10 Jahre Arbeit am Stadttheater Nordhausen, 25 Jahre deutscher Theatermann

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Titel: 10 Jahre Arbeit am Stadttheater Nordhausen, 25 Jahre deutscher Theatermann
Untertitel: Intendant Heinz Huber zu seinem doppelten Jubiläum)
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Erscheinungsdatum: 1932
Verlag: Stadttheater
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Erscheinungsort: Nordhausen
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung: Festschrift für Heinz Huber
Digitalisat: PDF (22 MB)
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10
JAHRE
ARBEIT AM
STADTTHEATER
NORDHAUSEN
25 JAHRE
DEUTSCHER
THEATERMANN






AN HEINZ HUBER.

Das sag’ ich ohne alle Flausen, —
Es ist auch männiglich bekannt —
Apollo danken muß Nordhausen,
Daß Dich es fand als Intendant.

„Intendere" heißt: „Sich bestreben!"
Die Kräfte hast Du nicht geschont,
Nordhausens Bühne hochzuheben!
Heut sei Dir Müh’ und Fleiß gelohnt!

Max Grube, Meiningen.


Es ist mir eine besondere Freude, Herrn Intendanten Heinz Huber zu seinem doppelten Jubiläum zu beglückwünschen. Seit Jahren verfolge ich den Spielplan seines Hauses mit bewundernder Zustimmung. Dem interessierten Bewohner einer deutschen Mittelstadt wird hier die Gelegenheit geboten, ungefähr alles kennen zu lernen, was klassische und moderne Bühnen-Literatur an Wertvollem aufweist — in oft vortrefflicher Verkörperung, wie ich durch Augenzeugen weiß. Man braucht wahrhaftig nicht verblendet zu sein, um zu sagen: dergleichen existiert nicht in anderen Ländern. Man ziehe einen Vergleich mit ausländischen Riesenstädten — mit Lyon etwa oder mit Liverpool, und man wird wissen, was ich meine. Es ist aufs Innigste zu wünschen, daß dem Theater von Nordhausen, diesem Haus der geistigen Erziehung und der künstlerischen Lebensfreude, Gedeihen und Wirkung dauernd gewahrt bleibe!

Bruno Frank.


Wenn alle verantwortungsbewußten Bühnenleiter inbezug auf den Spielplan sich an das Dichterwort zu halten haben: „Laßt Phantasie mit allen ihren Chören / Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft, / Doch, merkt euch wohl, nicht ohne Narrheit hören!" so ist es dem Nordhäuser Stadtheater und seiner Leitung vollauf gelungen, diesem zu allen Zeiten und besonders heute schwer ganz zu erfüllenden Gebote in hohem Maße gerecht zu werden. Ich kenne nicht viele deutsche Bühnen, die mit so glücklicher Hand dem „Vergnügen der Einwohner" geben, was des Vergnügens ist, und dem Geist, was des Geistes ist. Ein Spielplan solcher Art, wie ihn das Nordhäuser Stadttheater geboten hat, ist ein tiefstes Bedürfnis für alle Städte, die an der Pflege unserer deutschen Kultur mitzuarbeiten bemüht sind, „Kultur" in dem weiten Sinne des Wortes, in dem sowohl der Ernst wie die Freude notwendig dazugehören. Und so wünsche ich dem Nordhäuser Stadttheater und seiner Leitung nicht nur Glück zu ihrem jetzigen Jubiläum, ich wünsche noch weit mehr ihnen und ganz besonders der Stadt Nordhausen, daß diesem Jubiläum noch eine große, eine gar nicht endende Reihe von Jubiläen folgen möge.

Professor Dr. Max Herrmann,
Direktor des Theaterwissenschaftlichen
Instituts an der Universität Berlin.


Sehr geehrter Herr Intendant!
Lieber Heinz Huber!

Man raunt in deutschen Bühnenkreisen, daß Sie im Jahre 1932 Ihr 25jähriges Bühnen-Jubiläum feiern und zugleich auch auf eine 10jährige Tätigkeit als Leiter des Nordhäuser Theaters zurückblicken können.
Niemand entgeht seinem Schicksal und so sind auch Sie Jubilar geworden und müssen Ehrungen entgegennehmen. Mit herzlichsten Wünschen bin ich zur Stelle. Ich gedenke der Zeit, da Sie Leiter des Mühlhäuser Stadttheaters waren. In der Zeit schlimmster Inflation haben wir unser Theaterchen durchgehalten. Sie mußten alles in einer Person sein: Direktor, jugendlicher Held, Charakterspieler, Theatersekretär, Empfangschef, Logenschließer und Bühnenarbeiter. Mit bewundernswerter Arbeitsfreudigkeit und Arbeitsfrische haben Sie sich Ihrer Aufgaben angenommen. Ihr zäher Wille und Ihr weites Können waren die Flügel zum Erfolg. Unter den mehr als bescheidenen Verhältnissen ist damals in Mühlhausen anständig Theater gespielt worden.
In meiner lieben Vaterstadt Nordhausen haben Sie alten Erfolgen neue hinzugefügt. Aus gelegentlichen Besuchen Ihrer Aufführungen, mehr aber noch aus den Erzählungen meiner Nordhäuser Freunde, weiß ich, wie hohe darstellerische Kunst Sie in 10 Jahren der Stadt Nordhausen vermittelt haben.
Zu ihrem Doppeljubiläum ist mein herzlichster Wunsch, daß Ihnen noch viele Jahre Ihre Gesundheit, Ihr Wille zu künstlerischer Tat, sowie Anerkennung und Erfolg beschieden sein mögen.

Mit herzlichem Gruß
Ihr getreuer
W. Arnold
Oberbürgermeister von Gera.


Mehr als jemals bedarf es in diesen Tagen unserer wirtschaftlichen und der daraus folgenden kulturellen Not eines festen Zusammenschlusses zwischen Theater, Publikum und Autor und — wenn der Wunsch nicht allzu kühn ist — auch der Theaterkritik. Auch auf diesem Gebiet, wie überall, muß eine Notgemeinschaft hergestellt werden, die alle am gemeinsamen Werk Beteiligten umschließt und zusammenhält. Einzelwünsche müssen zurücktreten! Es gilt das Ganze zu retten! Aber was wäre ein Theater ohne die Unterstützung des Publikums! Ich kenne das schöne alte Nordhausen, hatte einmal eine Vorlesung aus eigenen Werken dort, vor langen Jahren. Ich hatte damals den Eindruck, vor einer besonders aufnahmefähigen, empfangsfreudigen, verständnisvollen Hörerschaft zu sprechen. Ich kann mir nicht denken, daß sich daran etwas geändert haben sollte. Auch der Spielplan Ihres Theaters beweist es. Er ist von einer literarischen Vielseitigkeit und Differenziertheit, daß jede Großstadtbühne Nordhausen darum beneiden könnte.
Was mich selbst betrifft, so gereicht es mir zur besonderen Freude, daß Herr Intendant Huber zu seinem doppelten Bühnenjubiläum gerade meinen ,,Strom" erwählt hat und den Peter darin spielen wird. Ich werde im Geiste an diesem festlichen Abend teilnehmen und kann ihm keinen schöneren Wunsch dazu darbringen, als daß das von ihm geleitete Theater auf seiner bisherigen Höhe bleiben und das Publikum von Nordhausen durch seine rege Teilnahme ihm dazu verhelfen möge.

