Schurzfell

Gasthaus Schurzfell (um 1900)
Gleiche Perspektive: Am Standort der Gaststätte „Schurzfell“ entstanden 1997 zwei Mehrfamilienhäuer

Schurzfell ist die Bezeichnung für eine Siedlung in Salza. Hier existierte einst eine gleichnamige Feldschmiede mit einer Gaststätte.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1716 entstand an der Alten Heerstraße die Feldschmiede „Schurzfell“ (Schurz = Schürze). Durch ihre günstige Lage wurde sie Zielort für Geschirrführer und Fuhrknechte, die dort ihre Wagen reparieren ließen. Für Wartende bei Reperaturarbeiten wurde mitunter Bier aus Woffleben ausgeschenkt, wogegen 1717 der Magistrat von Nordhausen protestierte, da nach städtischen Privilegien „jegliches Bier in einer Entfernung einer Meile rund um die Stadt aus Nordhausen bezogen werden müsse.“[1] Doch die preußische Regierung in Halberstadt duldete den Ausschank, die zeitlich begrenzte Genehmigung dazu erlosch jedoch vermutlich. Am 15. Juni 1754 ließ Friedrich der Große hier seine Kutsche durch den Schmiedemeister Mehler reparieren.[2] Nach einer Legende bekam der Schmied im Juli 1754 die königliche Schank-Konzession für die Gaststätte „Zum Schurzfell“. Der damalige Verbindungsweg erhielt ebenfalls den Namen Am Schurzfell, von 1933 bis 1945 trug er den Namen „König-Friedrich-Weg“.

Die Gaststätte entwickelte sich zu einem bekannten Ausflugs- und Tanzlokal; 25 Gastwirte waren in ihrer 200jährigen Geschichte hier tätig. Der Mälz- und Hefemeister Christian Ewald kaufte im Jahre 1907 die Gaststätte und erweiterte sie durch den Anbau einer Veranda. Der geschäftstüchtige Wirt verstand es, durch verschiedene Veranstaltungen und Tanzvergnügen im geräumigen Saal das Geschäft neu zu beleben. Der neu gestaltete Garten mit den Schatten spendenden Kastanien wurde an den warmen Sommertagen von Ausflüglern und Spaziergängern stark besucht. Zusätzlichen Auftrieb erhielt die Gaststätte durch die Bedarfshaltestelle der Harzquerbahn, die man 1910 am gegenüberliegenden Preußensportplatz errichtete.

Erfolgreichster Wirt war Otto Klettke von 1923 bis 1957. Mit dem letzten Pächter Hermann John erlosch 1961 nach 207 Jahren die königliche Schankgenehmigung. Die Gaststätte wurde verkauft und zweckentfremdet genutzt. Am 10. Mai 1992 wurde das Gebäude durch Brandstiftung zerstört und stand noch einige Jahre als Brandruine. 1997 wurden am Standort zwei Mehrfamilienhäuer errichtet. Seit April 2010 besitzt die Siedlung wieder einen Haltepunkt der Harzquerbahn.[3]

Denkmal, errichtet 2003

1909/1910 wurde mit der Errichtung eines Gedenksteins mit Adler im Biergarten der Gaststätte an den Aufenthalt Friedrich des Großen erinnert. Der Adler stand aufrecht bis 1944 und wurde dann für den Krieg eingeschmolzen. Die Reste des Denkmals verschwanden 1993. Auf Eigeninitiative errichteten Anwohner im Frühjahr 2003 ein neues Denkmal. Die Höhe des Adlers mit Sockel betrug 48 Zentimeter, der Adler hatte ein Spannweite von 75 Zentimeter und der gesamte Vogel aus Bronze hatte ein Gewicht von nahezu 20 Kilogramm. Im Juli 2007 wurde der Adler von Dieben entwendet[4] und Anfang Juni 2014 ersetzt.[2] Das Denkmal trägt die Inschrift:

Gasthaus
zum
Schurzfell
Concessioniert v.Friedr. d. Grossen
auf der Durchreise während
des 7-jährigen Krieges 1757
Haltepunkt Nordhausen-Schurzfell

Um 1900 gab es am Schurfell drei Häuser, ab 1925 erfolgte die Errichtung einiger Familienhäuser. Bei den Luftangriffen auf Nordhausen wurden zwei Häuser getroffen, wobei sieben Menschen ums Leben kamen. 1989 existierten 16 Wohnhäuser.

Personen[Bearbeiten]

Gastwirte und Pächter vom Schurzfell:

  • 1754: Schmiedemeister Mehler
  • 1844: Herr Bär
  • 1853: Christian Hilpert
  • 1874: Karl Fessel
  • 1875: Bernhard Völlmer
  • 1876: Albert Schaub
  • 1877: Bernhard Völlmer
  • 1885: Friedirch Wilhelm Aderhold
  • 1887: Robert Schönau
  • 1890: August Hahn
  • 1891: Max Schmidt
  • 1892: Gustav Mehler
  • 1894: Hermann Schade
  • 1896: Georg Schneidereit
  • 1900: Karl Butzlaff
  • 1901: Eduard Riese
  • 1902: Karl Köhler
  • 1907: Christian Ewald
  • 1923: Otto Klettke (geb. 1886 in Posen; gest. 1969)
  • 1957: Hermann John

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]