihm gegenüber schon erwähnt — nicht scheu sind. Zum anderen aber ist es wohl die erschwerte, ^regelmäßige Nahrungsaufnahme, die sie die große Reise nicht überstehen läßt. Möglich wäre es auch, daß einige dieser Vögel bei uns bleiben, sich mit ihren hier beheimateten Verwandten vermählen und damit in dieser Unterart aufgehen. Doch darüber fehlen wohl noch jegliche Beobachtungen. Die Tannenhäher, besonders die dickschnäbligen Tannenhäher, die auch in den ruhigen Fichtenwäldern unseres Harzes zu finden sind, leben während der Fortpflanzungszeit so heimlich, daß es bisher nur einmal gelungen ist, einen sicheren Brutnachweis für das Harzgebiet zu erbringen. Diese Tatsache zeigt, wie schwer brutbiologische Untersuchungen an dieser Art vorzunehmen sind.

Anmerkung der Redaktion :

Die Angabe, daß der Tannenhäher im Harze nicht brütet, trifft nicht zu. Das Ehepaar O. und M. Heinroth hat Nestjunge großgezogen, die von Stiege stammten. Sie sind selbst in dem Werke abgebildet.

Die geschichtliche Entwicklung der Wasserversorgung der Stadt Nordhausen[Bearbeiten]

Vom Wasserwirtschaftsbetrieb Nordhausen
siehe Scan

Aus unserer Veranstaltungstätigkeit im Monat Februar 1955[Bearbeiten]

siehe Scan

Zur Geschichte des Dorfes Auleben[Bearbeiten]

Von Herbert Lüddecke, Weimar (Schluß)

Auleben liegt an einer alten fränkischen Heerstraße. Diese nimmt von Nordhausen einen zweifachen Verlauf; „der eine Zweig ging über Sundhaüsen und Heringen“ nach Tilleda . . . [1] Die Straße führt in diesem Raum auf der diluvialen Terrassenkante nördlich der Unteren Buntsandsteinformation entlang. Diese Kante stellt eine verkehrstechnisch bedeutsame Linie dar und führt durch das Siedlungsgebiet des heutigen Dorfes Auleben. Sie ist „eine natürliche Grenze in der Landschaft, die als solche zur Anlage von Siedlungen zwingt“, wobei „einzelne Höfe in natürliche . . . Buchten getaut wurden“.[2] Eine solche natürliche Bucht an der Terrassenkante dieser alten Heerstraße ist durch den Auleber Bach gegeben. Er hat sein schmales Tal in das Hügelland der Unteren Buntsandsteinformation von SW her eingeschnitten. Noch heute ist zu erkennen, wie der eine Teil des Dorfes sich in dieses Tal hineingeschoben hat, während der andere Teil auf den nördlich gelegenen alluvialen Schuttanhäufungen des Baches liegt. Diese durch den Bach geschaffene Bucht hat zur Anlage einer Siedlung oder eines Einzelhofes verlockt. In dem südlichen Teil des Dorfes liegt der Ortsteil, der mit „Kapelle“ bezeichnet wird. Hier soll die älteste Ansiedlung der geschichtlichen Epoche des Dorfes erfolgt sein. Es besteht die eine Möglichkeit, daß durch die Straßenführung auf der Terrassenkante eine bisher namenlose Siedlung aus diesem Zustand herausgerissen und verwaltungs- und namensmäßig in der Folgezeit erfaßt wurde. Die andere Möglichkeit besteht darin, daß als Folge der Straßenführung zunächst ein Einzelhof angelegt wurde, der in einer späteren Zeit den individuellen Namen einer Person erhalten hat. Immerhin muß die Ansiedlung frühzeitig erfolgt sein, da in der „Goldenen Aue“ die .alten Siedlungen alle „am Rande des Helmesumpfes“ liegen und die späteren erst die wasserreichen Nebentäler bevorzugen und dann mit dem 9. Jahrhundert allmählich in die alte Waldzone Vordringen.[3] Durch die Lage auf der Terrasse und an dem Auleber Bach ist weder Mangel noch Überfluß an Wasser und Wald an diesem Ort vorhanden. Auch diese Tatsache wird als eine der Grundlagen für eine natürliche Siedlung angesehen.[4] Alle diese geographischen Bedingungen sind bei dem Dorf Auleben gegeben.

Die Patrozinienforschung kann ebenfalls einen Anhaltspunkt über das Alter eines Dorfes geben. Die Kirche in Auleben ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.[5] Kirchen mit diesen Patrozinien, die vorwiegend zu einer bestimmten Zeit zur Kirchenbenennung herangezogen wurden, werden als die frühesten jn dem Gebiet der „Goldenen Aue“ bezeichnet. Sie sind gern auf alten Kultstätten erbaut, die auf weithin sichtbaren Erhebungen lagern.[6] Die Kirche von Auleben steht oberhalb des Dorfes auf dem verhältnismäßig steil ansteigenden „Kirchberg“, der einen weiten Ausblick über die „Goldene Aue“ nach dem Südharzrand. Oft können die Namen der Glocken, die in ihrer Benennung ebenfalls wie die Patrozinien einer gewissen „Mode“ in einer bestimmten Zeit unterworfen1 waren, zur Altersbestimmung einer Siedlung mit herangezogen werden.