Max Halbe.


Wagner: „Der fliegende Holländer“. III. Akt. Inszenierung und Bühnenbild: Heinz Huber.


Stephan: „Die ersten Menschen“. Inszenierung: Heinz Huber. Bühnenbild: Heinz Dahm. phot. Schiewek


Die „Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände" (die berufene Fach- und Standesorganisation der geistigen Führer des deutschen Theaters) kann und darf nicht fehlen, wenn Heinz Huber sein fünfundzwangzigjähriges Bühnen- und sein zehnjähriges Nordhäuser Intendanten-Jubiläum feiert.
Fünfundzwanzig Jahre im Dienste des lebendigen Theaters! Welche Summe von Kraft und Arbeit für den schöpferischen Bühnenkünstler! Stunden des Ringens, schwere Monate heißer Arbeit, entbehrungsreiche Jahre des Aufstieges! Und jeden Abend und immerfort ein Kampf um die künstlerische Existenz, ein Nie-müde-werden in ungezählten Schlachten im Lichte der Rampe und der Scheinwerfer! Heinz Huber hat den Kampf bestanden. Ein Verweilen heute. Und dann den Helm fester geschnallt zu neuen Waffengängen!
Zehn Jahre Theaterleiter in Nordhausen! „Welch kurze Zeit!" will mancher sagen. Und doch: wie entscheidend, wie bedeutungsvoll waren diese zehn Jahre Woche um Woche! Wie sehr gefüllt mit schwerwiegenden Entscheidungen Tag um Tag — oft Stunde um Stunde! „Theaterjahre zählen — wie Kriegsjahre: — doppelt!" Das ist ein wahres Wort.
Zehn Jahre Bühnenleiter! Das bedeutet schon eine ganze Epoche in der Kultur-, Kunst- und Theatergeschichte der Stadt.
Zehn Jahre Bühnenleiter eines Kulturtheaters! Das bedeutet vor allem ein Programm. Ein Auswiegen literarischer, künstlerischer und wirtschaftlicher Grundsätze unter dem Gesichtspunkt: ein gepflegtes Theater von Format zu statuieren. In fünf Spielzeiten kann und soll der Leiter einer städtischen Kulturbühne seinem Publikum die epochemachenden Werke der deutschen und die wichtigsten der Weltliteratur in lebendigen Inszenierungen vorführen; ein Rückblick auf den Spielplan des Stadttheaters Nordhausen beweist klar und eindrucksvoll, daß Heinz Huber im Ablaut der zwei mal fünf Jahre seiner Intendanz diese kunstpädagogische Forderung nicht nur in vollem Umfang erfüllt, sondern — ein schönes Zeichen für seinen literarischen Geschmack und seine künstlerische Kratt — sogar noch in hohem Maße überboten hat. Die Theaterabonnenfen vermochten im Wechsel der Wochen und Monde den ganzen Kreis der dramatischen Schöpfung von Shakespeare bis Shaw, von Lessing bis Hebbel, von Hauptmann bis Barlach und Zuckmayer auszuschreifen. Die glücklichen Schüler und Schülerinnen Nordhausens haben in ihren eindrucksvollsten Jahren eine Fülle der Gesichte und Gestalten aus dem Dämmer literarischer Vergangenheit im Lichte der Bühne aufsteigen sehen.
Was kann eine gute stehende Bühne wirken? Heinz Huber hat diese Schiller-Frage für das Stadtfheafer Nordhausen durch seine Arbeit beantwortet. Wir sind stolz, ihn zu den unsrigen zu zählen.
Ein herzliches „Glückauf" für die künftigen Jahre.

Die „Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände".
Dr. Bruno Th. Satori-Neumann
Geschäftsführender Vorsitzender.


Heinz Huber.
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betrat im Jahre 1907 als Schauspieler die Bühne in Steyr,
nachdem er in Wien und in München ausgebildet worden war. Nach einem Wandertheatersommer wurde er nach Salzburg verpflichtet und kam dann — zunächst als Charakterdarsteller, darauf bald als Regisseur — über Heidelberg, Liegnitz, Teplifz-Schönau, Lübeck, Dresden, Berlin, Oldenburg nach Meiningen. In diesen Jahren brachten ihn Gastspiele in alle Gegenden des deutschen Sprachgebiets : in den äußersten Süden (Graz) und an die Ostsee (Kiel), in den schlesischen Osten (Breslau) und in den rheinischen Westen (Bonn), — bis er im Mai 1918 im Herzen Deutschlands: in Thüringen und zwar zunächst in Mühlhausen Theaterleiter wurde. Im Frühjahr 1922 übernahm er zusammen mit Bruno Waechfer die Nordhäuser Bühne und hier wirkt er bis zum gegenwärtigen Augenblick, bis


Heinz Huber 1932.jpg
1932 als Intendant.


Sehr geehrter Herr Intendant!

Sie können in dieser Spielzeit auf eine 25jährige Bühnentätigkeit und zugleich auf die 10jährige Tätigkeit im Dienste des Stadttheaters in Nordhausen zurückblicken. Dieses Doppeljubiläum fällt in eine Zeit, da schwere Wirtschaftskrise den Bestand des deutschen Kulturtheaters ernsthaft bedroht. Film, Radio, Sport und Politik locken das Publikum zu Hunderttausenden an und, ohne der Sportbefätigung etwa feindlich gegenüberzustehen, darf aber wohl doch mit Bedauern fesfgestellt werden, daß Boxkampf und Fußball im Begriff sind, den Sieg davonzutragen über die hohen geistigen und künstlerischen Genüsse, die das Theater zu bieten vermag. Wir wollen hoffen und würden es dankbar begrüßen, wenn die Gelegenheit des Rückblicks auf Ihre 10jährige Tätigkeit am Nordhäuser Stadtfheater die Besinnung auf das kostbare Kulturgut des deutschen Volkes, das Theater, wachruft.
Möge daher dieser Tag des Rückblicks bei den städtischen Körperschaften und der Einwohnerschaft Nordhausens die Erkenntnis Schillers von der moralischen Bedeutung der Schaubühne wachsen und den Willen stärken lassen, das Stadttheater in Nordhausen aus der allgemeinen Theaterkrise in eine bessere Zukunft hinüberzuretten.
Möge der Rückblick dazu beitragen, die Einsicht von der Unentbehrlichkeit des deutschen Theaters bei allen denen zu vertiefen, die zu seinem Schutze berufen sind.
In diesem Sinne übermitteln wir Ihnen, sehr geehrter Herr Intendant, die wärmsten Glückwünsche zu Ihrem Doppeljubiläum.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Das Präsidium der Genossenschaft
Deutscher Bühnenangehörigen.
gez. Otto.


