Hans Ulrich Höpfner

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Leben und Wirken von Hans Ulrich Höpfner

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Pfarrer Hans Ulrich Höpfner
Pfarrer Höpfner 1911-2004

geb. am 08. April 1911 in Klein Schwarzlosen

gest. am 06. Januar 2004 in Bad Eilsen

Pfarrer in Ellrich von 1944-1961

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Pastor in Ilfeld-Wiegersdorf und Osterode 1961-1975

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Vater: Max Höpfner, Pfarrer in Klein Schwarzlosen und Bellingen bei Stendal geb.: 06.06.1867 in Genthin,gest.:09.03. 1925 in Bellingen.

Mutter: Elisabeth Höpfner geb. Thienhaus, vor der Hochzeit war sie Zeichenlehrerin geb.: 07.10.1878 in Engelskirchen (Bergisches Land) gest.:29.06.1957 in Wolfenbüttel

Hans Ulrich Höpfner wuchs in Bellingen in der Altmark in einem evangelischen Pfarrhaus auf als Jüngster von vier Geschwistern. Hier wurde auch die Grundlage für seine musischen Interessen gelegt. So erlernte er Klavier, Orgel und Geige spielen. Besonders das Orgel-und Klavierspiel machte ihm viel Freude. Von der Mutter hatte er auch die Begabung geerbt, gut zeichnen zu können. Seinen ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater. Nach der Dorfschulzeit besuchte er zunächst das Gymnasium in Stendal. Einen tiefen Einschnitt bedeutete für ihn der Tod seines Vaters durch einen Schlaganfall mit 58 Jahren 1925 als er gerade 14 Jahre alt war. So wurde er ein Jahr später von einem anderen Pfarrer konfirmiert. Seine Mutter und er - seine Ge-schwister waren schon aus dem Haus - mussten das Bellinger Pfarrhaus räumen und ihnen wurde ein Pfarrhaus in Alvensleben bei Haldensleben zugewiesen, wo seine Mutter in ärmlichen Verhältnissen leben musste. Er wechselte dann auf das renommierte Gymnasium „Kloster Unserer Lieben Frauen“ in Magdeburg, woran sich gute Erinnerungen knüpften und wo er sich in den sehr strengen Strukturen des Alumnates und der Schule gut zurechtfand. Er hat später diese Strenge immer wieder gelobt und sie als vorbildlich für heutige Erziehung bezeichnet. Besonders hat ihm die Vertrauensstellung als Stubenältester gefallen. An diesem Gymnasium machte er das Abitur.

Das Theologiestudium von 1930-1935 an der Universität in Halle/S musste er selbst finanzieren durch Stipendien, die es für besonders fleißige Studenten gab, durch Arbeiten im Fotolabor der Kunstabteilung der Theologischen Fakultät und durch Nachhilfestunden. Es war die große Zeit der Gelehrten in der historisch-kritischen Forschung. Seine Lehrer waren: für das Alte Testament: Prof. Otto Eißfeldt und Hans Schmidt, für das Neue Testament: Prof. Erich Klostermann und Ernst von Dobschütz, für die Kirchengeschichte: Prof. Ernst Barnikol, für die Dogmatik: Prof. Gerhard Heinzelmann, für die Praktische Theologie Prof. Karl Eger

Es gab aber auch schon die Anfänge des Nationalsozialismus, die er mit wachem Geist kritisch verfolgte und für die er nichts übrig hatte. Er berichtete von Aufmärschen der Nazis und der Kommunisten in Halle, die von der Polizei mit Wasserwerfern bekämpft wurden. Gegen beide Gruppierungen hatte er schon damals tiefe Aversionen. Als jemanden, der aus bürgerlichem Eltern-haus kam, waren diese Menschen Mob und „Abschaum der Straße”. Außerdem erlebte er das Eindringen des nationalsozialistischen Gedankenguts auch in den universitären Bereich. So berichtete er von den Vorlesungen über Rassenkunde, an denen die Studenten teilnehmen mussten, die für den Professor zur Desaster wurden, da er meinte auch an seinen zuhörenden Studenten am äußeren Aussehen, nachweisen zu können, wer besonders arisch und wer besonders nicht arisch war und sich dann herausstellte, dass der blonde und blauäugige und so arische junge Mann, eine jüdische Großmutter hatte. Auch hat er den Fall Günther Dehn 1931/32 miterlebt, der durch Machenschaften der Nationalsozialisten seine Professur für praktische Theologie in Halle nicht antreten konnte.

Das 1. Theologische Examen bestand er im Juni 1935. Danach vertrat er seinen Bruder, der zum Militärdienst eingezogen war, als Prädikant in Burgstall und war von 1935 bis 1936 Lehrvikar in Wolmirstedt und als cand. theol. Prädikant in Cröchern. Von 1936 bis 1937 besuchte er das Predigerseminar in Stettin-Kückenmühle und war dann zunächst Prädikant in Wehlitz bei Schkeuditz und wurde nach dem 2. theologischen Examen im Magdeburger Dom am 4. Dezember 1938 ordiniert. Danach versah er als Hilfsprediger in Wehlitz seinen Dienst.

In Leipzig lernte er dann seine spätere Frau, die zahnärztliche Sprechstundenhilfe, Elisabeth (Lisbeth) Kunath kennen. Die Trauung damals war nicht so einfach möglich, da auf Grund der „Nürnberger Rassegesetzen“ die zukünftigen Eheleute einen „arischen Nachweis“ führen mussten, d.h. sie mussten an Hand von Urkunden nachweisen, dass ihre Vorfahren bis zu den Urgroßeltern der „Arischen Rasse“ angehörten. Erst dann konnte die Hochzeit amtlich genehmigt werden. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Großmutter der Braut Jüdin war, die aber als erwachsene junge Frau zum Evangelischen Glauben konvertiert war. Es reichte den Behörden der Nachweis der Konfessionszugehörigkeit aus. So konnte am 26. Juli 1939 die Trauung in Lichtenberg in Oberfranken stattfinden, wohin seine Schwiegereltern von Leipzig aus hingezogen waren.

Er wurde dann ab Juli 1939 zunächst Hilfsprediger und ab 1. April 1940 Pfarrer in Liebenrode Gleich am 4. April kurz vor seinem 29. Geburtstag wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Während dieser Zeit wurde der Sohn Claus -Ulrich geboren (06.10.40).

Beim Russlandfeldzug am 6. August 1941 wurde er durch Granatsplitter am Kopf leicht verletzt, wovon er aber wieder genas. Er erlebte den Frankreich - und den Russlandfeldzug mit. Bis kurz vor Moskau war er als Funker dabei. Er hob in seinen späteren Erzählungen vor allem Kameradschaft und das Aufeinander - Angewiesen-Sein sehr hervor. Aber auch die Schrecklichkeiten des Krieges verfolgten ihn Zeit seines Lebens bis in die Träume hinein. Zu seinem 80. Geburtstag bekannte er unter Tränen und voller Dankbarkeit, dass er während des ganzen Krieges keinen Menschen zu töten brauchte. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, was auch die Ehefrauen an Ängsten um ihre Männer ausgestanden haben und wie sehr sie auf sich allein gestellt waren in dieser Zeit. Dann bekam er im Oktober 1942 spinale Kinderlähmung (Poliomyelitis), die er sich wahrscheinlich auf Heimaturlaub geholt hatte und die ihm fast das Leben gekostet hat. Doch durch Gottes Gnade und die Kunst der Ärzte konnte er wie durch ein Wunder gerettet werden. Nach fast zweijähriger ärztlicher Behandlung und vielen Klinikaufenthalten wurde er im Februar 1944 als kriegsuntauglich entlassen. Er hatte es bis zum Obergefreiten gebracht. Noch in Liebenrode wurde am 10. April 1944 die Tochter Mechthild geboren.

Später hat er einmal gesagt, man hätte wissen können, wer Hitler war und was er wollte. Dazu hätte man nur Hitlers Buch „Mein Kampf” zu lesen brauchen. Doch kaum einer hat das wirklich getan. Ein Widerstandskämpfer ist er wohl nicht gewesen, er gehörte auch nicht der „Bekennenden Kirche“ (BK) an, war aber Gegner der „Deutschen Christen“ (DC). Aus seinen Predigten als Vikar und den Kriegsbriefen geht aber hervor, dass er durchaus in mancher Hinsicht der Propaganda des Nationalsozialismus geglaubt hatte, aber sich dann immer mehr von dem Regime distanzierte, auch wohl durch seine Kriegserlebnisse bedingt, immer mehr zum Gegner des Nationalsozialismus wurde.