Die jetzigen Auleber Kirchenglocken stammen aus dem Jahre 1918; und von den früheren ist in der Kirchenchronik wenig vermerkt worden, so daß in dieser Beziehung keine Schlüsse gezogen werden können.[7]

Die äußere Gestalt einer Siedlung kann über das Alter derselben ebenfalls mittelbar Auskunft geben. Die Siedlung, so wie sie „heute vorliegt, ist bestimmt durch die üngliche Anlage und durch die Entwicklung“, die der Ort durchgemacht hat. Die größte Längsausdehnung des Dorfes Auleben erstreckt sich von SW nach NO. Die größte Breitenausdehnung ergibt sich von Westen nach Osten. Die Längsausdehnung ist geographisch bedingt. Nach SW hat die Siedlungsmöglichkeit durch den Bach und sein Tal seine Begrenzung gefunden. Nach NO ist die Besiedlungsmöglichkeit durch die Ausdehnung des Rieds nicht derart begrenzt. So ist in dieser Richtung das Dorf in jüngerer Zeit erweitert worden. Die Breitenausdehnung erstreckt sich längs der Straße von Heringen nach Kelbra. Hier dehnt sich das Dorf ebenfalls in jüngerer Zeit besonders nach dem Osten hin aus. Wenn die jüngeren Erweiterungen des Dorfes für das äußere Dorfbild unberücksichtigt bleiben, so haben wir ein Dorf von einer rundlichen, geschlossenen Form, — aber keinen Rundung vor uns, das einen unbestimmten Grundriß hat. Dieser Dorftyp wird von o. Schlüter hauptsächlich für ehemalige „Gutsdörfer“ in Anspruch genommen. Diese Annahme wird bei dem Dorf Auleben bestätigt. Bis 1945 hatten hier sieben Rittergüter ihren Sitz. Die scheinbar unregelmäßige Dorfanlage kennzeichnet dieselbe als alt und reicht bis in die ersten Siedlungsperioden zurück. In der Folgezeit ist das Dorf dann allmählich natürlich gewachsen.

Die Ur- und Frühgeschichte mit ihren Bodenfunden gibt einen wichtigen Hinweis für das Alter eines Dorfes. Bei Bauarbeiten auf dem Grundstück „Straße der Einheit“ 14 wurde 1934 eine frühgeschichtliche Bestattung gefunden. Die Perlenbeigaben, die sich dabei fanden, sind heute im Spengler-Museum in Sangerhausen ausgestellt. Nach diesen Beigaben gehört die Bestattung der fränkischen Zeit an. Späteisenzeitliche bzw. frühgeschichtliche Scherben wurden beim Umbau des ehemaligen „Schlosses“ zur jetzigen Grundschule gefunden. Im Norden des Dorfes wurde bei Bauarbeiten ein nordwestlich sich erstreckendes Urnengräberfeld aus der Latenezeit (spätere Eisenzeit) festgestellt. 1894 wurden im SW des Dorfes auf einem der damaligen Güter in 4 m Tiefe Funde aus der Jungsteinzeit gemacht. Aus diesen Funden wurde auf eine Ansiedlung während dieser Zeit geschlossen.

Das Dorf Auleben ist eine alte Siedlungsstätte. Sie wurde bereits von dem vorgeschichtlichen Menschen aufgesucht. Eine Kontinuität der Besiedlung ist seit der frühgeschichtlichen Zeit gegeben. Seinen Namen hat das Dorf als Folge des Eindringens des „Feudalismus fränkischer Prägung“ — nach 531 — erhalten. Vor dieser Namensgebung hat es möglicherweise schon ein anonymes Dasein geführt. Aus dem 8. Jahrhundert ist der Name des Dorfes urkundlich belegt. Es war ein ehemaliges Gutsdorf mit einem unregelmäßigen Grundriß. Bei der Anlage dieser Siedlung haben unter den vor- und frühgeschichtlichen Bedingungen die geographischen Faktoren sich fördernd ausgewirkt.

In der Altersbestimmung und für die Entwicklung des Dorfes Auleben, wie über-aupt für alle Dörfer, wird man einen wichtigen Schritt weiterkommen, wenn alle vor- und frühgeschichtlichen Bodenfunde entsprechend den jeweiligen Grundwor-en wie z. B. -leben, -hausen usw. zusammengestellt sind. Für diese Aufgabe müßte nmal eine systematische Dorfkernforschung stattfinden, zum anderen geben aber u Bodenfunde, die bei Bautätigkeiten gefunden und ordnungsgemäß gemeldet raen> wichtige Auskünfte für die Geschichte eines Dorfes.

  1. P. Höfer: „Die Frankenherrschaft in den Harzlandschaften“ in Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 1907, 40. Jahrg., S. 154
  2. R. Stampfuß: „Die Franken“ in „Vorgeschichte der deutschen Stämme“, herausgegeben von Hans Reinerth, Leipzig 1940, S. 182
  3. A. Thimm: „Thüringisch-Sächsische Grenz- und Siedlungsverhältnisse im Südost-Harz“, Würzburg-Aumühle 1939, S. 20
  4. L. Fiesel: ebenda, S. 50
  5. E. Müller: „Aus der Chronik von Auleben“ in „Sonntagsblatt für die Goldene Aue“ 1903, Nr. 7
  6. H. Silberborth: „Geschichte des Helmegaues“, Nordhausen 1940, S. 100
  7. Kirchenchronik von Auleben

Die wilden Bienen aus dem Busch oder: Ein „süßes“ Erlebnis[Bearbeiten]

Von Hermann Freyberg
siehe Scan