Man muß dem Intendanten Heinz Huber und man muß fast noch mehr der Stadt Nordhausen Glück wünschen zum zehnjährigen Jubiläum ihres Theaterleiters: denn daß es hier wirklich gelingt, neben dem unvermeidlich notwendigen Zugeständnis an den bloßen Unterhaltungscharakter der Bühne, dem eigentlichen künstlerischen Sinn des Theaters gerecht zu werden, das beweist ein Blick auf den Nordhäuser Spielplan. In diesen zehn Jahren sind in Nordhausen mehr als hundert Werke zur Aufführung gebracht worden, die teils der großen klassischen Weltliteratur des Dramas angehören, teils den sehr ernsthaften Bemühungen der Zeitgenossen um neuen dramatischen Ausdruck. Es ist nicht viel von wirklich Wichtigem, was in dieser Schar fehlt. Und es ist sehr viel für eine Stadt wie Nordhausen, wenn ihr im Laute eines Jahrzehnts die Möglichkeit geboten wird, einen so großen Teil der wesentlichen Werke menschendarstellerischer Kunst kennenzulernen, über die die Schaubühne verfügt. Man kann der Stadt Nordhausen und man kann dem Intendanten Huber nur wünschen, daß dieses Zusammenarbeiten, das einen Mann so glücklich und fest in seine besondere Aufgabe eingefügt hat, noch lange andauern möge.

Julius Bab.


Durch die dankenswerte Bereitschaft von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung unter Führung der Herren Oberbürgermeister Dr. Contag und Dr. Baller und durch die eifrige Betreuung von Seifen der Herren Theaterdezernenten : des verstorbenen Stadtältesten Herizer und von Stadtrat Philipp, sowie durch das rege Interesse der Bürgerschaft an ihrer Bühne konnte das Theater der Stadt Nordhausen in den Jahren 1922—1932, alle Fährnisse überwindend, seine künstlerischen Aufgaben erfüllen und in dieser Zeit folgende Werke zur Aufführung bringen:


Schau- und Lustspiele:

Alsberg-Hesse: Voruntersuchung; Anzengruber: Der G’wissenswurm, Der Pfarrer von Kirchfeld; Arnold (und Bach): Das öffentliche Aergernis, Stöpsel, Die spanische Fliege, Unter Geschäftsaufsicht, Weekend im Paradies; Bahr: Das Konzert, Barlach: Der arme Vetter; Baumgardt: Die Nacht der Sybilla Bronsgeest (Urauff.); Bassewitz: Peterchens Mondfahrt; Benedix: Die zärtlichen Verwandten; Ben Jonson-Zweig: Volpone; Berger: Luise, Kronprinzessin von Preußen; Bernstein: Der Dieb; Berstl Dover-Calais; Björnson über unsere Kraft I. und II. Teil; Blume: Treibjagd (Urauff.); Blumenthal und Kadelburg: Im Weißen Rößl; Brandon-Thomas: Charleys Tante; Brix: Die Mörderin (Urauff.); Bronnen: Anarchie in Sillian; Büchner; Dantons Tod; Carpenter . . Vater sein, dagegen sehr! Dülberg: Tyrannenmörder; Eichendorf: Die Freier; Ernst: Flachsmann als Erzieher; Eulenberg: Belinde, Der himmlische Handelsmann; Fodor. Arm wie eine Kirchenmaus; Forster: Der Graue; B. Frank: Perlenkomödie, Sturm im Wasserglas, Zwölftausend; L. Frank: Karl und Anna; Fürst: Maria Trubach (Urauff.); Fulda: Die Durchgängerin, Jugendfreunde, Die verlorene Tochter; Galsworthy: Gesellschaft; Geyer: Aufgang nur für Herrschaften; Goethe Egmont, Faust, Götz von Berlichingen, Iphigenie; Goetz Hokuspokus, Lampenschirm, Nachtbeleuchtung, Die tote Tante; Grillparzer; Des Meeres und der Liebe Wellen, Weh dem, der lügt! Halbe: Jugend, Der Strom; Hauptmann: Der Biberpelz, Fuhrmann Henschel, Gabriel Schillings Flucht, Rose Bernd, Die versunkene Glocke, Die Weber; Hebbel: Gyges und sein Ring, Judith, Maria Magdalena, Die Nibelungen; Hirschfeld: Die Frau, die jeder sucht; H of m a n n s t h a I: Elektra, Das große Welttheater, Jedermann, Der Tod des Tizian; Hopwood: Der Mustergatte; Ibsen: Baumeister Solneß, Gespenster, Hedda Gabler, Peer Gynth, Wenn wir Toten erwachen; Jerome: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage; Jlgenstein: Liebfrauenmilch; Kadelburg: Familie Schimek; K a m a r e : Leinen aus Irland; Kaiser: Kolportage, Der mutige Seefahrer, Oktobertag; Kiabund: Der Kreidekreis; Kleist: Die Hermannschlacht, Das Käthchen von Heilbronn, Robert Guiskard, Prinz Ftiedrich von Homburg, Der zerbrochene Krug; Kolbenheyer: Jagt ihn — ein Mensch! Lenz: Heimliche Brautfahrt, Ständchen bei Nacht, Trio; Lessing: Minna von Barnhelm, Nathan der Weise; Lonsdale: Mrs. Cheneys Ende; Lütge: Auktion der Tugend, Die Fülle der Stunde (Urauff.) ; Macchiaveil: Mandragola; Manns: Die Ernte; Maugham: Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält? Die heilige Flamme; Mell: Das Apostelspiel; Meyer-Förster: Alt Heidelberg; Mohr: Die Karawane, Platingruben in Tulpin; Moliere: Der Geizige; Molnar; Spiel im Schloß, Der Teufel; Münow: Die Schuld des Bruder Marfin (Urauff.); Neumann; Der Patriot; Ortner: Meier Helmbrecht; Osten Der verlorene Vater (Urauff.); Pagnol-Frank: Zum goldenen Anker; Pirandello: Sechs Personen suchen einen Autor; Presber: Die Ballerina des Königs, Kreuzfeuer, Die selige Exzellenz; Rayna I: Das Grabmal des unbekannten Soldaten; Rehfisch- Herzog: Die Affäre Dreyfus ; Rolland: Ein Spiel von Tod und Liebe ; Rosenow: Kater Lampe ; R o s t a n d : Der Mann, den sein Gewissen trieb; Sardou: Cyprienne; Schiller: Don Carlos, Kabale und Liebe, Maria Stuart, Die Räuber, Wallensteins Lager, Wilhelm Teil; Schnitzler: Liebelei; v. Scholz: Der Wettlauf mit dem Schaffen; Schön herr: Glaube und Heimat; Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen; Schwieferf: Marguerite durch drei; Scribe Ein Glas Wasser; Shakespeare Julius Caesar, Der Kaufmann von Venedig, Richard III, Othello, Ein Sommernachtstraum, Was ihr wollt, Der Widerspenstigen Zähmung; Shaw: Die große Katharina, Die heilige Johanna; Sheriff: Die andere Seite; Sudermann: Die Ehre, Heimat, Die Schmetterlingsschlacht, Stein unter Steinen; Strindberg: Kameraden, Ostern, Rausch; Thoma: 1. Klasse, Lotfchens Geburtstag ; Tolstoi: Der lebende Leichnam, Die Macht der Finsternis; Unger Legende vom Tod, Menschikow und Katharina, Die Nacht, Der verliebte Beifu ; U rwatzoff: Wera Mirzewa ; V a n e : Ueberfahrt; V e i I I e r . Der Prozeß Mary Dugan ; Ve 11 e r ; Gefängnis ; Verneuil: Herr Lamberthier; Wallace: Der Hexer; Wilde: Ein idealer Gatte; Wildgans: Armut, In Ewigkeit, Amen! Zuckmayer: Der fröhliche Weinberg, Der Hauptmann von Köpenick, Katharina Knie, Der Schinderhannes.

