Deutsche Friedensgesellschaft (Nordhausen)

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Die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) ist die älteste deutsche Friedensorganisation. Sie ist ein Verband politischer Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer.

Friedensgesellschaft in Nordhausen[Bearbeiten]

Am 6. Dezember 1920 wurde in der Nordhäuser Volkszeitung ein Aufruf zur Gründung einer Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft veröffentlicht. Die Gründung erfolgte am 16. Dezember im Gesellschaftshaus Spangenberg. Zum ersten Vorsitzenden wurde Bernhard Schiff gewählt.

1921 sprach sich die Friedensgesellschaft gegen den Bau des Kriegerdenkmals am Geiersberg aus. Sie propagierte dafür den Gedanken, eine wohltätige Stiftung zu gründen, um ein Heim für bedürftige Kriegsverletzte und Kriegerwitwen zu errichten.

Auf einer Kundgebung der Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft am 31. Januar 1924 im Spangenberg-Saal rief deren Sekretär Gerhart Seger zur Verständigung unter den Völkern auf. Stahlhelmleute und andere rechte Kräfte versuchten die Versammlung zu stören.

Auf ihrer Jahresversammlung am 8. Februar 1929 wendete sich die Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft unter dem alten und neuen Vorsitzenden Mittelschullehrer Werner Müller gegen eine Äußerung des Pfarrers Johannes Lippert auf der Reichsgründungsfeier, der den Pazifismus als eine geistige Seuche bezeichnet habe.

Beleidigungsklage[Bearbeiten]

Am 28. Juni 1929 protestierten die nationalen Verbände auf dem Neumarkt gegen die von ihnen so bezeichnete „Kriegsschuldlüge“. Die Nordhäuser Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft benutzte diesen Tag, um 3000 Flugblätter in den Straßen der Stadt zu verteilen, in denen die Mitschuld gewisser Kreise (der Alldeutschen) am Weltkrieg dargelegt wird. Ein solches Flugblatt übergab einer der Verteiler, ein Invalide namens Naumann, auch dem Sanitätsrat Paul Förstemann, der, nachdem er den Inhalt des Flugblattes zur Kenntnis genommen hat, Naumann als einen Lumpen bezeichnet. In einem Brief vom 1. Juli fordert der Vorsitzende der Ortsgruppe Förstemann auf, die Beleidigung zurückzunehmen. Förstemann antwortete wieder mit einem Brief an die Friedensgesellschaft, in dem er diesen Ausdruck Naumann gegenüber zurücknimmt, aber seiner Entrüstung über die Friedensgesellschaft dadurch Ausdruck verleiht, dass er nun schreibt, für eine solche Art Deutsche fehlte der deutschen Sprache noch der richtige Ausdruck gebührender Verachtung.[1] Am 29. Juni äußerte sich die Nordhäuser „Allgemeine Zeitung“ scharf gegen die Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft, besonders gegen deren verräterische Machenschaften in Bezug auf die Kriegsschuldlüge.

In der Beleidigungsklage der Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft gegen Sanitätsrat Förstemann wurde in der Verhandlung 2. Instanz am 19. Mai 1930 das erstinstanzliche Urteil aufgehoben und Förstemann zu 100 RM Geldstrafe verurteilt. Das Gericht stellte fest, durch das Flugblatt habe sich der Angeklagte keineswegs beleidigt fühlen können, er habe deshalb auch nicht wieder beleidigen dürfen.[2]

Vorträge (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Im großen Saal von Spangenberg sprach am 12. Januar 1921 Prof. Ludwig Quidde, Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, über die Frage „Krieg ohne Ende oder Völkerverständigung?“
  • Helmut von Gerlach, Mitbegründer der Deutschen Friedensgesellschaft, sprach am 13. April 1921 vor der hiesigen Ortsgruppe über das Thema „Kann ein Deutscher jetzt noch Friedensfreund sein?“ Anschließend nimmt Direktor Benno Bohnenstaedt scharf gegen ihn Stellung.
  • Am 19. Januar 1926 sprach der Generalsekretär der Deutschen Friedensgesellschaft, Gerhart Seger, in einer von der Nordhäuser Ortsgruppe einberufenen öffentlichen Versammlung zum Thema „Kann Deutschland auf die Wiedererlangung der abgetrennten Gebiete rechnen?
  • Am 17. November 1926 sprach im Spangenbergsaal ein prominenter Vertreter der Deutschen Friedensgesellschaft, der Ex-General Dr. h. c. Freiherr von Schoenaich über die Abrüstungsverhandlungen in Genf und die Ursachen des Völkermordens. Ludwig Einicke von der örtlichen KPD unterstrich in der sich anschließenden Diskussion die meisten Ausführungen des Referenten, v. Schoenaichs Äußerungen vom Versagen der Kirche während des Krieges und von der Kriegshetze der Mehrheit der evangelischen Geistlichkeit bewirken, dass die Nordhäuser Pfarrer beim Oberstaatsanwalt Anzeige erstatten.
  • Der Ortsgruppe der Friedensgesellschaft gelang es, Walentin Bulgakow, den letzten Privatsekretär Leo Tolstois, zu einem Vortrag am 2. März 1931 im Haus der Jugend zu gewinnen. Das Thema des Vortrages lautete „Tolstoi - Lenin - Gandhi“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen : 1802 bis 1989. Horb am Neckar: Geiger, 2003. S. 302.
  2. Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen : 1802 bis 1989. Horb am Neckar: Geiger, 2003. S. 309.