Seelano

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Seelano (Eigenschreibweise, abgeleitet von Seenlandschaft Nordhausen) ist eine Ferienhaussiedlung im Süden der Stadt Nordhausen. Die Anlage wird seit 2016 auf einer Halbinsel zwischen dem Sundhäuser See und dem Forellensee errichtet und ist Teil der durch den Kiestagebau entstandenen Nordhäuser Kiesseenlandschaft. Träger des Projekts ist die Seenlandschaft Südharz GmbH (Abteilung Seelano). Geplant waren zuletzt rund 80 Häuser; seit Anfang der 2020er Jahre ist das Vorhaben wegen der von den Investoren angestrebten Umwidmung von Ferien- in reguläre Wohnhäuser Gegenstand einer anhaltenden kommunalpolitischen Debatte.

Das Areal erstreckt sich auf einer Halbinsel zwischen zwei Kiesseen südlich der Nordhäuser Kernstadt, unweit des Uthleber Wegs. Unmittelbar westlich verläuft die Bundesstraße 4; zur Abschirmung vom Verkehrslärm wurde während der Bauphase ein Schallschutzdamm aus mehreren tausend Kubikmetern Erde angelegt. Vor der Bebauung war die Halbinsel ein weitgehend mit Gräsern, Büschen und Bäumen bewachsenes Gebiet und diente unter anderem als „Einstieg 3" für Taucher am Sundhäuser See.

Die Nordhäuser Kiesgewässer entstanden durch den offenen Kiesabbau und umfassen neben dem Sundhäuser See und Forellensee auch den Bielener See und den Möwensee. Der Sundhäuser See ist rund 60 Hektar groß und bis zu 31 Meter tief, der benachbarte Forellensee umfasst rund 48 Hektar bei einer maximalen Tiefe von 28 Metern.

Träger und Investoren

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Bauherr und Entwickler des Projekts ist die Seenlandschaft Südharz GmbH mit Sitz in der Gerhart-Hauptmann-Straße 1a in Nordhausen (Handelsregister: HRB 50 36 84, Amtsgericht Jena). Geschäftsführer sind der Nordhäuser Bauunternehmer Axel Heck und Silvio Wagner, vormals Geschäftsführer der Firma Waresa. Gegenstand der Gesellschaft ist laut Handelsregistereintragung unter anderem das Betreiben und Entwickeln von Campingplätzen in Seeburg im Mansfelder Land und in Nordhausen, die Vermietung und Verpachtung von Grundbesitz, die Hausverwaltung sowie der An- und Verkauf von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Die Erschließung und Vermarktung der Ferienhausanlage erfolgt durch die Abteilung Seelano.

Ideenfindung und Vorplanung (2012–2015)

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Erste Überlegungen zur koordinierten Entwicklung der Nordhäuser Kiesseenlandschaft stellten Axel Heck und Silvio Wagner im August 2012 in einer Arbeitsberatung im Landratsamt Nordhausen vor. Auf Einladung der damaligen Landrätin Birgit Keller kamen dazu Vertreter der Städte Nordhausen und Heringen, des Kiesabbauunternehmens MKW, der Stadtwerke, des Südharzer Tourismusverbands, beteiligter Planungsbüros und verschiedener Landkreisbehörden zusammen. Für das Vorhaben auf der Halbinsel am Sundhäuser See etablierte sich in dieser Phase der Projektname Seelano.

2013 traten die privaten Eigentümer des Grundstücks an Axel Heck heran. 2013/14 wurde erstmals eine Ferienhaussiedlung mit rund 90 Häusern geplant; Heck zog Silvio Wagner als weiteren Investor hinzu. 2015 erwarb die Investorengemeinschaft die Grundstücke. Die Stadt Nordhausen machte kein Vorkaufsrecht geltend. Parallel wurde bei der Stadtverwaltung der Antrag auf Entwicklung einer Ferienhaussiedlung gestellt.