Opperetten:

A b r a h a m : Viktoria und ihr Husar ; Ascher: Der Soldat der Marie; Audran: Die Puppe; Benatzky: Die drei Musketiere, Im weißen Rößl, Meine Schwester und ich; Bromme. Mascoftchen; Dellinger: Don Cesar; Eys I er: Die gold’ne Meisterin; Fall: Die Dollarprinzessin, Der fidele Bauer, Die geschiedene Frau, Jugend im Mai Der liebe Augustin, Madame Pompadour; Gellert: Unter der blühenden Linde; Gilbert: Dorine und der Zufall, Die Frau im Hermelin, Hotel Stadt Lemberg, Katja, die Tänzerin, Die keusche Susanne ; G o etze : Adrienne, Die Männer der Manon; Granichstaedfen: Der Orlow; Grün: Musikanten aus dem Böhmerwald; Heuberger: Der Opernball; Hirsch: Der Fürst von Pappenheim; Jarno: Die Försterchristei, Musikanfenmädel; Jessel: Schwarzwaldmädel ; Kalman: Die Bajadere, Die Csardasfürstin, Die Faschingsfee, Gräfin Mariza, Das Hollandweibchen, Die Rose von Stambul, Die Zirkusprinzessin; Kollo: Drei alte Schachteln, Drei arme kleine Mädels, Die Frau ohne Kuß, Fräulein Puck, Die tolle Komteß: Kü necke: Der Vetter aus Dingsda; Lehar: Friedericke, Der Graf von Luxemburg, Das Land des Lächelns, Paganini, Der Zarewitsch; Millöcker: Der Beftelsfudenf, Gasparone, Das verwunschene Schloß; Nedbal: Polenblut; Offenbach: Die schöne Helena; Planquette: Die Glocken von Corneville; Reiferer: Frühlingsluff; Roland: Liebe und T rompetenblasen; Schubert-Berte: Das Dreimäderlhaus ; Stolz: Mädi, Peppina; Joh. Strauß: Die Fledermaus, Wiener Blut, Der Zigeunerbaron; O. Strauß: Eine Ballnachf, Der letzte Walzer, Marietta, Die Teresina, Ein Walzerfraum; Suppee: Boccaccio, Fatinitza, Die schöne Galathee; Sullivan: Die Geisha; Winterberg; Anneliese von Dessau, Der Günstling der Zarin; Zeller: Der Obersteiger, Der Vogelhändler.

Opern (in den Jahren 1924—1928):

Adam: Der Postillon von Lonjumeau; D'Albert: Die Abreise, Tiefland, Die toten Augen; Beethoven: Fidelio; Bittner: Höllisch Gold; Bizet: Carmen; Blech: Versiegelt; Flofow: Martha; Goetz: Der Widerspenstigen Zähmung; Gounod: Margarethe; Halevy: Die Jüdin; Humperdinck: Hänsel und Gretel, Königskinder; Kienzl : Der Evangelimann ; Krenek: Jonny spielt auf ; Leoncavallo: Der Bajazzo; L o r t z i n g : Der Waffenschmied, Der Wildschütz, Zar und Zimmermann; Marschner: Hans Heiling; Mascagni; Cavalleria rusticana; Mozart: Die Entführung aus dem Serail, Die Hochzeit des Figaro, Die Zauberflöte; Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor; Offenbach: Hoffmanns Erzählungen; Puccini: Die Boheme, Madame Butterfly, Tosca: Rossini: Der Barbier von Sevilla; Schillings: Mona Lisa; Stephan: Die ersten Menschen; Strauß: Salome; Thomas: Mignon; Tschaikowsky; Eugen Onegin; Verdi: Aida, Ein Maskenball, Otello, Rigoleffo, La Traviata, Der Troubadour; Wagner: Der fliegende Holländer, Die Meistersinger von Nürnberg, Tannhäuser; Weber: Der Freischütz.

Diese Werke
wurden von folgenden Künstlern dargestellt:

