Frauenbergkirche

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Das Langhaus wurde durch einen Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg zerstört. Von ihm sind nur Mauerreste und das Westportal erhalten, der Kirchenbau besteht dadurch nur noch aus Querschiff und Chor.

St. Maria auf dem Berg (genannt Frauenbergkirche) ist die älteste Kirche in Nordhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 8. Jahrhundert begann im Helme- und Zorgegebiet die Christianisierung durch Wigbert, einem ehemaligen Schüler Bonifatius. 780 legte Karl der Große ein Heerlager am Südhang des Frauenberges an und es entstand eine Ansiedlung von Handwerkern und Bauern in einem kleinen fränkischen Reichsdörfchen “Northusen“ außerhalb der Wehranlage. Auf diesem Hang wurde um 1150 der Bau der Frauenbergkirche aus Muschelkalk im Stil einer romanischen Kreuzbasilika begonnen, die heute die einzige und älteste romanische Kirche von Nordhausen ist und auf dem ältesten Teil der Stadt steht. Der Bau war eine dreischiffige kreuzförmige Pfeilerbasilika mit einem hohen Mittelschiff, niedrigen Seitenschiffen, Querschiff, Chorjoch und drei halbrunden Apsiden an der Ostseite. In den Jahren 1337und 1481 sind Umbauten durchgeführt worden sowie im 16. Jahrhundert eine größere bauliche Veränderung an den Umbauten. Weiterhin gab es bauliche Veränderungen in den Jahren 1713, 1820 und 1846. Von 1909 bis 1912 hat man unter Leitung von A. Zeller den Anbau auf der Nordseite verkleinert und sein Dach tiefer gelegt, um das verdeckte Radfenster durch das herabgeschleppte Dach in der nördlichen Chorjochmauer wieder sichtbar zu machen.

Glocken

Einst besaß diese Basilika eine Gesamtlänge von 38m, eine Breite des Mittelschiffes von 5,30m und die der Seitenschiffe war 2,73m. Am 4. April 1945 wurde die Kirche durch die Luftangriffe auf Nordhausen zerstört, ebenso die Klostergebäude und das Pfarrhaus. Erhalten blieben Umfassungsmauern der Chor mit Apside, die Nebenchöre und das Querschiff, vom Langhaus nur Reste des ersten Joches sowie des Westportals. Von 1953 bis 1955 folgten Enttrümmerung und Sicherungsarbeiten.

Die Gemeinden St. Jacobi und Frauenberg wurden nach dem Krieg zusammengelegt. Der Gemeindekirchenrat beschloß 1954 den Wiederaufbau der Frauenbergkirche und setzte noch im selben Jahr die Richtkrone auf den neuen Dachstuhl. Ab 1963 kam es zu umfangreichen Arbeiten in dieser Kirche durch die Junge Gemeinde sowie durch die Aktion Sühnezeichen. Aus Mitteln durch Sammlungen und Geldern von den Fonds “Kirchlicher Wiederaufbau“ und vielen freiwilligen Aufbaustunden der Gemeindemitglieder wurde der Aufbau finanziert.

Am 3.Juli 1983 konnte die Kirche mit Gästen aus Ost und West mit einer Gebetsnacht feierlich eingeweiht werden. An den Zugangswegen verharrten bis zum Morgen mehrere männliche Personen in Zivilkleidung.

Von der Frauenbergkirche sind nur das Querschiff mit der halbkreisförmigen Altarnische vor dem Chor im Osten sowie das Radfenster in der Nordseite erhalten geblieben. Der Eingang, eine einfache Rundbogentür, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Apsis. Vor einem schlichten Altar, schlichtem Kirchengestühl und einer neuen Kleinorgel der Nachkriegszeit kann die Kirchengemeinde ihren Gottesdienst feiern.

Ein Teil des 1459 entstandenen Flügelaltars sowie ein Taufstein des 12.Jahrhunderts aus der Kirche von Klettenberg zieren die Frauenbergkirche. Weitere Teile des Altars und das Antependium von 1400 befinden sich im Meyenburgmuseum in Nordhausen und können dort besichtigt werden. Neben dem Kircheneingang entstand ein Glockenstuhl mit drei Glocken. Eine davon ist die 800kg schwere Glocke aus Kupfer und Zinn und wurde nach dem Reformator Melanchthon benannt. Sie hing zuvor in der Nicolai-Kirche, die ebenfalls dem Bombenangriff zum Opfer fiel. Danach wurde sie im Petriturm aufbewahrt. Die Herkunft der Glocke konnte nicht ganz geklärt werden. Seit dem 6. Jahrhundert begleiten Glocken die Christen vor allem zu besonderen Anlässen wie Hochzeit, Geburt oder Tod. Manchmal ertönen sie auch noch samstags um 18U hr, um den Feierabend einzuläuten. Die Glocken dieser Kirche können nun wieder zum Gottesdienst geläutet werden. Am 29. Juni 1997 wurde der Glockenstuhl feierlich eingeweiht. Das Geläut dieser Glocken soll einladen, warnen, mahnen und Frieden künden.

Kirchenschändung[Bearbeiten]

Ende Oktober 2021 war die Frauenbergkirche bundesweit[1] und auch im Ausland[2] in den Schlagzeilen, weil ein afghanischer Flüchtling das Inventar ausräumte und zum Teil zerstörte.[3] Dabei ging auch ein mittelalterliches Kruzifix zu Bruch und Vitrinen wurden zerschlagen. Über die Kirchenschändung entfaltete sich ein großes mediales und politisches Echo.

Über den Vorfall, der sich am 28. Oktober 2021 ereignete, berichtete nnz-online zuerst und wurde in den darauffolgenden Tagen vielfach zitiert. Der Pfarrer der Gemeinde, Klemens Müller, beobachtete wie ein junger Mann Gegenstände aus der Frauenbergkirche trug und davor abstellte, darunter Stühle, Gesangsbücher und ein Kruzifix. Vom Pfarrer angesprochen, sagte der 25jährige Afghane, der seit 2015 in Deutschland als Flüchtling lebt, dass er den christlichen Glauben ablehne und es ein Irrtum sei, dass Jesus Christus der Sohn Gottes sei.

Nach Aussage des Superintendenten Andreas Schwarze ging bei dem Vorfall ein mittelalterliches Kruzifix, das aus der Wand gerissen wurde und hinabstürzte, zu Bruch. Daneben wurde eine Vitrine zerschlagen, um ein darin befindliche Reliefs mit Jesus-Darstellungen aus der Kirche zu schaffen. Schwarze sprach von einer „Entwidmung“ der Kirche.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]