Baubeginn und Umsetzung (2016–2020)

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Am 4. März 2016 erfolgte der symbolische Spatenstich am Ufer des Sees. Unter den rund 50 Gästen war die thüringische Infrastrukturministerin Birgit Keller, die das Projekt seinerzeit als touristische Aufwertung der Stadt Nordhausen und ihres Umfelds würdigte. Geplant waren zunächst 70, später bis zu 80 Häuser auf einzelnen Grundstücken mit einer durchschnittlichen Größe von rund 750 Quadratmetern. Die Einstiegspreise wurden 2016 mit 225.000 Euro inklusive Grundstück angegeben.

2017 erteilte die Stadt die Baugenehmigung, und die ersten Grundstücke samt Häusern wurden zum Kauf angeboten. In den Kaufverträgen wurden die Objekte als Ferienhäuser ausgewiesen. Im Sommer 2016 war der bisherige Tauchereinstieg 3 auf der Halbinsel dauerhaft geschlossen worden; das Tauchsportzentrum Nordhausen (Action Sport Nordhausen) erhielt als Ausgleich ein Grundstück am Uthleber Weg mit Zelt- und Campingfläche sowie einen neuen befestigten Seezugang („Einstieg 3N"). Die Tauchbasis Oasis am Forellensee musste ihren Betrieb einstellen.

Ab Juli 2017 waren auf der Halbinsel die ersten Kräne sichtbar; noch im selben Jahr sollten die ersten 20 Häuser entlang der Ufer des Sundhäuser Sees und des Forellensees fertiggestellt werden. Zugleich begann die Sanierung eines Verwaltungsgebäudes an der Betonstraße, in dem nach damaliger Planung Ferienwohnungen und Gastronomie entstehen sollten. Vorgesehen waren in diesem Bereich außerdem ein öffentlicher Badestrand und eine neue Tauchbasis mit erweiterten Stellplätzen.

Nach eigener Darstellung der Investoren erwies sich die ursprünglich angenommene Zielgruppe der Taucher für das Ferienhauskonzept nicht als tragfähig, da diese bevorzugte klassisches Campen in unmittelbarer Nähe zur Tauchbasis bevorzugen. Das Konzept wurde entsprechend angepasst und ein neuer Bebauungsplan bei der Stadt eingereicht.

Umwidmungsantrag und Bebauungsplandebatte (ab 2020)

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Im Jahr 2020 beantragten die Investoren erstmals, die Ferienhausanlage in ein allgemeines Wohngebiet umzustufen, um eine dauerhafte Wohnnutzung der bestehenden Häuser zu ermöglichen. Axel Heck begründete dies unter anderem damit, dass das Gebiet vollständig erschlossen sei und die Umstellung lediglich die Nutzung an die tatsächliche Situation der Bewohner vor Ort anpasse und rechnete mit einem möglichen Zuzug von 50 bis 100 Personen nach Nordhausen durch die Ummeldung der Hauptwohnsitze.

2021 beschloss eine Mehrheit des Nordhäuser Stadtrats einen Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans. Zugleich unterbreitete die Investorengemeinschaft den Vorschlag, im östlichen Teil des Areals statt weiterer 18 Häuser einen Campingplatz mit rund 120 Kurzzeit-Stellplätzen anzulegen.

Ab 2023 wurde mit der Überarbeitung des Flächennutzungsplans (FNP) begonnen. Nach Darstellung der Nordhäuser Presse war dieser Prozess bis ins Frühjahr 2026 nicht abgeschlossen; als Begründung wurden bürokratische Hürden angeführt. Das vom Stadtrat beschlossene Entwicklungskonzept für die Kiesseenlandschaft („Kiesseenkonzept") weist Seelano nicht als Wohngebiet aus.

Debatte um den „Bauturbo" (2025/26)

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Mit Inkrafttreten der als „Bauturbo" bezeichneten Regelung des § 246e Baugesetzbuch können bestimmte Bauvorhaben unter bestimmten Voraussetzungen beschleunigt realisiert werden; Änderungen des Flächennutzungsplans können unter Umständen nachgeholt werden. Teile des Nordhäuser Stadtrats sahen darin ab 2025/26 ein Instrument, mit dem die Umwidmung der Seelano-Häuser in reguläre Wohnhäuser vorangebracht werden könnte.