Else Ahlborn, Werner Walter Albrecht, Waldemar Bassin, Eugen Baumann, Hans Becker, Getrud Beckers, Oscar Heinz Beckers, Friedel Beerenbrock, Hans Bensch-Rutzer, Irmgard Berns, Rudolf Biedermann, Georg Bierbach, Adolf Billep, Herbert Blechstein, Jose de Blondian, Dr. Oskar Bormann, Hanna Bormuth, Grete Boy, Bernhard Brons, Felix Brosig, Margarete Buchheim, Hermann Buchhold, Willy Burgkranz, Annemarie Cascard, Charlotte Conrad, Edith Dahlmann, Gertrud Dalberg, Bernhard Danneil, Viktor Dannenberg, Anton Diegel, Emmy Dilthey, Emmy Dieckmann, P. J. Dietrich, Rolf Dietze, Henriette Döscher, Peggie Duenkler, Hanna Dunkel, Paul Adalbert Ebelt, Edgar Ebenwald-Richter, Tibor von Egressy, Hermann Eckardt, Ella Erl, Konrad Erler, Walter Erler, Marta Felsen-Eichgrün, Jlse Flieck, Anny Franke, Hubert Franz, Magda Frohn, Paul Funk, Paul Friedrich Gerlach, Paul Gerold, Adolf Gläßner, Charlotte Göhl, Mary Gottstein, Karl Grundner, Annni Grunow, Elisabeth Günthel, Marie Haake, Erwin Hanke, Rudolf Hartig, Erich Peter Harzheim, Erna Hase, Jlse Hase, Willy Haupt, Erica Heide, Kurt Hellwig, Charlotte Henning, Ulla von Henning, Irene Hensler, Rolf Herrmann, Fritz Herz, Bernhardt Heyer, Carl Willi Hilla, Elisabeth Hillemann, Hetta Hiltrop, Friedel Höcker, Elise Hoffmann, Fina Hofmann, Waldemar Horst, Heinrich Hub, Walter Hufschmied, Konstantin Jarocki, Fred Jentzsch, Herta Jüttner, Otto Jüttner, Annemarie Kaiser, Karl Heinz Kaiser, Karl Kampe, Josef Kanzlsperger, Fredy Karsten, Dr. Otto Kasten, Ludwig Kepper, Tilli Kepper, Alfred Kiwitt, Hans Wilhelm Kleffner, Otto Klein, Mia Klupp, Franz Koch, Albert Köhler, Marta Köhler, Friedrich König, Hans Walter König, Jlse König, Anton Köster, Hermann Krüger, Käthe Kuhle Kurt Lehmann, Erna Liesegang, Eva Linden, Sonja Lobenstein, Eberhardt Lorenz, Rudolf Loserth, Harry Lucas-Sponda, Hans Lüttge, Hermann Ludwig, Karl Mahlau, Hans Maier, Maria Maja, Li Maro, Josef Mark, Maria Marschall, Lou Mentges, Hanna Mergner, Fritz Metzke, Else Miron, Willibald Mohr, F. Mühlinghaus, August Müller, Elly Müller, Ferdinandine Noortwyck, Hermann Norden, Emmerich Noseda, Gertrud Oehm, Margarete Oehm, Paula Otte, Emmy Petschar Anneliese Piper, Berta Prell, Vera Prellwitz, Adolf Radtke, Walter Raupach, Traute Raven, Johanna Reichenberg Wilhelm Reichenberg, Lucie Reinecke, Lotte Rennhack, Emmy Rentrop, Klara Rettig-Brandt, Li Roll, Klara Rohleder, Emmy Roland, Lilli Ronig, Ludwig Rose, Otto Rouvel, Marianne Rudolf, Willy Sahler, Gustav Sauer, Walter Scheer, Anny Schlüter, Carlo Schmidt, Fritz Schmidt, Hermann Schober, Margot Schönberger, Maria Schubert, Cläre Schuppien, Rolf Schwarzenberg, Arnold Simons, Elsa Sohle, Irmgard Solm, Kurt Sommerer, Erhard Sontag, Magdalene Stahn, Paula Stauffert, Erna Stein, Josef Stein, Karl Stein, Marianne Stelzer-Karsten, Lotte Stohbach, Willy von Thelen, Marlies Thümmel, Lisa Thüring, Otto Ulrich, Uschie Varnhold, Paul Voigt, Emma Wäschle, Walter Wagner, Lola Walt, Lotte Walten, Emmy Weber, Ludwig Weber, Manfred Wedlich, Erich Weiher, Heinz Weihmann, Dr. Rudolf Weil, Margarete Weiler, Juliane Weiß, Eva Weißhaar, Anna Charlotte Winter, Adolf Wolter, Milly Zima, Ly Zöllner.



Sehr verehrter Herr Intendant,

zu Ihrem fünfundzwanzigjährigen Jubiläum sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche. Es war mir eine große Freude, Ihre Arbeit aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Unser deutsches Theater kann sich etwas darauf einbilden, daß auch in der „Provinz" mit Verantwortungsgefühl Selbständiges geschaffen wird, und Nordhausen war mir eine schöne Bestätigung dieser erhebenden Erkenntnis. Hoffentlich weiß es die Bevölkerung zu würdigen, wieviel opfermutige Hingabe notwendig war, um eine solche Ebene zu erreichen, wie sie z. B. die von mir erlebte Aufführung der „Affäre Dreyfus" zeigte.
Möge sich die Stadt bewußt bleiben, daß sie in dem Stadttheater einen Mittelpunkt geistiger Anregungen besitzt, die gerade in Notzeiten erhalten werden müssen. Denn wenn es keine Stätte mehr gibt, an der man die Miß- helligkeiten des Alltags vergessen kann, wird man sich niemals zu dem Optimismus durchkämpfen können, der notwendig ist, die Krisen der Gegenwart zu überwinden. Die schönste Genugtuung wird Ihnen gewiß dadurch bereitet, daß man sich dankbar bewußt wird, wieviel Freude, Erhebung und innere Einkehr Ihre Arbeit für die Bewohner der Stadt Nordhausen geschaffen hat. Besonders dankbar muß Ihnen das gesamte deutsche Theater dafür sein, daß Sie sich mit Gewissenhaftigkeit um die Bildung des. künstlerischen Nachwuchses bemühen. Es war mir eine besondere Freude, daß bereits drei frühere Mitglieder unseres Universitätsinstituts die gute Schule des Stadttheaters Nordhausen durchmachen konnten.
Mit herzlichem Gruße und in dankbarer Rückerinnerung an die angenehmen Eindrücke, die mir die Arbeit Ihres Theaters verschaffte.

Ihr sehr ergebener
Niessen,
Professor an der Universität Köln.


Schöne Erlebnisse.

Von Heinz Huber.