Die Familie zog am 24. November 1944 von Liebenrode nach Ellrich, wo am 3. Dezember (1. Advent) nach seiner Einführung den Dienst als „Oberpfarrer“ antrat. Es sollen nur wenige Besucher gewesen sein, die dem Einführungs-gottesdienst beiwohnten. Er schreibt, dass nur zwei Personen ihm zu seiner Einführung gratuliert haben: Fräulein Goldhahn und Gemeindeschwester Margarethe. Nach einiger Zeit allerdings verbesserte sich der Gottesdienst-besuch zusehends. Er hat dann versucht in seinen begrenzten Möglichkeiten der Nazidiktatur zu widerstehen, was ihn gewiss in KZ gebracht hätte, wenn nicht das Kriegsende gekommen wäre, das er in Ellrich miterlebte.

Ganz in der Nähe von Ellrich in den Gipsbergen war eine Außenstelle des KZ-Lagers Dora. Der Ort hieß Juliushütte. Es soll ein schreckliches Lager gewesen sein. Das Hauptlager befand sich im Kohnstein in Nordhausen-Salza und Niedersachswerfen. Ein Lager befand sich mitten in der Stadt in der Gaststätte Bürgergarten. Die meisten Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen V-2-Waffen herstellen. Einige Häftlinge wurden aber auch zu Dienstleistungen in Handwerks-betrieben und in der Landwirtschaft eingesetzt. So haben auch die Einwohner von Ellrich, darunter Pfarrer Höpfner mitbekommen, welches Unrecht Menschen angetan wurde. In seinen Predigten hat er wohl auch einiges Kritische zum Nationalsozialismus und zur Politik geäußert. Das hatte zur Folge, dass seine Gottesdienste abgehört wurden. Heimlich wurde, was strengstens verboten war, der Londoner Rundfunk mit einem primitiven Volksempfänger gehört, so dass er über die politische Situation informiert war. Dabei musste er immer aufpassen, nicht selbst abgehört zu werden, gab es doch Leute, die die Aufgabe hatten, an den Fenstern zu horchen, ob die richtigen Sender eingeschaltet waren. Auch war er eingeweiht in die Aktionen, die einige Handwerker für die Häftlinge organisiert haben. So wurden z.B. die SS -Wachmannschaften, die die Häftlinge in die Handwerks-betriebe begleitet haben, zunächst mit so viel Alkohol versorgt, dass sie betrunken waren, anschließend hat man den Häftlinge reichlich zu Essen gegeben, was unter Todesstrafe verboten war. Aber auch in absolut illegale Aktionen der Handwerker und couragierten Bürger war er eingeweiht. So wurden geflüchtete Häftlinge im Turm der St. Johannis-kirche versteckt.

Um die Stadt Ellrich vor der Zerstörung zu retten taten sich kurz vor Ende des Krieges ein paar beherzte Bürger zusammen - die Amerikaner standen schon kurz vor der Stadt - wurde der national-sozialistische Bürgermeister festgesetzt und die weiße Fahne über der Stadt gehisst. Von dieser Aktion hatte auch Pfarrer Höpfner Kenntnis, vielleicht war er sogar eingeweiht worden. Er hat dann in den Akten der Stadt Ellrich, die später vernichtet wurden, den Haftbefehl lesen können, wonach er auch ins KZ abtransportiert werden sollte.

Kurz bevor die Amerikaner in die Stadt einmarschierten, richteten zum Schrecken der Frau von Pfarrer Höpfner deutsche Soldaten einen „Horst” in den Linden vor dem Pfarrhaus ein. Seine Frau hat sie dann mit Geschimpfe und mit ihrer resoluten Art vertrieben. Als dann am 11. April 1945 die Amerikaner kamen, war ihr Mann auf dem Friedhof in Zorge, um eine Beerdigung zu halten. Die Amerikaner drangen in das Pfarrhaus ein und holten verschiedene Sachen heraus, die sie dann an der Kirche zerschlugen. Seine schwangere Frau war hilflos. Schließlich kam Pfarrer Höpfner nach Hause und ein amerikanischer Sergeant machte dem Spuk ein Ende.

Am Sonntag darauf, am 15. April, predigt Pfarrer Höpfner in der St. Johanniskirche über den Bibeltext: 7Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. 8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. (Galater 6,7+8)

Er versucht das gerade Erlebte in folgende Worte zu fassen: „Schwerste Erschütterungen gehen durch unser Land. Wir selbst haben eine Woche reich an entscheidungsvollen Ereignissen erlebt. Wir begehen den heutigen Gottesdienst mit tiefer Dankbarkeit, daß unsere Stadt Ellrich erhalten ist. Unsere St. Joh. Kirche steht noch. Ja, Glocken werden wieder läuten, die Orgel ist noch da und der Altar, die Bibel ist aufgeschlagen und die Kanzel steht noch, von der Gottes Wort verkündigt werden wird. Das Evangelium ist unter uns und wird unter uns bleiben. Der Taufstein ist da u. wartet auf die Kinder u. Eltern u. Paten. Der Abendmahlstisch ist gedeckt mit Brot u. Wein u. ruft: kommt, es ist alles bereit...“ Einige Zeit später – am 3. Juli 1945 - wurde Ellrich der Roten Armee übergeben, wovor viele Bürger große Angst hatten.

Aber die sowjetischen Soldaten waren zu dem Zeitpunkt schon angewiesen, gewisse Regeln einzuhalten. Gefährlich war es aber trotzdem. Er schreibt, dass es Überlegungen gab, die Johanniskirche zur Kaserne umzufunktionieren. Einmal wurde Pfarrer Höpfner von sowjetischen Soldaten mit aufge-pflanztem Bajonett aufgefordert, die Kirchtürme zu besteigen, weil sie dort Flüchtlinge vermuteten. Pfarrer Höpfner stieg also die Treppen hoch und hinter ihm die bewaffneten Soldaten mit ihren Kalaschnikows im Anschlag. In der zweiten Etage waren an der Wand lauter alte Orden und Ehrenzeichen in einem Bilderrahmen befestigt, die wohl aus den Zeiten der Befreiungskriege und vom Deutsch- französischen Krieg 1870/71 stammten. Das hat sie sehr interessiert. Als dann die Glocken zu läuten anfingen, standen ihnen die Tränen in den Augen und erinnerten sich wohl an ihre ferne Heimat und stiegen die Treppen wieder herunter. Pfarrer Höpfner war sich nicht sicher, ob sich nicht doch Flüchtlinge auf dem Kirchturm aufhielten. Ein anderes Mal wurde er nachts von sowjetischen Soldaten mit Gewehr im Anschlag aus dem Bett geholt und aufgefordert die von ihnen an der Demarkationslinie erschossenen Menschen zu begraben. Es dauerte eine Weile, bis er ihnen deutlich machen konnte, dass er kein Totengräber sondern Pfarrer (Pope) sei. Besonders gut verstand er sich mit einem sowjetischen Arzt, der ihn öfter mit seinem Jeep mitgenommen hat, so dass er zu den Beerdigungen auf die Dörfer gelangen konnte. In Ellrich wurde am 16. August 1945 der Sohn Rainer geboren.

Zum Erntedankfest am Sonntag, d. 30. September 1945 versucht er in seiner Predigt in sehr eindrücklichen Worten die Dimension der erlebten Ges-chichte zu deuten: „Gott hat zum Schlage ausgeholt und hat unser Volk zu Boden geschmettert: Nun hat Gott die Menschen erniedrigt, die, die uns führen wollten. Mitten drin in ihrem Übermut. Mitten drin in all` ihren wohl ausgedachten Plänen. Nun stehen wir, das Volk, Schlange vor den Geschäften mit durch Sorgen zerfurchten Gesichtern, wie zeichnet das Leid seine Spuren. Nun haben wir Not und Tod, Jammer und Herzeleid, … tragen Kinder Männer, Frauen u. Greise des Hungers Zeichen an ihrem Leibe. Nun irren die Heimatlosen über die Landstraßen. Wissen wir es wieder, daß wir nicht die schöpferischen Herren sind, als die wir uns so oft gebärdeten, die da Gottes nicht bedürfen. Wissen wir es wieder, dass wir darauf angewiesen sind, daß ein anderer unsere leeren Hände füllt. So ihr euch nicht bessert, werdet ihr auch also umkommen. Wisset: Zuflucht ist bei dem alten Gott u. unter seinem ewigen Erbarmen. Kehret zurück zu den Urquellen des Lebens...“

Das Wirken von Pfarrer Höpfner in Ellrich

Als 33-Jähriger begann er seinen Dienst in Ellrich. Die ersten Gottesdienste im November 1944 fanden in der Sakristei der Johanniskirche statt. Es kamen anfangs nur wenige Besucher.

