Die Widen- oder Weydenburgk zwischen Petersdorf und Steigertal

Textdaten
Autor: Karl Meyer
Titel: Die Widen- oder Weydenburgk zwischen Petersdorf und Steigertal
Untertitel: eine bisher unbekannte Wallburg
aus: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Alterthumskunde, 53, S. 79-80
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Erscheinungsdatum: 1920
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Erscheinungsort: Wernigerode
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Digitalisat: Online
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Die Widen- oder Weydenkburgk zwischen
Petersdorf und Steigertal,
eine bisher unbekannte Wallburg.
Von Karl Meyer, Nordhausen.

In einem aus der Zeit um 1551 stammenden Aktenstücke des hiesigen Stadtarchivs über das Stolbergische Amt Ebersburg fand ich folgende Nachricht:

„Steigerthall und Bucholtz dürffen nicht in die Wiedenburk, in das geholtze, (sondern nur) alleine die do lantt in der Wuestunge, Hunstorf genannt, haben, vnd die Widenburgk dasselbige holtz gehortt ins Ambt Honstein, derwegen dorffem doe voer Dorfschafften (des Amtes Ebersburg), als nemlich Steigerthall, Bucholtz, Hermis Acker (Hermannsacker) vnd Rothshain (Rodishain), nicht in dasselbige gehöltze, wie gemeltett, alleine die lenderey zu Hunstorf haben, welches auch ins Ambtt Honstein gehorigk. Derowegen woll abzunehmen, das solche vier Dorffschafften Ins Ambtt Ebersburgk gehorigk sein müssen, dan sonsten alle die Dorffschafften, die ins Ambt Honstein gehorigk, die beholtzen sich auf der Weydenburgk.“

Das Dorf Hunsdorf (in Urkunden 1325 Hunoldesdorf, 1326 Hunoldisdorf, 1372 Hunnelsdorf genannt) ist im September 1412 durch den Edelherrn Friedrich von Heldrungen und seine Fleglerscharf im „Fleglerkriege“ zerstört worden. Es lag an der alten Heerstraße Nordhausen-Stiege-Quedlinburg zwischen Steigerthal und Buchholz. Die Ruine seiner Kirche ist dort noch vorhanden. Die Einwohner von Hunsdorf haben sich nach der Zerstörung ihres Dorfes in Steigerthal und Buchholz angesiedelt und von da aus die Hunsdorfer Flur bewirtschaftet und die Wieden- oder Weydenburgk, den Hunsdorfer Gemeindewald, weiter genutzt. Diesen Gemeindewald aber haben die Hunsdorfer Landbesitzer in Steigerthal in neuerer Zeit zum größten Teil gerodet und in Ackerland verwandelt. Der Westteil, in dem der Gipsfelsen zutage steht, ist zwar auch größtenteils holzlos, aber nicht Acker, sondern nur Lehde. Der Name „Widen- oder Weydenburgk“ ist vollständig in Vergessenheit geraten, so daß Niemand denselben mehr kennt. Jetzt heißt der zu den Steinbergen gehörige Felsrücken „das Hunsdorfer Holz“.

In der Märzsitzung des Nordhäuser Geschichts- und Altertums-Vereins teilte ich obige Nachricht über „die Widen- oder Weydenburgk“ mit, und am 17. Mai unternahmen mehrere Vereinsmitglieder einen Ausflug zur Aufsuchung der alten Wallburg im Hunsdörfer Holze. Dieselbe wurde bald aufgefunden: Der über dem oberen Roßmannsbache sieh erhebende Gipsfelsberg trägt auf seinem Westrande zwei tiefeingeschnittene künstliche Wallgräben. Von dem westlichen Wallgraben geht eine Schlucht nach dem Roßmannsbache. (Durch diese Schlucht werden die Burgbewohner Wasser herausgeholt und ihr Vieh zur Tränke geführt haben.) Der Nordabhang der Bergecke fällt steil ab. Die Südseite scheint durch flache Gräben und die auf der Ostseite sich erhebenden Gipskegel scheinen durch undeutlich gewordeneu Ringwälle geschützt gewesen zu sein.

Die Einwohner von Hunsdorf werden in alter Zeit in ihrem Gemeindewalde diese Wallburg als Zufluchtsort angelegt und ihn in unsicheren Zeiten mit ihrem Vieh und ihrer Habe aufgesucht und zeitweilig bewohnt haben.