Wenn ich mir heute in einer Stunde des Verweilens, des Rückblickens, über die tiefsten Eindrücke, die bestimmendsten Augenblicke meiner Bühnenlaufbahn Rechenschaft ablegen möchte, so muß ich meine Gedanken zunächst bis in meine frühste Jugend, bis in die „theaterlose, die schreckliche Zeit" zurück- schweifen lassen . . . Dort sehe ich schließlich, ganz in der Ferne, Felix Mottl in meinem Elternhaus, ein von mir als Fabeltier bestauntes Wesen, das außer in meiner Sphäre und in der meiner Elfern noch in einer anderen, geheimnisvollen Welt beheimatet war, in einem Märchenland, von dessen Dasein ich wußte, ohne mir indessen eine richtige Vorstellung davon machen zu können, und in das ich endlich einmal einen Blick werfen durfte, als man mir gestattet hatte, dem Märchen „Aschenbrödel" beizuwohnen. Dieser erste Theaternachmittag hinterließ — wie ich gestehen muß — keinen übermäßig nachhaltigen Eindruck; das erste starke Theatererlebnis empfing ich vielmehr erst später durch eine Aufführung der „Königskinder" (noch nicht der Humperdinckschen Oper, sondern des Rosmerschen Schauspiels), die mich in solchem Maße beeindruckten, daß ich der blonden Gänseliesel und dem strahlenden Königssohn in den nächsten Wochen, wenn ich nur irgend Zeit (oder auch keine) dazu hafte, am Theatereingang oder in der Nähe ihrer Wohnung autlauerfe, um heimlich und errötend ihren Spuren durch die Straßen Salzburgs zu folgen. Damals begann mich der Theaterteufel zu umgarnen, und so hatte ich keine ruhige Stunde mehr, bis ich endlich einmal Theaterluft atmen konnte, — bis ich durch die „Protektion" des Theafermeisfers in den „Räubern" und später im „Zigeunerbaron", in „Wallenstein" und „Lohengrin" als kleiner Statist mitagieren durfte. — Das entscheidensfe Erlebnis aber brachte erst Wien, wo ich von der vierten Galerie des Burgtheafers aus zum erstenmal große Schauspielkunst sah, . . . Sonnenfhal . . . Devrient . . . Kainz . . . die Medelsky . . . Hier erwachte der Wille, der später durch das erschütternde Erlebnis eines Duse-Gastspiels endgültig gefestigt wurde, zur Bühne zu gehen, um Menschen darzusfellen. Mit Herzklopfen stand ich bald danach vor der Türe des Burgschauspielers Baumgartner, bei dem ich Sprechunterrichf nehmen wollte. Es folgte die herrliche Zeit der heimlichen Ausbildung, die später — zunächst ebenfalls in berauschender Heimlichkeit — in München bei Kurmann fortgesetzt wurde. (Hier versuchte man — eine Her- kulesarbeif — dem Alpenländer ein gesittetes Deutsch beizubringen, was aber damals noch keineswegs gelang; noch in Heidelberg mußte der Kritiker schaudernd fesfsfellen, daß in der „Medea" die Kolcherin Medea und der Grieche Kreon — im bürgerlichen Leben Agnes Straub und Heinz Huber geheißen — die Abstammung von der Isar beim besten Willen nicht verleugnen konnten; wir waren damals natürlich beide fest davon überzeugt, ein vollendetes Hochdeutsch zu sprechen, und waren deshalb ganz gewaltig überrascht, als wir auch von der Bonner Presse anläßlich eines Ensemblegasfspiels hellsehe- bezw. hellhörerisch als gut bajuvarische Klassikerdarsfeller erkannt wurden.) Nach Beendigung des Unterrichts kam dann einer der „wonnigsten" Augenblicke: als ich zum erstenmal als „richtiger", als engagierter Schauspieler in Steyr auftraf. Ich sang an diesem Abend — jeder Anfänger mußte in jener Zeit Chorsingen, was ihm nur heilsam war — im Chor der „Geisha" mit und glaubte mich im vollen Ernst unter den Kirschblüten Japans, sodaß damals meine alte Kindersehnsuchf nach dem fernen Osten für ein paar Augenblicke eine beglückende Erfüllung fand. — Vielleicht nicht schöner, aber für meine Laufbahn bestimmender wurde dann das Erlebnis der Heidelberger Probenarbeit, wo ich zum erstenmal an einer wirklich künstlerisch geführten Bühne, an dem von dem Laube-Schüler Heinrich vortrefflich geleiteten Stadttheater, in einem Ensemble ernster Künstler spielen durfte. Später habe ich nur noch dreimal einen ähnlich ehrfürchtigen Schauer wie damals empfunden: nämlich als ich bei den herrlichen, in jenem Jahre von Lilly Lehmann geleiteten Salzburger Mozart-Festspielen hospitieren konnte; dann, als ich zum erstenmal auf den mit Historie getränkten Brettern des Meininger Hoftheaters stand, und später — schon in der Zeit des Aufbaus der Oper in Nordhausen, — als ich an den Bayreuther Proben zum „Ring", zu „Parzival" und zu den „Meistersingern" teilnehmen und auch einen unvergeßlichen Tag im Hause Wahnfried verleben durfte.


Sehr verehrter Herr Huber,

wie ich höre, feiern Sie Mitte Januar Ihr fünfundzwanzigjähriges Bühnenjubiläum und zugleich den Rückblick auf Ihre 10jährige Tätigkeit am Nordhäuser Theater. Ich möchte nicht versäumen, Ihnen zu diesem doppelten Anlaß meinen herzlichsten Glückwunsch auszusprechen. In einer Zeit wie der jetzigen geht ein Sturmwind nach dem andern über das deutsche Theater hinweg. Wie manche große Bühnen leiden müssen, so werden auch die Bühnen der mittleren und kleinen Städte manches auszuhalten haben. Ich freue mich, daß das Stadf- theater Nordhausen aufrecht steht. In dem edlen festlichen Bau durfte ich mich vor ein paar Jahren Ihrem treuen Zuhörer- und Zuschauerkreis vorstellen. Ich habe seitdem eine lebhafte Erinnerung an Nordhausen behalten, nicht nur an die merkwürdige Innenstadt mit ihrem wuchtigen Gemäuer, sondern auch an den gärtnerisch reich geschmückten Außenfeil, als dessen Anfang mir das Haus Ihres Theaters mit dem säulengetragenen Dach erscheint. Aus mancher Begegnung, die wir auch außerhalb Nordhausens haften, kenne ich ihr Werk, den Eifer und den Ernst Ihres Künsflerfumes, der sich jedem sichtbar in dem Spielplan Ihres Stadffheafers aussprichf. Man kann nirgends deutlicher als an einem solchen Spielplan ablesen, was ein Theater bedeuten kann, wenn es sich zur Aufgabe setzt, das geistige Leben einer sogenanfen Provinzsfadt immer wieder aufs Neue mit den großen Problemstellungen der Klassiker und zugleich mit den zeifbewegenden Fragen einer nachdrängenden Dramatik in Verbindung zu setzen. Meine Glückwünsche gelten Ihnen persönlich, zugleich aber auch der von Ihnen geleiteten Bühne. Mit den verbindlichsten Grüßen bin ich

Alphons Paquet.


An behütete Stätten ernsthafter Kunstübung wie das Stadttheater Nordhausen, an empfängliche Zuhörer wie die Einwohner von Nordhausen und an unbe- irrfe Führer zu geistigen Werten wie den Intendanten Heinz Huber in Nordhausen klammert sich die Hoffnung, daß die gesunden Früchte des deutschen Wollens und Strebens in eine bessere Zeit der Besinnung und Versöhnung hinübergerettet werden können.

Michael Osten.


Ibsen: „Peer Gynth“. Schiffsszene. Inszenierung: Heinz Huber. Bühnenbild: Heinz Dahm.


Fürst: „Maria Trubach“. III Akt. Inszenierung: Heinz Huber. Bühnenbild: Heinz Dahm.


Peinliche Erlebnisse.