Es war für alle ein schwere Zeit. Dann aber nahm der Gottesdienstbesuch immer mehr zu, sodass in den darauf folgenden Jahren zwischen 150 und 300 Menschen am sonntäglichen Gottesdienst in der St. Johanniskirche teilnahmen. Sonn - und Festtags gab es den Hauptgottesdienst um 9.30 Uhr, an-schließend Kindergottesdienst um 11.00 Uhr und oftmals nachmittags um 14.00 Uhr einen Gottesdienst in der Hospitalkirche, da das Hospital zu dieser Zeit noch eine Art Altersheim war, dazu jede Menge Taufen, auch Trauungen. In der Woche musste er viele Beerdigungen halten. Es wurde in dieser schweren Nachkriegszeit viel gestorben. Es sollen wohl in seiner Amtszeit über 1000 Menschen gewesen sein, die er beerdigt hat. Unvorstellbar für die nachfolgenden politischen Veränder-ungen sollte er 1945 sogar Schuldirektor werden und hat selbst ab Oktober 1945 bis Februar 1946 auch Religions-unterricht in der Grund- und Mittelschule Ellrich erteilt. Das wurde dann Ende Mai 1948 untersagt. Es fand dann die christliche Unterweisung der Kinder von der 1.bis 6. Klasse - Christenlehre genannt - im Gemeinderaum in der Kirchstraße 14 statt, der mit einem Kohleofen beheizt werden konnte. Die Christenlehrekinder wurden zeitweise von von Kantor Methfessel 08.07.1900 - ) ab Juni 1954 von dem früheren Lehrer und Katecheten Hugo Trömel 20.12.1890-18.06.1960), später auch von Diakon Walter Schneegaß unterrichtet. Auch viele Gemeindeveranstal-tungen der Kirchengemeinde wurden dort abgehalten. Nach der Renovierung und Wiedereinweihung des Gemein-deraumes in der Kirchstraße am 20. November 1946 wurden manchmal im Winter auch die Gottesdienste dort gefeiert. Die Sitzungen des Gemeindekirchenrats fanden immer in der Sakristei der St. Johanniskirche statt. Sie konnte mit mit Stadtgas beheizt werden.

Es waren damals große Gruppen von Katechumenen (Vorkonfirmanden) und Konfirmanden zu unterrichten, 1948 beispielsweise 40 Jungen und 36 Mädchen als Hauptkonfirmanden und solche großen Konfirmandengruppen bis in die 50er Jahre hinein. Das war nur mit Frontalunterricht zu bewältigen, der aber damals allgemein üblich war. Dazu kamen Bibelabende, Jungmännerkreis, Frauenhilfe und zeitweise Choralsingen mit interessierten Gemeinde-gliedern und anderes mehr. Wie er das alles schaffen konnte bei seinem Gesundheitszustand ist schon erstaunlich, Von 1946 an war er auch noch Synodaler der Synode der Kirchenprovinz Sachsen und damit aktiv an der Leitung der Kirche beteiligt.

Dass dieses Arbeitspensum doch über seine Kräfte ging , zeigte sich dann 1947, wo eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes sich bemerkbar machte. Wegen seiner Rückenmarkerkrankung - Spätfolgen der Kinderlähmung - wurde er dann im August 1947 in die Nervenklinik nach Nordhausen eingewiesen . Erst Ende Oktober war er wieder dienstfähig. Die Krankheitsfolgen aber begleiteten ihn noch viele Jahre.

Kirchenmusik

Den Orgeldienst in den Gottesdiensten versahen damals die Lehrer Hermann Spannaus und Max Aderhold. Seit dem 4. Juli 1948 spielte in den Sonn-tagsgottesdiensten der Kantor Eugen Hergenhahn die Orgel. Er war mit seiner Frau, einer Geigerin, aus dem zerbombten Berlin nach Ellrich gezogen. Am 31. Oktober (Reformationsfest) wurde er als Kantor eingeführt, aber schon am 16. Dezember 1948 ist er im Alter von 59 Jahren verstorben. Später versah das Orgelspiel der Kantor Methfessel, der auch zeitweise Christenlehre gab. Später spielte die Kirchenmusikerin Christel Schwarz die Orgel. Die Kirchenmusik war ihm ein besonderes Anliegen. So übte er er vor dem eigentlichen Beginn des Gottesdienstes mit den Gemeindegliedern Liturgie- und Choralsingen. Auch in der Woche übte er mit interessierten Gemeindegliedern die Gesangbuchlieder und die Liturgie, später entstand daraus ein Kirchenchor. Es fanden im Laufe der Zeit viele Konzerte in der St. Johanniskirche statt. So brachte am 25 Oktober 1951 Chor und Orchester der Berliner Domkantorei die G-Moll-Messe von J.S. Bach zu Gehör. Später erklangen auch große Werke von G.Fr. Händel in der St. Johanniskirche mit Chor und Orchester der Nordhäuser Blasiikirche unter Leitung von Kantor Mönch: unter anderem Judas Maccabäus, Belsazar (31.10.1953), Das Dettinger Te Deum und viele andere Werke. Neben dem Gemeindegesang fühlte er sich der Liturgie sehr verbunden. So wurde vom Frühjahr bis zum Herbst jeweils am Mittwoch in der Hospitalkirche und am Sonnabend in der St. Johanniskirche, später in der Frauenbergs-kirche zu liturgischen Andachten eingeladen.

Am 11. November 1948 fand nach vielen Jahren wieder die Feier zu Martini statt, an der dann in den darauf folgenden Jahren viele hunderte Kinder mit Laternen und Erwachsene teilnahmen, wobei sich ein großer Umzug unter Glockengeläut aller Kirchen durch die Stadt bewegte und zwar von der St. Johanniskirche zum Nikolaikirchturm und wieder zurück zur St. Johanniskirche. Zum Ende hielt Pfarrer Höpfner auf einem Traktoranhänger stehend eine Ansprache zur Bedeutung des Martinstages mit der besonderen Betonung auf den Reformator Martin Luther. In den späteren Jahren fand immer in der St. Johanniskirche eine Andacht zum Geburtstag Martin Luthers statt. Am 10. November 1959 wurde der Martinsumzug durch die Stadt von der Staatlichen Behörde wegen der Sperrzone verboten. Danach fand die Umzug nur noch um die Frauenbergskirche statt.

Dankbar konnten am 29.Oktober 1949 die uralten Glocken des Nikolaikirchturms wieder in Empfang genommen werden, die im 2. Weltkrieg abgegeben werden mussten.

Bausachen

Frauenbergskirche (St. Beatae Mariae Virginis in Monte)

Die Wiederherstellung der uralten ruinösen Frauenbergskirche war ihm eine besondere Herzens-sache. Die Arbeiten dazu begannen schon im August 1948. Für diese Arbeiten konnte er den Architekten Friedrich Stabe (1912-2000) und Zimmermeister Otto Schmidt aus Ellrich gewinnen. Schon am 15. November 1952 konnte Richtfest für den Dachreiter (Glockenturm) gefeiert werden. Später kam auch die Baufirma Albert Holzhause hinzu. Am 1. März 1953 konnte der Turmknauf auf den Dachreiter aufgesetzt werden. Am 30. August 1953 wurde ein Jubiläum gefeiert zur Wiederherstellung der Frauen-bergskirche. Hundert Jahre zuvor wurden nämlich wegen der Baufälligkeit des Dachreiters die zwei bronzenen Glocken des Türmchens ausgebaut.1

Nun konnte durch die Initiative von Pfarrer Höpfner die Frauenbergskirche wieder genutzt werden.Am 11. November 1948 fand nach vielen Jahren wieder die Feier zu Martini statt, an der dann in den darauf folgenden Jahren viele hunderte Kinder mit Laternen und Erwachsene teilnahmen, wobei sich ein großer Umzug unter Glockengeläut aller Kirchen durch die Stadt bewegte und zwar von der St. Johanniskirche zum Nikolaikirchturm umd wieder zurück zur St. Johanniskirche. Zum Ende hielt Pfarrer Höpfner auf einem Traktoranhänger stehend eine Ansprache zur Bedeu-tung des Martinstages mit der besonderen Betonung auf den Reformator Martin Luther. In den späteren Jahren fand immer in der St. Johanniskirche eine Andacht zum Geburtstag Martin Luthers statt. Am 10. November 1959 wurde der Martinsumzug durch die Stadt von der Staatlichen Behörde wegen der Sperrzone verboten. Danach fand die Umzug nur noch um die Frauenbergskirche statt.