Seit Anfang 2026 prägt die Frage, ob der „Bauturbo" für Seelano eingesetzt werden soll, die kommunalpolitische Diskussion in Nordhausen. Die Positionen verlaufen quer durch die Fraktionen:

  • Die Bürgerliste Südharz (BLS) um den Fraktionsvorsitzenden Marko Rossmann lehnt die Umwidmung ab. Sie argumentiert mit dem touristischen Wert der Kiesseen, dem Bestandsschutz der Ferienhausnutzung und dem aus ihrer Sicht bestehenden Risiko einer „Zweckentfremdung" des Bauturbos. Ferienhäuser leisteten einen Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung, der durch eine Umwandlung in Wohnhäuser verloren gehe; zusätzlicher Wohnraum am See könne den vorhandenen Leerstand in der Stadt verschärfen. Bereits im Kommunalwahlkampf hatte die BLS mit dem Slogan „Kiesteiche nicht nur für Reiche" für ihre Position geworben. Im März 2026 forderte sie einen Sonderstadtrat, im April 2026 einen Bürgerentscheid über das Vorhaben.
  • Die AfD Nordhausen durch Frank Kramer sieht im „Bauturbo" ein sachlich zu prüfendes Instrument des Bundes, mit dem eine seit Jahren bestehende Situation rechtlich geklärt und ein bestehender Stadtratsbeschluss umgesetzt werden könne.
  • Die Gruppe Bündnis 90/Die Grünen durch Pascal Leibbrandt betonen, dass der Aufstellungsbeschluss von 2021 durch das Verwaltungsamt abgelehnt worden sei. Die Auseinandersetzung sei daher kein politisches Meinungsproblem, sondern eine rechtliche und planerische Frage. Der „Bauturbo" könne rechtssichere Verfahren nicht ersetzen und auch kein Verwaltungsamt „überstimmen". Notwendig sei eine tragfähige Lösung, die rechtlich Bestand habe und politisch verantwortbar sei.
  • Der Nordhäuser Unternehmerverband (NUV) kritisierte Ende März 2026 öffentlich, die Stadt zeige in der Angelegenheit zu wenig Einsatz.
  • Wohnungsunternehmen wie die SWG und die WBG verzeichnen nach eigenen Angaben mit rund 3 Prozent eine geringe Leerstandsquote. Befürworter der Umwidmung argumentieren, zusätzlicher hochwertiger Wohnraum verschärfe den Leerstand daher nicht und erhöhe Schlüsselzuweisungen, Grundsteuer und Grunderwerbsteuer für die Stadt.

Am 16. April 2026 stellte die Bürgerliste Südharz im Stadtrat den Antrag auf eine Entscheidung zu Seelano. Am 20. April 2026 lehnte der Stadtentwicklungsausschuss (als vorberatender Ausschuss) diesen Antrag mit großer Mehrheit ab. Die endgültige Entscheidung wurde für die Stadtratssitzung am 22. April 2026 erwartet.

Jahr Ereignis
2012 Erste Vorstellung der Pläne im Landratsamt Nordhausen
2013 Grundstückseigentümer treten an Axel Heck heran
2013/14 Erweiterung der Planungen auf rund 90 Häuser; Einstieg von Silvio Wagner
2015 Grundstückskauf; Antrag bei der Stadtverwaltung
2016 Spatenstich am 4. März; Schließung Tauchereinstieg 3
2017 Baugenehmigung; erste Häuser im Verkauf; Planänderung zu Einfamilienhäusern
2020 Antrag auf Umwidmung in allgemeines Wohngebiet
2021 Aufstellungsbeschluss des Stadtrats; Ablehnung durch das Verwaltungsamt
2023 Beginn der FNP-Überarbeitung
2025/26 Inkrafttreten der „Bauturbo"-Regelung nach § 246e BauGB
2026 Politische Debatte um Anwendung des „Bauturbos" auf Seelano

Externe Verweise

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