Es war im ersten Bühnenjahr, in der Zeit, in der ich mit gleicher Begeisterung Chor sang und große Rollen spielte. Ich hatte damals die Neigung, während der Operettenproben, wenn der Chor nicht auf der Bühne war, in der Versenkung zu verschwinden, um dort ungestört mit den Bösewichtern meines Repertoirs zusammen sein und ungestört dort den Franz Moor und den 3. Richard brüllen zu können. Eines schönen Tages, bezw. eines schönen Abends nun schlossen die freundlichen Operettenkollegen den so unfreiwillig komischen Kollegen vom ernsten Schauspiel in diese Versenkung ein ... Da saß ich denn im Dunkeln und zählte die Minuten . . . und die Stunden ... bis ich schließlich über dem Zählen eingeschlafen war und alle Gestalten Shakespeares und alle Helden Schillers durch meine Träume geisterten. Eben rief ich im Schlafe Franz Moors fürchterliches „Verraten! VerratenI", als mich die lachend zur morgendlichen Probe kommenden Kollegen weckten und ich — um im Stile Franz Moors zu reden — wie ein Geist, „ausgespien aus Gräbern", aus der Versenkung auftauchen konnte . . .
Fürchterliche Tage verlebte ich später in Lübeck: Der Süddeutsche war zum erstenmal im Norden; in einer Stadt, wo er keinen Menschen verstand; in einer Landschaft, wo es keine Berge gab; in einem Ensemble, in dem sich sonst nur Norddeutsche befanden; bei Kollegen, die mit dem Süddeutschen nichts anzufangen wußten und ihm fast feindlich gegenüberstanden, bis er . . . (nein, das ist nur in Klammer zu erzählen! Also: bis er „mit einem Schlag" bei ihnen geschätzt und beliebt wurde. Der bewußte Schlag hafte nämlich den sehr unbeliebten Oberregisseur, der sich auf einer Probe der Souffleuse gegenüber ganz übel benommen hatte, buchstäblich ins Orchester befördert . . . Was ich hier aber nicht erzählt haben möchte, ohne meine Schauspieler gebeten zu haben, sich doch, wenn irgend möglich, auf eine schmerzlosere Weise die Sympathien ihrer Kollegen erwerben zu wollen . . . .)


Das Drama „jener Zeit".

„Das Drama jener Zeit", schrieb der Historiker des 20. Jahrhunderts, und zwar schrieb er mit dem langen weißen Federkiel, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts n. Chr. gerade wieder in Mode gekommen war, „das Drama jener Zeit war von Wirtschaft und Technik genau so hart bedrängt wie die Lyrik und das Epos. Die Stückeschreiber und die Sfückespieler haften ihr Frontgefühl verloren, jenes heroische Gefühl, mit Werk und Tat in der Front des menschlichen Lebens zu stehen, gegen den mörderischen Alltag, zum Ruhm der unsterblichen Menschenseele. Gegen Ende des ersten Drittels des Jahrhunderts war es bereits so weit gekommen, daß das lebendige Theater klein beigegeben hafte und allseits als Todeskandidat befrachtet wurde . . . Das änderte sich erst, als nach dem Film der Tonfilm kam, nach dem Tonfilm der „Platatofi": der plastische Taschenfonfilm, und die bankerotten Regierungen aller Länder sich nun auf diesen Plafatofi stürzten, um ihn ins Monopol zu nehmen und zu sehr billigen Abonnemenfsbedingungen an ihre Landeskinder abzugeben. Jetzt wurde der Ekel an den Afterkünsten des Dramas bald so allgemein, daß man sich wieder tagelang und nächtelang ansfellfe, um einen Platz für eine richtige Theatervorstellung zu bekommen, in der lebendige Menschen lebendige Dramen spielten ... Es war ein Wunder, daß es das überhaupt noch gab, aber es hatten tatsächlich ein paar Theatermenschen die Front des Dramas gehalten, ein paar simple Bauerntheater, ein paar mutige Provinztheater, ein paar unbestechliche Schreiber und Spieler. Ihnen war es zu verdanken, daß der Plafatofi allmählich verödete und jener neue Heroismus des Theaters entstand — —" Hier brach dem Historiker des 20. Jahrhunderts sein Gänsekiel ab und er mußte doch noch seine Schreibmaschine aus der hinteren Hosentasche ziehen, um seinen Abschnitt zu beenden und dem Drama „jener Zeit" den Schlußsatz zu geben, einen alten Satz: „Sie haben mich oft bedränget von Jugend auf, aber sie haben mich nicht übermocht." —
Herrn Intendanten Heinz Huber zu seinem fünfundzwanzigjährigen Bühnenjubiläum in diesem Sinne die herzlichsten Glückwünsche

von seinem ergebenen
Max Mohr.


Sehr geehrter Herr Kollege!

Sie erleben die große Freude, im Januar 1932 aut eine 25jährige Verbundenheit mit der Bühne und zugleich auf eine zehnjährige Tätigkeit am Stadttheater Nordhausen zurückblicken zu können.
Längere Zeit haben wir gemeinsam unseren schönen Beruf ausgeübf. Vor Jahren lernten wir uns am Oldenburger Theater kennen, an dem Sie als Schauspieler und ich als Dramaturg wirkten. Später sind wir in Meiningen wieder eine arbeitsreiche Strecke zusammen gegangen. Wenn sich darauf hin unsere Wege auch trennten, so sind wir doch stets mit einander in Fühlung geblieben, erst recht, nachdem wir beide Theaterleiter geworden waren. Als Kollege weiß ich aus eigener Anschauung Ihre verantwortungsvolle Intendanten- tätigkeit zu schätzen und zu würdigen. Sie haben Ihrer Bühne über manche Gefahren hinweggeholfen und damit dem deutschen Theater und der Bürgerschaft Nordhausens große Dienste geleistet.
Zu Ihrem 25jährigen Bühnenjubiläum meine besten Glückwünsche! Möge es Ihnen zu Nutz und Frommen der deutschen Theaterkunst noch viele Jahre vergönnt sein, als bewährter Steuermann die Ihrer Leitung anvertraute Bühne an allen Riffen und Klippen vorbeizulenken. Gleich für das Goethe-Jahr wünsche ich Ihnen gute Fahrt!
Mit kollegialen Grüßen

Ihr getreuer
Dr. Franz Ulbrich,
Generalintendant der
Thüringischen Landestheater, Weimar.