Dankbar konnten am 29.Oktober 1949 die uralten Glocken des Nikolaikirchturms wieder in Empfang genommen werden, die im 2. Weltkrieg abgegeben werden mussten. Ab 1955 hielt Pfarrer Höpfner in der Frauenbergskirche vom Mai bis Oktober liturgische Vespern.

Nachdem genug Spenden gesammelt wurden, konnte durch Pfarrer Höpfner nun bei der der Glockengießerei Schilling & Lattmann in Apolda zwei neue Glocken aus Eisenhartguss bestellt werden, die im September 1957 gegossen wurden und am 10 Oktober 1957 in Apolda durch Pfarrer Höpfner und Kirchenälteste besichtigt werden konnten. Am 28. Oktober 1957 wurden die beiden Glocken auf vierspännigen Pferdewagen unter großer Anteilnah-me der Bevölkerung (vielleicht 1000 Menschen) in einen langen Zug durch die Stadt von der St. Johanniskirche unter deren Glockengeläut zur Frauenbergs-kirche geleitet. Pfarrer Höpfner sagte an der St. Johanniskirche diese Worte: „Das ist ein Tag der Freude und ein Tag des Dankes würdig, endlich sind die Glocken da für die wir gespendet und die wir so sehnlichst erwartet haben. Nun freuen wir uns und danken Gott, daß er das Werk segnete. Am 30.August 1853 war das Läuten(der Frauenbergskirche eingestellt, am 15. März 1856 war ein trauriger Zug zu sehen. Da wurden die alten Glocken (der Frauenbergsk-irche) hinunter zur St. Johanniskirche geleitet.2 Heute aber ist freudiger Zug von der St. Johanniskirche nach oben zu sehen. So laßt uns in Empfang nehmen diese Glocken zum Dienst für die Gemeinde bestellt, daß sie uns mahnen an die Ewigkeit, uns lenken zum Hause des Herrn, uns rufen zum Dienst für sein Reich. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Mit feierlicher Posaunenmusik wurde die Ankunft der Glocken an der Frauenbergs-kirche begrüßt. Pfarrer Höpfner: „Das soll der Auftrag der Glocken sein: Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme. Es wird des Herrn Stimme über die Stadt rufen: Heilig heilig heilig ist der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll. O Land, Land, Land, höre des Herren Wort. Lasset euch versöhnen mit Gott.“ Nach einer eindrucksvollen Feier und einer Ansprache durch Pfarrer Höpfner begann das Aufziehen der Glocken und ihre zweitägige Montage.

Glockenweihe Refor-mationstag 31.10. 1957

Am Reformationstag, dem 31. Oktober 1957 fand in einem Gottesdienst um 14.00 Uhr die feierliche Glockenweihe durch Propst Johannes Hoffmann aus Nordhausen statt. Alle Sitz- und Stehplätze der noch nicht fertigen Kirche waren ausgefüllt. Pfarrer Höpfner stellte seine Predigt unter das Bibelwort der Inschriften der beiden Glocken. „Dienet dem Herrn mit Freuden“, „Kommet vor sein Angesicht mit Frohlocken“ (Psalm 100,2 und 3) Anschließend wurden die beiden Glocken erstmalig per Hand geläutet. Nach über Hundert Jahren ertönten wieder Glocken vom Frauenberg über die Stadt Ellrich. Wie gut, dass Pfarrer Höpfner sich so für die Instandsetzung der Frauenbergskirche und ihrer Glocken eingesetzt hatte, denn so ersetzte das Glockengläut der Frauenbergskirche - wenn auch unzureichend - das Geläut der Johanniskirche. Ebenso hatte nun die Gemeinde einen nutzbaren Gottesdienstraum als Ersatz für die gesperrte St. Johanniskirche.

Der Architekt Konrad Riemann aus Nordhausen bekam nun den Auftrag für die Fertigstellung der Frauenbergskirche. Bevor 1960 der neue Fußboden verlegt werden konnte musste der Untergrund vorbereitet werden. Dabei stellte sich heraus, dass sich unter dem Fußboden zahlreiche Grabgewölbe befanden. Das bedeutete zusätzliche Arbeit, da die Grabgewölbe zugeschüttet und der Boden verfestigt werden musste. Die Erdarbeiten in der Kirche geschahen in freiwilligen Arbeitsein-sätzen des Männerkreises und anderer Gemeindeglieder. Als Fußboden waren Platten aus Travertin vorgesehen. Die Traver-tinplatten wurden im Mai 1960 mit LKW aus Bad Langensalza angeliefert und mussten ebenfalls mit freiwilligen Helfern entladen werden.

Am 14. Juni 1960 fand in der Frauenbergskirche ein Gottesdienst anlässlich einer Genralkirchenvisitation der Kirchengemeinde Ellrich statt. Dabei erlitt der langjährige Katechet Hugo Trömel einen Schlaganfall, an dessen Folge er ein paar Tage später verstarb. Er wurde 69 Jahre alt. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und kirchlicher Amtsträger wurde er am 21. Juni auf dem Ellricher Friedhof beigesetzt. Er hat sich um die christliche Unterweisung der Kinder sehr verdient gemacht.

Vom 27. Februar bis 22. März 1961 wurden dann die Travertinplatten in der Frauenbergskirche durch die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) Granit Nordhausen verlegt, sodass ein fester Boden das Innere der Kirche ansehnlich machte. Im Mai 1961 konnte auch die elektrischen Anlagen und die Beleuchtung fertiggestellt werden. Nach dem Weggang von Pfarrer Höpfner wurden weitere erhebliche Verbesserungen an der inneren Ausgestaltung vorgenommen.

Überhaupt hat sich Pfarrer Höpfner sehr für die Instandsetzung bzw. Wiederherstellung der Kirchengebäude in Ellrich eingesetzt. So gab es immer wieder Instandsetzungsarbeiten an den Kirchenbauten.

St. Johanniskirche

Schon im September 1951 wurden Dachdeckerarbeiten an der St. Johanniskirche durchgeführt. Er setzte sich auch dafür ein, dass die Johanniskirche im Winter geheizt werden konnte. Sie verfügte nämlich über eine Zentralheizung mit gusseisernen Heizkörpern an den Außenwänden der Kirche. Die Kirche konnte sowohl mit Kohle als auch mit Öl beheizt werden. Der Heizungsraum befand sich im kleinen Anbau an der nordöstlichen Seite des Kirchenschiffs. Pfarrer Höpfner schaffte es durch seine guten Beziehungen zu den Heilstätten in Sülzhayn, dass von dort Heizöl abgezweigt und zur Johanniskirche geliefert wurde. Für die Kirche in Ellrich hätte er offiziell nie eine Genehmigung für Heizöl erhalten.

Immer wieder fanden auf Initiative von Pfarrer Höpfner Begehungen und Besichtigungen der Kirchengebäude in Ellrich durch Baufachleute der Kirche und Denkmalpflege statt, so im September 1951 und im Januar 1955. Ebenfalls 1955 wurde das volle Geläut durch das staatliche Rundfunkkomitee der DDR aufgenommen und war zeitweise Bestandteil des Weihnachtprogramms des Rundfunks der DDR.

In den weiteren Jahren stellten sich immer mehr gravierende Bauschäden heraus. So wurden im Februar 1956 die Türme gelotet um festzustellen ob die Schäden an den Türmen vom schadhaften Fundament herkommen. Auch wurden Proben des Mörtels und Steine entnommen, um die Ursachen der „Ausblühungen“ festzustellen. Ebenso wurden an den Rissen Gipsmarken angebracht um die Statik des Gebäudes zu überprüfen. Die Gipsmarken zeigten neue Risse und auch sonst wurden Bewegungen im Mauerwerk besonders an den Türmen festgestellt. Am 14.April 1957 zur Konfirmation erklang noch einmal das volle Geläut. Am 17. Dezember 1957 fand eine Besichtigung der Schäden an der St. Johanniskirche statt mit Kirchenoberbaurat Seebach, Oberkirchenrat Sternsdorf, Dipl. Ing. Preiss und Architekt Herborn. Dabei wurde mit sofortiger Wirkung die Einstellung des Glockengeläuts und die Sperrung des Kirchenschiffs verfügt. Der letzte Gottesdienst im Altarraum der St. Johanniskirche wurde am Sonntag, d. 5. Januar 1958 gehalten. Trotzdem fanden danach im Chorraum immer wieder Trauungen und Taufen statt. Die Sakristei wurde aber weiterhin für Sitzungen genutzt. Der Westeingang und auch das Gelände rund um die St. Johanniskirche wurden gesperrt. Die Christvesper zu Heiligabend fand dann zum ersten Mal am 24,Dezember 1957 in der Frauenbergskirche statt. Viele weitere Sitzungen folgten. Auch weitere Gutachten und Besichtigungen brachten kein anderes Ergebnis. Am Abriss der Türme von St. Johannis führte kein Weg vorbei.

