Adolf Hitler und Nordhausen

Adolf-Hitler-Platz am Rathaus (1938)

Adolf Hitler scheint bereits vor der Machtübernahme im Januar 1933 Rückhalt in der Bevölkerung Nordhausens gehabt zu haben. So erreichte er beim zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl am 10. April 1932 42,8 Prozent der Stimmen.[1] Dies waren fast sechs Prozent mehr als im Reichsdurchschnitt.

Mit Beginn des Dritten Reiches wurde Hitler Ehrenbürger in zahlreichen Städten und Gemeinden. So erhielt er auch in Nordhausen am 20. April 1933 – dem 44. „Führergeburtstag“ – die Ehrenbürgerwürde. Die dazu begangene Feierlichkeit fand im Stadttheater statt. Auf dem polizeilich abgesperrten Vorplatz versammelten sich rund 2.000 Menschen, die der über Lautsprecher übertragenen Zeremonie folgten. Die Verleihungsurkunde wurde von Bürgermeister Henschel verlesen:

Zitat Wir der Magistrat der tausendjährigen, ehedem Freien und des Reiches Stadt Nordhausen am Harz, bekunden hierdurch, daß wir nach Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung, gemäß einem Antrag der nationalsozialistischen Stadtverordneten unserem Reichskanzler Adolf Hitler […] das Ehrenbürgerrecht unserer Stadt verliehen haben. Wir sind uns hierbei der begeisterten Zustimmung der gesamten Bürgerschaft bewußt, die stolz darauf ist, den Führer des erwachten Deutschland und den Kanzler des Dritten Reiches zu den ihrigen zählen zu dürfen. Der Magistrat. Henschel, Beatus, Bensch, Diener, Kraeber, Kruse, Meyer, Quelle, Rost. Zitat
                    — Vgl. Stadtarchiv Nordhausen (Hg.): Nordhäuser Nachrichten, Südharzer Heimatblätter (9), Nordhausen 2000, S. 5.

Hitler bedankte sich am 27. August 1933 in einem persönlich unterschriebenen Brief, der seit 2012 im Museum „Flohburg“ ausgestellt wird:

Zitat Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts von Nordhausen erfüllt mich mit aufrichtiger Freude. Ich nehme die Ehrenbürgerschaft an und bitte, dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung meine ergebensten Dank sowie meine besten Glückwünsche für das Blühen und Gedeihen von Nordhausen aussprechen zu dürfen. Mit deutschem Gruß! Zitat
                    — Vgl. Stadtarchiv Nordhausen (Hg.): Nordhäuser Nachrichten, Südharzer Heimatblätter (9), Nordhausen 2000, S. 5.
„Adolf-Hitler-Haus“, ehemals als „Kaiser-Wilhelm-Vereinshaus“ genutzt

Anfang 1933 wurde in der Baltzerstraße 5 das „Adolf-Hitler-Haus“ als neue Geschäftsstelle der NSDAP bezogen.[2] Das stattliche Gebäude, ehemals als „Kaiser-Wilhelm-Vereinshaus“ genutzt, beherbergte neben der Kreisleitung auch die Hitler-Jugend und den Deutschen Frauenbund. Das Haus wurde bei den Luftangriffen 1945 zerstört. Hitler wurde auch Namenspatron einiger Straßen und Plätze, etwa der „Adolf-Hitler-Platz“ (heute Ebertplatz) in Nordhausen-Salza.

Vor den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 soll es Bemühungen gegeben haben, Hitler als Redner für eine Kundgebung im Nordhäuser Stadion zu gewinnen und Ortsgruppenführer Heinz Sting stand wohl bereits in Verhandlungen mit dem Magistrat. Doch da am Tag der Reichstagwahl auch der Thüringer Landtag gewählt wurde, trat Hitler vor ca. 10.000 Menschen im benachbarten und zum Land Thüringen gehörenden Sondershausen auf (Nordhausen war preußisch).

Schreiben von Adolf Hitler, 1933

Auch in den folgenden Jahren stattete Hitler der Stadt keinen offiziellen Besuch ab. Der Historiker und ehemalige Leiter des Nordhäuser Stadtarchivs, Peter Kuhlbrodt, sieht als Grund u. a. die Affäre Keiser-Sting im Jahr 1934, von der man auch in der Reichskanzlei Notiz nahm. Drei Wochen vor dem Prozessbeginn, am 1. Oktober 1934, fuhr Hitler aus Hannover kommend mit einer aus vier Wagen bestehenden Kolonne gegen 16:30 Uhr durch die Stadt mit dem Ziel Kyffhäuserdenkmal. Begleitet wurde er u. a. von Reichsminister Frick und Reichspressechef Dietrich. Da sie in zivil in offenen Wagen fuhren, blieben sie unerkannt. Als die Kolonne wegen Bauarbeiten im Stadtzentrum ihre Geschwindigkeit drosseln mußte, wurde Hitler von einem Kaufmann im Vorbeifahren erkannt, der ihm die Hand entgegenstreckt, die Hitler ergriff und drückte, bevor die Wagen die Fahrt fortsetzten und die Stadt verließen. Am 8. Juni 1939 besuchte Hitler erneut das Kyffhäuserdenkmal und fuhr u. a. in Begleitung von Reichsleiter Bormann anschließend zum Nordhäuser Flugplatz, wo zwei Junkers Ju 52 bereitstanden. Nach einem Aufenthalt von etwa zehn Minuten und Wortwechsel mit dem stellvertretenden Kommandanten starteten die Flugzeuge gegen 14:30 Uhr in Richtung München.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Nordhäuser Volkszeitung, 11. April 1932.
  2. Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora (Hg.): Nordhausen im Nationalsozialismus, Ein Historischer Wegweiser, Weimar 2010, S. 3.