Sehr verehrter Herr Intendant,

mit großem Vergnügen, und auch ein bißchen Sentimentalität, wenn ich die Veränderung der Zeitlage betrachte, erinnere ich mich meines Besuches bei Ihnen in Nordhausen, als Sie mich einluden, mit Ihnen die von Ihnen vorbereitete „Jonny"-Aufführung zu besprechen. Wie ich hörte, haben Sie dann auch mit diesem Stück schöne und verdiente Erfolge gehabt. Wenn ich auch selbst keine Gelegenheit hatte, ihre Aufführung zu sehen, und wenn ich auch heute von der Chance, in Nordhausen wieder aufgeführf zu werden, weiter entfernt sein dürfte denn je, so nehme ich doch besonders gern den Anlaß Ihres doppelten Jubiläums wahr, üm Ihrer und des Theaters von Nordhausen mit aufrichtigen Glückwünschen zu gedenken. Gerade heute, wo die scheinbar festesten Säulen der Theaterkultur zu wanken beginnen, haben Bühnen, wie die Ihrige, die außerordentlich verantwortungsvolle Aufgabe, GeistundWerk, Blüte der deutschen Kultur, lebendig weiterzuhegen und zu retten in eine unserem Bestreben wiederum günstigere Epoche, die hoffentlich kommen wird, mag sie ansonsten ausschauen, wie sie will. Darum wünsche ich Ihnen, dem Nordhäuser Theater und unserer Kunst, Sie mögen Ihrer Bühne noch recht, recht lang mit gleicher Freude und gleichem Erfolg vorstehen.
Mit den verbindlichsten Grüßen und Neujahrswünschen

Ihr ganh ergebener
Ernst Krenek.


Lustiger Erlebnisse.

Es war ein herrlicher Sommer im Hochland. Das Theater in Steyr hafte am Sonntag Palmarum geschlossen. Nun zog das Ensemble aut Schusters Rappen in den Bergen umher, spielte in verschiedenen kleineren Orten, schlug seine Bühne buchstäblich auf . . . Fässern auf, trug seine Theaterzettel selber aus und seine Kostüme und Requisiten im Rucksack mit sich. Man spielte 5 und 6 Rollen in einem Stück (für die 3. und 4. Rolle hieß man aut dem Theaterzettel „Hr. Helfer", für die 5. und 6. „Hr. v. Helfer") und war dabei so fröhlich, daß ich am liebsten jenem alten Schauspieler gefolgt wäre, der mich veranlassen wollte, nicht nach Heidelberg zu gehen: „Ein wirklicher Künstler muß sich beim Spielen überall wohl fühlen; ... Du bist ... für ein festgemauertes Theater zu schade!

Bad Tölz. Handelnde Personen: Der Gemeindediener von Tölz (ähnlich dem Bürgermeister im „Weißen Rößl" mit großem Bart und gut gepflegtem Kropf) und der Meininger Hofschauspieler Heinz Huber. — Es ist Nachmittag.
(Der Gemeindediener triff ein.)
Er: Grüaß God, Herr Hofschauspieler.
Ich: Grüaß God, mein Lieber! Was bringen'S denn heut wieder Schönes? Er: Eine Pfändung. Sie solln 3 Mark und 72 Pfennig Steuer nach Liegnitz zoaln. Ich (man zahlte schon damals nicht gern Steuern): Des zohl' ich nef. Die Steuer ist verjährt.
Er (kratzt sich am Kopf) . . . Ja, was machen wir denn da? . . . Was machen wir denn da? . . .
Ich: Das weiß ich nicht.
Er (kratzt sich wieder) . . . Hm! . . . (plötzlich) Wann machen's denn wieder nach Meiningen?
Ich: Ich muß half so in den ersten Sepfemberfagen wieder dort sein.
Er: No, so passen’S mal auf, das mache mir a so . . . Heut ham’mer den 20. August. Da war i da und da schreib i einfach hin ,,Nicht angefrotfen!“ . . . (Er zwinkert mit seinen Aeuglein) . . . No, was sagen'S jetzt?! . . . Häh?! . . . Und so in 14 Tagen circa, nachher kumm i wieda und da san’S schon furf, und do schreib i half drauf: ,,Abgereist unbekannten Aufenthalts" . . . Nacha ham mir’s ausg’schmierf, die Preißen! ....


Benatzky: „Die drei Musketiere“. Spanischer Hafen. Inszenierung: Heinz Huber. Bühnenbild: Erich Kronen.


Benatzky: „Die drei Musketiere“. II. Finale. Inszenierung: Heinz Huber. Bühnenbild: Erich Kronen.


Sehr geehrter Herr Intendant!

Ein Vierteljahrhundert Bühnentätigkeit und zehn Jahre verantwortungsvoller Arbeit für das Stadttheater Nordhausen sind ein Lebensabschnitt, von dem es sich wohl lohnt, einmal zurückzublicken. Der Rückblick wird Sie an manchen Kampf mit der Ungunst der Zeit und an manche Sorge erinnern, er darf Sie aber mit Freude und Genugtuung erfüllen über das, was Sie geleistet und erreicht haben.
Der Deutsche Bü h nen-Verein spricht Ihnen seine aufrichtigen Glückwünsche aus und verbindet damit die Hoffnung, daß Ihre bisherige zielbewußte Leitung des Ihnen anvertrauten Kunstinstitufs sich nunmehr für die Zukunft des Theaterlebens in Nordhausen kräftig auswirken möge.
Mit dem Ausdruck unserer ausgezeichneten Hochachtung und mit freundlichen Grüßen

Ihr sehr ergeßener
Leers,
Präsident des Deutschen Bühnen-Vereins.


Stimmung:

Strengen Kritikers Empfindung
Findet stets ihr gutes Recht —
Eine Wurzelhautentzündung Macht
das beste Drama schlecht.

Kein Spaß!

Dein Lustspiel wird ihm sehen Freude machen
Durch leichter Szenen flotten Fluß —
Ein Kritikus hat wirklich nichts zu lachen,
Der in der Nacht noch schreiben muß

Dem Fest einen recht schönen Verlauf wünschend

Rudolf Presber.


So wenig als einem Menschen von Vernunft einfallen wird aus „Ersparungsgründen" die Schulen und die Kirchen zuzusperren, ebenso wenig darf ein Theater, daß sich bewährt hat, dem kurzsichtigen Sparirrsin zum Opfer fallen. Denn es gibt nicht nur materielles Kapital, sondern auch geistiges. Das ist das wichtigere. Das geistige Kapital befähigt zukünftige Generationen zu Leistungen. Man spricht immer davon, daß man das deutsche Volk über die schwere Zeit hinwegbringen wolle. Schön und richtig, aber man wird nur dann Erfolg haben, wenn man die seelischen Kräfte unseres Volkes stärkt und erhält. Dazu dient das Theater, das ernst künstlerisch arbeitet, in hohem Maße. Soviel ich die Einwohner von Nordhausen kenne, bin ich überzeugt, daß sie wissen, was sie an ihrem Theater haben und daher dankbar am Festtag dieses ihres Besitzes denken.

Walter von Molo.


Herausgegeben von dem Dramaturgischen Büro des Stadttheaters Nordhausen.
Verantwortlich: Dr. Rudolf Weil.
Entwurf des Titelblatts: Erich Kronen.