All das war ein tiefer Einschnitt in das Gemeindeleben, aber auch ein herber Rückschlag Pfarrer Höpfners in den Bemühungen um den Erhalt der St. Johanniskirche. Wie gut, dass er dafür gesorgt hat, dass die Frauenbergskirche nun soweit wiederhergestellt war, dass sie nun für die großen Gottes-dienste genutzt werden konnte. In vielen Sitzungen der kirchlichen und der politischen Baubehörden wurde versucht eine Lösung zur Rettung der St. Johanniskirche zu finden. Viele Fachleute wurden zu Rate gezogen. Man fand heraus, dass für die Wiederherstellung der Türme nach dem Brand von 1907 Materialien benutzt wurden, die starke Spannungen im Mauerwerk hervorge-rufen haben. Versuche von 1931 das Mauerwerk mit zahlreichen Haftankern zu befestigen, konnten den Prozess der Treiberscheinungen nicht aufhalten Der damals genutzte Zementmörtel hat die Situation eher verschlimmert. Ein Vorschlag war vor die Türme Stützpfeiler zu setzen ähnlich wie bei der Divi Blasii Kirche in Mühlhausen. Andere wollten die St. Johanniskirche ganz abreißen und an deren Stelle eine Kaufhalle errichten. Der Abriss der Türme der St. Johanniskirche 1961/62 hatte nichts mit der politischen Situation an der Grenze zu tun, sondern war eine Notwendigkeit zur Gefahrenabwehr und ein Tribut am desolaten Bauzustand. 3 Versprochen wurden aber vom kirchlichen Bauamt Finanzmittel und Materialien zur Verfügung zu stellen, um das Kirchenschiff zu reparieren.

Für Pfarrer Höpfner, für den Gemeindekirchenrat und für die Bewohner der Stadt Ellrich bedeutete der Abriss der Türme eine tiefe Enttäuschung,. Ihn persönlich hat dieser Abriss der Türme und auch der Zustand der St. Johanniskirche nach dem Weggang aus Ellrich und später im Ruhestand in Bad Sachsa immer sehr beschäftigt und bewegt. Wenigstens hat er die Anfänge der Wiederherstellung des Kirchenschiffs miterleben dürfen.

Hospitalkirche (St. Spiritus)

Auch für die Instandsetzung der Hospitalkirche hat Pfarrer Höpfner sich sehr in Zusammenarbeit mit der Stadt Ellrich engagiert. So wurde im Mai 1956 die Hospitalkirche neu ausgemalt und im Mai 1956 neu eingerichtet. Alles Gestühl und auch der schmiedeeiserne Leuchter wurden auf Kosten (Spenden) der Kirchengemeinde Ellrich angeschafft. Schon lange wurden in der Hospitalkirche sonntagnachmittags Gottesdienste und im Sommer mittwochs liturgische Andachten gehalten. So bewirkte Pfarrer Höpfner im November 1958, dass ein Gasleitung von der Stadt zur Hospitalkirche gelegt wurde. Dazu wurden in einem freiwilligen Arbeitseinsatz des Männerkreises und des Gemeindekirchenrats umfangreiche Schachtarbeiten zur Verlegung durch-geführt.4 Zugleich wurden Gasheizkörper in der Hospitalkirche installiert und bereits am 3. Advent 1958 konnte die Gasheizung in Betrieb genommen werden. Auch diese Arbeiten wurden durch die Kirchengemeinde finanziert. Nun gab es für die kleineren Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen wieder einen geheizten Kirchenraum im Winter. Das wurde von der Gemeinde sehr gut angenommen. So entstand für die Gemeinde eine schöner Gottesdienstraum, der auch im Winter nutzbar war. Viele Ältere erinnern sich gerne an die schönen Gottesdienste in der Hospitalkirche.

Das weitere Wirken von Pfarrer Höpfner

Pfarrer Höpfner engagierte sich nicht nur für kirchliche Belange, sondern hatte auch das Wohl der Bürger der Stadt Ellrich im Blick. Für ihn gehörte das zum Christsein dazu. So war er einer der Mitbegründer der Volkssolidarität in Ellrich. 1946 und arbeitete in der Neubürgerkommission mit. Letzteres bezog sich auf die Flüchtlinge bzw. Vertriebenen aus dem Osten, die auch „Umsiedler“ genannt wurden. Er setzte sich auch für die Schulspeisung und Suppenküche im Hungerwinter 1946/47 ein. Von 1946 bis 1957 war er Synodaler der Kirchenprovinz Sachsen5. Das bedeutete sich zweimal im Jahr für eine Woche über das Leben der Christen im Bereich der Landeskirche zu beraten, Beschlüsse zu fassen und die Ergebnisse auch vor der Gemeinde zu vertreten. Dazu gehörte sich vorher und auch nachher mit vielen Papieren, Beschlussvorlagen und Problemen der Landeskirche zu beschäftigen und auseinander-zusetzen.

Wegen einer Typhusepidemie waren vom 27.Juni bis 22.August 1951 alle Veranstaltungen und Versammlungen verboten. Das betraf alle Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen.

Als Prediger und Verkündiger des Wortes Gottes war Pfarrer Höpfner immer mutig und standhaft gewesen. Viele Menschen haben gerne seiner Verkündigung zugehört. Es gibt sogar Mitschriften seiner Predigten von Gemeinde-gliedern. Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch zwischen 1946 – 1960 betrug zeitweise mehr als 100 Menschen. Zu Festzeiten waren es noch viel mehr. Heiligabend war die Johanniskirche überfüllt mit 800 bis 1000 Besuchern.

Nach der Gründung der DDR 1949 etablierte sich unter der stalinistischen Führung der SED ein militanter Atheismus und eine Kirchenfeindlichkeit, die sich in mehr oder weniger großem Druck auf die Kirchenmitglieder niederschlug.

Niemals hat er gemeinsame Sache mit der kommunistischen Diktatur gemacht. So konnte es geschehen, dass seine Predigten manchmal so politisch waren, dass sie wiederum abgehört wurden, diesmal von Stasileuten. Für den Küster waren diese Leute sofort erkennbar, weil sie in Ledermänteln den Gottesdienst besuchten und nicht mits-angen. Da drückte er ihnen Gesangbücher in die Hand und schrie ihnen während des Orgelspiels ins Ohr:„Mitsingen!”. Oft verließen dann diese Leute fluchtartig die Kirche. In den 50er Jahren sollte Pfarrer Höpfner abgeholt werden. Dass das nicht geschah, hatte er nach seiner Aussage einem SED-Mitglied zu verdanken, der sich für ihn eingesetzt hatte. Andere mutige Pfarrer wurden damals inhaftiert. So der Leipziger Studentenpfarrer Georg Friedrich Schmutzler (1915-2003) aus Leipzig, der im April 1957 verhaftet und wegen „Boykotthetze“ zu fünf Jahren Haft verurteilt, aber 1961 vorzeitig aus der Haft entlassen. Dazu auch ein Pfarrer aus Nossen Willy Kohl (1890-1964) der 1958 wegen Hetze gegen den Staat zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Das gleiche Schicksal ereilte den Pfarrer Martin Giersch (1909-1969), Studentenpfarrer in Weimar. Auch er wurde 1958 wegen „Boykotthetze“ zu 14 Monate Zuchthaus verurteilt.

Auch ganz persönlich hatte er unter dem Regime zu leiden. So wurde ihm keine Reisegenehmigung erteilt, um an der Beerdigung seiner geliebten Mutter in Wolfenbüttel im Juli 1957 teilzunehmen. Dem Sohn Claus-Ulrich wurde ein Studienplatz an der Universität für slawische Sprachen versagt, obwohl er ein sehr gutes Abitur abgelegt hatte. Er flüchtete dann 1959 in den Westen.

