Robert Graf Hue de Grais
Robert Graf Hue de Grais (geb. 25. August 1835 in Wolkramshausen; gest. 25. Februar 1922 ebenda) war preußischer Verwaltungsbeamter, Politiker und Theoretiker des Verwaltungsrechts.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hue de Grais besuchte die Klosterschule Ilfeld und studierte anschließend in Bonn, Halle und Berlin. Nach seinem Studium wurde er 1860 Regierungsassessor in Minden, dann in Koblenz, 1867 Kreishauptmann in Hildesheim, 1879 Polizeipräsident in Stettin, 1887 Vortragender Rat im Ministerium des Innern und 1889 bis 1900 Regierungspräsident in Potsdam.
Von 1885 bis 1889 vertrat er für die Freikonservativen den Wahlkreis Sangerhausen-Eckartsberga im Preußischen Abgeordnetenhaus und war Abgeordneter im Landtag der Provinz Sachsen.
Sein „Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche“ erschien in 25 Auflagen zwischen 1881 und 1930 und lag "auf dem Schreibtisch jedes Beamten in Preußen"; so wurde sein Name auf Jahrzehnte zur Gattungsmarke unter preußischen Beamten. Es wurde 1890 ins Japanische übersetzt und in Japan 2003 nachgedruckt. Er war Autor vieler weiterer Bücher und Aufsätze; Anreger für Verwaltungsreformen; und Lehrender. Neben dem Handbuch und dem komprimierten „Grundriss der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche“ gab er ein großes „Handbuch der Gesetzgebung in Preußen und dem Deutschen Reiche“ heraus, das das gewaltig anwachsende Gesetzesmaterial sammelte und kommentierte. Bis in seine letzten Lebensjahre warb Hue de Grais für staatsbürgerlichen Unterricht – also auch zu Beginn der Weimarer Republik.
In seinen späten Beamtenjahren lebte er in Potsdam und dann am Königsplatz direkt neben dem Reichstag in Berlin. 1917 kehrte er in sein Elternhaus in Wolkramshausen zurück (heute "Haus" oder "Schloss Hue de Grais"). Seine Vorfahren lebten in der Normandie in Beuvron-en-Auge. Roberts Großvater Achilles Hue Comte de Grais (1734-1799) war kgl. französischer Gesandter am Hof in Hessen-Kassel. Nach der Französischen Revolution brach Hue de Grais mit seinem Heimatland, blieb in Deutschland und wurde von Preußen mit dem gräflichen Titel aufgenommen. In Wolkramshausen schrieb sein Enkel Robert seine Bücher und pflegte mit Handarbeit den Garten und Park. Der Ort wurde wegen seiner fünf innerdörflichen Rittergüter in "Monumente", der Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, betitelt als „Klein Paris“.
Das Hue de Grais-Archiv ist erhalten und teils im Familienbesitz, teils als Dauerleihgabe im Thüringer Staatsarchiv in Gotha. Schwerpunkte des Gothaer Bestandes sind Regionalthemen zu Wolkramshausen; Landwirtschaft mit Pachterträgen und Ernten; und Gerichtsprozesse im 18. und 19. Jahrhundert etwa über Grenzziehungen und Ernten.
In Wolkramshausen sind neben seinem Grab allerorts Hinweisschilder „Hue de Grais“ zu finden. Dort hatte zeitweise ein Förderverein Hue de Grais ein nach ihm benanntes Museum für Rechtsgeschichte geplant. In Nordhausen wurde der Festsaal in der Polizeidirektion nach ihm benannt. Das "Nordhäsuer Echo" begann eine Serie über herausragende Bewohner Nordhausens, des Südharz und der Hainleite mit seinem Porträt. Ein Nachruf schrieb ihm zu, er sei „der Inbegriff des altpreußischen Beamten voll Vaterlandsliebe, Pflichtgefühl und Arbeitsfreudigkeit“ gewesen.
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Reorganisation der innern Verwaltung Preußens auf Grundlage der Selbstverwaltung, Berlin, 1871
- Die Weiterführung der preuß. Verwaltungsorganisation, Berlin, 1878;
- Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche, 7. Aufl., Berlin, 1890
- Grundriß der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche, 2. Aufl., Berlin. 1886
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Lingelbach: Robert Graf Hue de Grais (1835–1922). Leben und Werk. Jena o. J. (ca. 1994) (Privatdruck).
- Gerhard Lingelbach, „Robert Graf Hue de Grais – gelehrter Praktiker in preußischen Staatsdiensten“. In: Andreas Hoyer/Hans Hattenhauer/Rudolf Meyer-Pritzl/Werner Schubert (Hrsg.), Gedächtnisschrift für Jörn Eckert, Baden-Baden 2008, S. 533ff
- Michael Stolleis: Verwaltungspraxis zwischen Kameralwissenschaft und Verwaltungsrecht: Robert Graf Hue de Grais (1835–1922). In: Verwaltungsrundschau, Band 41 (1995), S. 472–475.
- Robert von Lucius: Auf dem Schreibtisch jedes preußischen Beamten. Fernwirkungen von Robert Graf Hue de Grais bis nach Japan. In: Journal on European History of Law, Band 13 (2022), Heft 2, S. 24-31.