Pfarrer Höpfners Verkündigung und Seelsorge geschah unter den Maßnahmen des Staates zur Sicherung der Grenze zum Westen. Das waren zum einen die Einrichtung eines Sperrgebietes ab 1952 und zum anderen die damit verbundenen Zwangsaussiedlungen durch die Aktion „Ungeziefer“ 1952 und die Aktion „Kornblume“ 1961. Diese Zwangsmaßnahmen erzeugten Angst und Schrecken in der Bevölkerung von Ellrich und im gesamten Grenzgebiet der DDR. Einige wurden in einer Nacht-und Nebelaktion zwangsausgesiedelt, andere, oft treue Gemeindeglieder, flüchteten gleich in den Westen oder verließen freiwillig das Sperrgebiet, weil sie nicht mehr unter den Einschränkungen des Sperrgebiets leben wollten. Freunde und Bekannte außerhalb des Sperrgebietes durften nicht ins Sperrgebiet einreisen. Verwandte mussten in einer langen Prozedur Anträge auf einen Passierschein stellen. Für den 500-Meter-Streifen waren die Bestimmungen noch viel schärfer. Die Grenze wurde immer undurchlässiger. Ein tiefer Einschnitt war der Mauerbau am 13.August 1961. Das alles hatte natürlich auch Auswirkungen auf das Leben der Kirchengemeinde.

„Um der Kirche zu schaden, wurde vom SED-Staat 1955 die Jugendweihe als Alternative zur Konfirmation eingeführt. Mit gewaltigem Druck wurde die formal aufgebaute Jugendweihe durch ihre zeitliche Nähe zu Ostern und Pfingsten und ihre pseudosakralen Inhalte zu einem vordergründigen Gegen-entwurf zur evangelischen Konfirmation und der katholische Firmung etabliert. Aber auch konfessionell gebundene Jugendliche sollten (parallel zur Konfirmation/Firmung) an den Jugendweihefeiern teilnehmen. Ab 1958 wurde die Jugendweihe durch die eingesetzten Maßnahmen der Regierung von Walter Ulbricht praktisch zur Zwangsveranstaltung. Tausende von Jugendlichen mussten schwere Benachteiligungen hinnehmen: Wer nicht an der Jugendweihe teilnahm, musste mit schlechteren Lehrstellen, versagter Zulassung zur Erweiterten Oberschule (EOS), Nichtzulassung zum Studium und anderen Repressionen rechnen; auch auf die Eltern wurde Druck ausgeübt. Eine wesentliche Rolle bei der Durchsetzung der Jugendweihe gegenüber der Konfirmation spielte die DDR-Staatssicherheit.“6 Es gab einige wenige Ausnahmen dieser Maßnahme. Die Problematik Konfirmation und Jugendweihe beschäftigte ihn und die Gemeindearbeit sehr. Der Anspruch des Staates auf die Jugendlichen, sich zum Sozialismus und zum Staat DDR zu bekennen und der Anspruch der Kirche auf das Bekenntnis zu Jesus Christus war eigentlich unüberbrückbar. So wurden die Jugendlichen, die an der Jugendweihe teilgenommen haben, erst ein Jahr später konfirmiert. Das wurde von den Jugendlichen und den Eltern als Strafe empfunden und so gingen die Konfirmandenzahlen Ende der 1950er Jahre stark zurück.

Wie aktuell und zeitnah Pfarrer Höpfner gepredigt hat zeigt eine Predigt von September 1959 in der Frauenbergskirche: hier ein Ausschnitt: „Wir wollen diesen Gottesdienst mit tiefem Dank begehen. Wir haben uns in dieser uralten ehrwürdigen weitergebauten Kirche versammeln können. Die Glocken rufen: Dienet dem Herrn mit Freu-den. Wir dürfen unsere kirchliche Liturgie singen. Der Altar steht, die Bibel ist aufgeschlagen, der Leuchter des Wortes Gottes ist nicht weggeschafft. Menschen sind da und besuchen uns heute, die uns das Wort Gottes verkündigen werden u. eine Gemeinde ist da, die sich aufrichten und stärken lassen möchte mit dem Wort des Lebens, stärken lassen durch den, der in unsere Mitte kommt u. zu uns tritt in seinem Worte Jesus Christus, unser Herr. Wie sehr haben wir solche Stärkung u. Zurüstung für unser Christsein nötig. Jene - besonders wieder – werden gefragt, ob wir es wirklich noch verantworten können als aufgeklärte Menschen an Gott zu glauben. Wie kann man zur Kirche stehen mit ihren überholten u. reaktionären Dogmen? Es geht doch wirklich nicht mehr an, daß man den modernen fortschrittlichen Menschen etwas glauben heißt, was, wie man sagt, der wissenschaftlichen Erkenntnis grotesk widerspricht. Es gilt vielmehr, eine fortschrittliche, das Denken befriedigende Weltanschauung zu lehren u. das ist, so heißt es, der dialektische Materialismus. Auch ihr, liebe Brüder und Schwestern steht andauernd unter solchen zermürbenden Angriffen der materialistischen Propaganda, u. in breiter Front wird die Glaubwürdigkeit der Kirche u. des Christenglaubens angegriffen. Es könnte so sein, daß manche darüber klagen. Aber das ist nicht unsere Aufgabe zu jammern u. die Schlechtigkeit der Welt anzuprangern. Auch haben wir nicht unser Bemühen daran zu setzen, nur ja im Verborgenen zu bleiben u. nicht aufzufallen. Ach, es gibt ja Christen, die haben geradezu eine Angst davor, fromm zu sein. Sie verkriechen sich. Sie entschuldigen sich, daß sie noch Christen sind. Sie strengen sich andererseits an, zu zeigen, wie modern auch sie denken können u. mit allen Wassern gewaschen sind, noch fortschrittlicher als die Fortschrittlichsten. Unser Text sagt: Wir sollen, ja wir müssen sogar auffallen aber mit unserem Wandel als Christen. Es kann gar nicht verborgen bleiben, wenn da Menschen sind, die sich zum christl. Glauben bekennen u. als Christen leben, jedoch nicht mit unserer geschickten Anpassungsfähigkeit, an die gerade mit Nachdruck vorgetragene Weltanschauung. Paulus schreibt: (Epheser 4, 1+4-6): So ermahne ich euch nun, ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich`s gebührt eurer Berufung, mit der ihr berufen seid : ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung; ein HERR, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch alle und in euch allen.“

Auch das Verhältnis von Obrigkeit und Gehorsam spielte eine wichtige Rolle, verlangte doch der sozialistische Staat wie schon die faschistische Diktatur den ganzen Menschen. Muss man der atheistischen Obrigkeit in allen Dingen Gehorsam leisten und untertan sein oder muss man nicht Widerstand leisten, weil es doch auch in der Bibel heißt:„ Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29)? So hat er in seinen Predigten immer wieder die politische Situation einbezogen, weil ja auch viele biblische Aussagen durchaus politische Relevanz haben. Man denke nur an die Bergpredigt Jesu Matthäus 5-7 oder an die Prophetenworte in der hebräischen Bibel.

Auch sind er und seine Frau auch nie zur Wahl gegangen, obwohl in der DDR Wahlpflicht bestand. Die Wahl in der DDR war eine Farce, weil ja immer schon vorher das Ergebnis der Wahl mit 98 oder 99 Prozent Zustimmung feststand. Wenn man die Wahlkabine benutzte wurde das negativ registriert oder man den Wahlzettel durch Durchstreichen ungültig machte, ebenfalls. Wer nicht an der Wahl teilnahm, musste mit negativen Konsequenzen rechnen. Das haben er und seine Frau auf sich genommen. Amtsbrüder, die die Nähe des Staates suchten und sich anbiederten, waren ihm suspekt und wurden von ihm als „CDU-Pfarrer“7 oder „Friedenspfarrer“8 bezeichnet. Mit ihnen wollte er nichts zu tun haben. Diesen wurden aber mancherlei Vorteile vom Staat gewährt.

Mit dem Schlagwort „Kirche im Sozialismus“ tat er sich schwer. Sozialismus bedeutete für ihn Unterdrückung der Glaubens- Gewissens- und Meinungsfreiheit. Somit war für ihn diese Beschreibung von Kirche nicht akzeptabel. Kirchlicherseits aber wollte man mit dieser Formel das Christsein unter den gegebenen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen beschreiben. Es beinhaltete nicht das Bekenntnis zum Sozialismus.

In seiner Gemeindearbeit legte er viel Wert auf damals modernere Formen der Verkündigung. Neben der Bibelauslegung zu den Bibelwochen wurden bei Abenden im Männerkreis oder Frauenkreis Themen behandelt wie z.B. Glaube und Naturwissenschaft – „ Kirche auf dem Wege“ - Jan 1955: „Albert Schweitzer zum 80. Geburtstag“ - „Aug. Hermann Francke“ – usw. Im Frauenkreis „Fang bei dir selbst an“ - „Lebenslast und Lebenslust“ und Lebensbilder von Ev. Persönlichkeiten wie z. B, Mathilda Wrede usw. Regelmäßig fanden Gemeindeabende statt mit Lichtbildstreifen „Kirche im Bild“ über die aktuellen Entwicklungen im Raum der Kirche. Zusammen mit seiner Frau hat er Krippenspiele zum Heiligabend eingeübt, zu Beginn seiner Tätigkeit auch mit jungen Erwachsenen, später mit Kindern und Konfirmanden. Verkündigungsspiele wurden aufgeführt : „Der verlorene Sohn“ - „Das große Abendmahl“ Im September 1958 gab es eine Tonbandaufführung „Joseph und seine Brüder“, auch Lichtbilder wurden mit einem Lichtbildapparat gezeigt: „Die Größe Gottes in der Natur“, ein Schattenspieltheater aus Dresden führte biblische Geschichten auf.

Gerne hat er Busfahrten und Ausflüge für die Gemeinde in die nähere und weitere Umgebung organisiert, z. B. Nach Halberstadt, Quedlinburg, Elbingerode, mit der Bahn nach Halle/S oder Erfurt usw. Das war eine gute Gelegenheit Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen.

Pfarrer Höpfner hat auch die Kirchenältesten ermutigt als Lektoren tätig zu sein und hat ihnen das Rüstzeug in die Hand gegeben, um selbstständig Gottesdienste zu halten. So haben ihn manchmal auch Kirchenälteste bei Gottesdiensten vertreten.

Bei der oben schon erwähnten Generalkirchenvisitation der Kirchengemeinde Ellrich vom 14. bis 16. Juni 1960 wurden der Zustand der kirchlichen Gebäude und Räume geprüft. Ebenso die Gemeindearbeit mit ihren verschiedenen Gruppen begutachtet von der Arbeit mit Kindern (Christenlehre) über den Konfirmandenunterricht, Jugendarbeit, Frauen und Männerkreis sowie die Tätigkeit des Gemeindekirchenrates in Augenschein genommen. Die Visitatoren drückten ihre Anerkennung für die geleistet Arbeit und die sichtbaren Ergebnisse aus. Besonders das Wirken von Pfarrer Höpfner wurde lobend hervorgehoben.

Die finanzielle Situation der Pfarrer in der DDR war nicht einfach. Zwar hatten sie mit dem Pfarrhaus ein kostenlose Dienstwohnung, aber das Gehalt reichte oft nicht für das Notwendigste. Das Nettogehalt von Pfarrer Höpfner 1949 betrug 511 DM dazu eine jährliche Schwierigkeitszulage von 300 DM. Eine Sperrzonenzulage von 15% für Pfarrer hat es nicht gegeben. Dazu hat von 1948 bis 1950 die Landeskirche 10%-20% der Dienstbezüge ihrer Pfarrer einbehalten, die nach und nach erst ab 1966 bis 1973 ausgezahlt wurden. Das Geld reichte für die fünfköpfige Familie oft nicht bis zum Monatsende.9

Weil die Landeskirche finanziell kaum in der Lage war die Gehälter ihrer Pfarrer regelmäßig zu überweisen, wurde in dieser Zeit das Gehalt oft in Raten ausgezahlt, was für die private Haushaltsführung äußerst prekär war. Bis 1958 gab es Lebensmittelkarten, die das Essen rationierten10. Aber auch Holz und Kohle waren rationiert.

Der Pfarrgarten in Ellrich war steinig und brachte kaum nennenswerte Erträge. So war Pfarrer Höpfner und seine Familie für jede Unterstützung dankbar: so für jedes Paket der Verwandten im Westen, für die Hilfe der Eltern seiner Frau aus Leuben in Sachsen, für die geschenkte Wurst von Bauer Dempwolf, für das Fleisch von Schlachter Becker, das manchmal nicht berechnet wurde, ebenso auch für Backwaren von Bäcker Wedler, die auch manchmal nicht berechnet wurden und für so manche weitere Hilfe und Zuwendung von Gemeindegliedern. Das Endgehalt von Pfarrer Höpfner betrug 1971 netto 693,60 DM. Viele andere Berufsgruppen in der DDR verdienten viel mehr.

Auch nicht alles hat ihm in Ellrich gefallen. So beklagte er, wie schwer es dem Gemeindekirchenrat fiel, Gelder für die Verbesserung der Wohnsituation im alten Pfarrhaus von 1650 bereitzustellen. Im Obergeschoss waren noch Tapeten von 1935 oder früher an den Wänden und sahen dement-sprechend aus. Das Dach war undicht, sodass in einigen Zimmern sich Schimmel an den Wänden zeigte. Allerdings hat es um 1957 ein paar Verbesserungen gegeben. So sind Wände durchbrochen worden, dass der Zugang zur Toilette und zum Waschhaus nicht mehr über den Hof erfolgen musste. Auch wurde eine Heißluftheizung eingebaut, die die Wohnzimmer unten und durch einen Luftschacht auch die Schlafzimmer oben mit Wärme versorgt hat. Die anderen Räume wurden mit Sägespänöfen geheizt. Das waren Öfen, die aus den Resten der V2 Waffen hergestellt und mit Sägespänen beheizt wurden. Die Sägespäne war in den Scheune gelagert und wurde von den umliegenden Sägereien geliefert und musste aber trocken sein. Jeden Tag im Winter füllte Pfarrer Höpfner zwei eisernen Einsätze mir Sägespäne – einen für sein Amtszimmer und einen für das Büro - und hob es in die Kessel. Dann wurden das in der Mitte befindliche Rundholz herausgezogen und von unten die Sägespäne angezündet. Das ergab eine ausreichende Wärme, wobei man aufpassen musste, dass einem der Eisendeckel nicht um die Ohren flog, wenn die Sägespäne nicht ganz trocken war. Auch die Fenster waren undicht und die Eingangstür zum Pfarrhaus hätte mit einem Windfang einige Kälte abgehalten. Aber dafür war kein Geld da.

Schon öfter hatte Angebote bekommen, die Gemeinde zu wechseln, doch immer wieder hat er der Gemeinde wegen abgelehnt, um die anstehenden Arbeiten zu einem gewissen Abschluss bringen. Vermutlich aber war ihm die Sache mit dem Abriss der Türme der St. Johanniskirche und die anderen Arbeitsbelastungen zu groß geworden. Auch gab es wohl kritische Stimmen im Gemeindekirchenrat, die ihn loswerden wollten. Jedenfalls wollte er nun die Pfarrstelle wechseln. Zitat aus einem Brief, den er schon im November 1960 an seine vorgesetzte Dienstelle geschrieben hat: „Ich stehe 22 Jahre im Dienst der Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, 16 Jahre, seit 1944 bin ich in Ellrich. Die sich gegen Kriegsende auflösende Gemeinde Ellrich wurde neu gesammelt, auf-gebaut und gefestigt. Der schwere Schlag des Verlustes der baufälligen Johanniskirche für die Gottesdienste und kirchlichen Veranstaltungen wurde überwunden durch die Restaurierung der Hospitalkirche und Frauenbergskirche. Die völlige Wiederherstellung der Frauenbergskirche steht bevor. Es erscheint mir gut, wenn die umfangreichen Abbruch- und Aufbauarbeiten an der St. Johanniskirche, wozu die Planungen und Vorarbeiten abgeschlossen sind, die Durchführung der Arbeiten aber mindestens ein Jahrzehnt dauern wird, von einem neuen Amtsbruder in Angriff genommen werden. Nachdem ich die 16 Jahre in Ellrich über die Maßen in Anspruch genommen und fast aufgebraucht worden bin durch die vielen äußeren Dinge eines Pfarramtes in einer Gemeinde, in der alles so sehr daniederlag, möchte ich nun doch wieder einer Gemeinde hauptsächlich als Seelsorger und Prediger dienen dürfen.“ Gewünscht hätte er sich von der Kirchengemeinde in Ellrich:

  • mehr Verständnis für das Thema Konfimation und Jugendweihe
  • mehr Entlastung für die Arbeit mit Jugendlichen
  • schnellere Fertigstellung der Frauenbergskirche
  • Unterstützung bei den Verhandlungen um die St. Johanniskirche

Er schreibt: „Keine Anklagen sollen das sein - im Gegenteil: Doch danke ich für alle Hilfe und Dienst der Mitarbeit alle Freundlichkeit, mit der sie mich getragen, für alle Liebe, die sie mir entgegenbrachten, für alle Gebete, durch die sie die Kraft des Herrn herabflehten, für mich wahrhaftig oft kranken und fehlsamen Menschen. Bei allem, was von mir in den 17 Jahren getan wurde, bin ich mir der Wahrheit des Bibelwortes bewußt: „Aber ein Mensch, wenn er gleich sein Bestes getan hat, so ist es noch kaum angefangen; und wenn er meint, er habe es vollendet, so fehlt es noch weit“ (Sirach 18) Die Trennung von Ellrich ist für mich schwer .Es bindet vieles in 17 Jahren, Verbindung mit lieben Menschen u. den Dienst Frauenbergskirche, Kanzel von St. Johannis, Hospitalkirche, Haus u. Garten, Bäume, Efeu...“ Das Konsistorium in Magdeburg bedauert seinen Weggang aus Ellrich mit den Worten: „Lassen Sie uns aus diesem Anlass sagen, daß es uns schmerzlich ist, einen so tüchtigen und treuen Amtsbruder zu verlieren“ Im Juli 1961 schreibt Pfarrer Höpfner: „Wie schon mein Vater und Großvater habe ich gern im Dienst der Kirchenprovinz Sachsen gestanden und möchte bekennen, daß ich zumal in Ellrich mit großer Freude das mir aufgetragene Werk getan habe“.

So hat er sich im April 1961 um die Pfarrstelle in Sülzhayn beworben. Doch der dortige Kirchenvorstand lehnte ihn ab. Die Argumente gegen ihn lauteten: „er sei zu fromm, nicht weltoffen genug, hätte Angst vor Reformen, würde handfeste Attacken reiten, wäre zu alt, zu krank. will nach dem Westen, will sich pensionieren lassen. Was, der will weg, dem kann man nicht mehr glauben“.

Danach wurde ihm durch den Ilfelder Konsistorialrat Rudolf Ullrich die Pfarrstelle Osterode/Ilfeld-Wiegersdorf angeboten. Am 11. Juni 1961 wurde er als Pastor von den beiden Kirchenvorständen gewählt und berufen.

Am Sonntag, d. 30. Juli 1961 verabschiedete er sich in einem Gottesdienst in der Frauenbergskirche in Ellrich von einer großen Gemeinde. Ihr hat er sehr ans Herz gelegt : Vergesst mir die Türme von St. Johannis nicht, sie sind wie ein Finger Gottes!“

Von 1944 bis 1961 war er Pfarrer in Ellrich und hat mit viel Tatkraft und Energie Gemeinde- und Kirchenaufbau geleistet. Vorangetrieben hatte er den Wiederaufbau der Frauenbergskirche, die eine Ruine war. Gerne hätte er die St. Johanniskirche vor dem Verfall gerettet. Doch widrige Umstände machten einen Strich durch die Rechnung. Das hat ihn zeitweise sehr belastet. Als Prediger und Verkündiger des Wortes Gottes ist er immer mutig und standhaft gewesen und die Menschen haben gerne seiner Verkündigung zugehört. Er ist geradlinig seinen Weg gegangen und war als Prediger und Mensch glaubwürdig nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Familie.

Umzug nach Neustadt-Osterode Im Sommer 1961 zog er dann mit seiner Frau, der Tochter Mechthild und dem Sohn Rainer nach Neustadt - Osterode. Bereits schon 1959 war der Sohn Claus-Ulrich über Berlin in den Westen geflüchtet Seine Einführung fand am 3. September 1961 in Wiegersdorf und Osterode durch Konsistorialrat Ullrich statt. Das Pfarrhaus in Osterode war einer Villa ähnlich, um 1920 gebaut und in bedeutend besseren Zustand als das Pfarrhaus in Ellrich. Von 1961 bis 1975 war er im Dorf Osterode bei Neustadt und in Ilfeld-Wiegersdorf als Pastor tätig. Hier hat er sich auch um die Kirchen und Gebäude gekümmert. Auch die Menschen in diesen Dörfern lagen ihm am Herzen. All das aber war nicht so aufwendig wie in Ellrich. Er freute sich auch an der schönen Natur und am Garten. Nach seiner vorzeitigen Invalidisierung zogen die Eheleute 1975 nach Bad Sachsa, legal vom damaligen Osten (DDR) in den damaligen Westen (BRD). Nach einer Eingewöhnungszeit fühlten sich beide Eheleute hier recht wohl und verlebten einen ruhigen Lebensabend, interessierten sich aber immer für das, was in Ellrich geschah.

Im Kreise ihrer Familie feierten sie im Juli 1989 ihre Goldene Hochzeit. Er selbst war immer bescheiden und zurückhaltend und mochte aber solche Feste nicht. Mit großer Freude begrüßten sie die friedliche Revolution in der DDR und den Mauerfall am 9. November 1989. Schon im Frühjahr 1990 hat er Ellrich und seine anderen Wirkungsstätten besucht. Auch später ist er immer wieder in Ellrich gewesen und hat sich über den Wiederaufbau gefreut.

Dankbar war er für seine drei Kinder, sechs Enkelkinder und drei Urenkel: Besonders gerne hörte er Kirchenmusik und interessierte er sich besonders für die Natur, für Uhren und Eisenbahnen. Weil er immer pflegebedürftiger wurde, kam er dann in die Seniorenresidenz nach Bad Eilsen. Doch die Umstellung fiel ihm schwer. Sein Zustand verschlechterte sich dann immer mehr. Er wollte am liebsten seine Ruhe haben und im Frieden sterben. Am Sonntag nach Weihnachten hörte er noch einmal die Worte des Lobgesangs des Simeon als er das Jesuskind auf seinen Armen trug, Worte, die er selbst oft gesagt und gesungen hat: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern.“ Lukas 2,29+30 Am 6. Januar 2004 wurde ihm diese Gnade geschenkt und entschlief in Bad Eilsen im Frieden Gottes und fand auf dem Friedhof in Bad Sachsa seine letzte Ruhestätte.

Aufgeschrieben von Rainer Höpfner, Sohn des Hans Ulrich Höpfner aus seinen Erinnerungen und dem schriftlichen Nachlass des Vaters.

Fußnoten:

1 Sie sind durch die Brände der St. Johanniskirche 1860 und 1907zerstört worden 2 Siehe Fußnote 1 3 Schreiben von Dipl.Ing. Preiss,Dresden an das Kirchl. Bauamt Magdeburg 21.12.1957 -Fotokopie bei Ernst-Ulrich Hahmann die St. Johanniskirche in Ellrich 2020 S. 178 4 Das geschah damals alles ohne maschinelle Hilfe nur in Handarbeit mit Spaten und Spitzhacke 5 Die Synode (gr. Zusammenkunft) ist das Leitungsgremium der Kirche, ähnlich wie ein Parlament 6 Wikipedia Artikel: Jugendweihe 7 Die CDU in der DDR war eine Blockpartei, die gegenüber der SED keinerlei Eigenständigkeit beanspruchen konnte. 8 Sie unterstützten die Politik des Staates und der SED, waren z. Teil selbst Mitglied der SED und wurden von der Pfarrerschaft im Allgemeinen gemieden. 9 Da Polen plötzlich für Steinkohlelieferungen Weltmarktpreise verlangte, aber die DDR keine Devisen hatte und ihre Kraftwerke nicht mehr versorgen konnte, initiierte sie das sogenannte „Kirchengeschäft A“ über die Kirchenvertreter der EKD in Westdeutschland. Die kauften in den USA 60.000 Tonnen Steinkohle, ließen diese in die DDR liefern und die DDR-Regierung zahlte den Preis in DDR-Mark an die ostdeutschen Landeskirchen aus. Das war 1956/57. (Quelle Internet: Deutsch-deutscher Alltag: Im Dialog Deutsch-deutsche Kirchenpartnerschaft) 10 Mit der Lebensmittelgrundkarte konnten 1949 je Person ab 15 Jahren monatlich folgende Mengen erworben werden: Brot 12 000 g, Nährmitte (z.B. Mehl, Teigwaren, Hülsenfrüchte):1.50 g, Zucker: 750 g, Marmelade: 900 g, Fleisch: 900 g, Fett: 450 g