Paul Christoph Höpfner

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Paul Christoph Höpfner
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Höpfner, Paul C.;
Höpfner, Paul Christ.;
Höpfner, P. C.;
Hoepfnerus, Paulus Christophorus;
Höpfner, Paulus Christophorus;
Hoepfner, Paul Christoph;
Höpfner, Paul Christian
geb. Oktober/November 1677 in Quedlinburg
gest. 1746
Konrektor, Gelehrter, Philologe, Pfarrer
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Wikidata: Datensatz
GND-Nummer 124702201
DNB: Datensatz

Paul Christoph Höpfner (geb. Oktober oder November 1677 in Quedlinburg; gest. 1746) war Pädagoge, Philologe und lutherischer Pfarrer.

Als Langzeit-Konrektor einer bedeutenden Lateinschule prägte er über viele Jahre die schulische Bildung der Gymnasiasten in der preußischen Mittelstadt Halberstadt. In einer Phase der beginnenden Frühaufklärung verfasste Höpfner auf deutsch mehrere Realienbücher mit dem erklärten Ziel, das Wissen der Schüler über die Kulturleistungen der antiken Völker zu bereichern und Lust an der Erforschung des Altertums zu wecken.

Leben

Paul Christoph Höpfner wurde als Sohn von Martin Höpfner und Agneta Höpfner, geborene Distel, in Quedlinburg geboren. Über seine Jugend und schulische Ausbildung ist nichts bekannt; wahrscheinlich besuchte er die Volksschule und das Gymnasium seiner Heimatstadt, eine anschließende Universitätsausbildung ist jedoch ungesichert. Stattdessen trat er 1701 eine Stelle als Konrektor an der traditionsreichen Ratschule St. Martini in Halberstadt an, einer der ältesten Lateinschulen auf mitteldeutschem Boden. Sie galt damals als humanistisches Elitegymnasium für den gehobenen Bürgerstand und zählte 30 Jahre später immatrikulierte Studenten an allen bedeutenden Universitäten des Reiches.

Über die Umstände seiner Berufung zum Konrektor der Martini-Schule ist nichts bekannt. Ebenso wenig ist dokumentiert, auf wessen Vorschlag Höpfner am 9. August 1717 der Gemeinde Mackenrode als Pfarrer vorgestellt wurde. Nach seiner Wahl durch den Kirchenvorstand am 19. September 1717 erfolgte am 14. Oktober seine Probepredigt in der Halberstädter Liebfrauenkirche. Nach einem Examen wurde er vom Generalsuperintendenten Täuber ordiniert und eine Woche später in sein Amt eingeführt.

Die ersten Jahre als Pfarrer von Mackenrode waren geprägt von Auseinandersetzungen um finanzielle Fragen mit dem Amt Klettenberg, das die Verwaltung der Grafschaft Hohnstein innehatte. Superintendent Günther vermittelte 1718/19 zwischen den Parteien.

Über Höpfners seelsorgerisches Wirken in den folgenden 25 Jahren in Mackenrode ist wenig bekannt. Es wird angenommen, dass er Anfang 1746 in Mackenrode verstarb.

Wirken als Pädagoge

Während seiner Zeit als Konrektor an der Martini-Schule in Halberstadt zwischen 1701 und 1717 veröffentlichte Höpfner mehrere Schriften mit dem Ziel, das Wissen der Schüler über die Antike zu erweitern. Seine Werke behandeln die Kultur, Geschichte und Lebensgewohnheiten der Griechen ("Graecia Antiqua", 1713), Römer ("Roma Antiqua", 1713 und "Roma Media", 1713), Juden ("Hierosolyma Antiqua", 1752) und Germanen ("Germania Antiqua", 1726).

Er bediente sich dabei der zu seiner Zeit beim Katechismus gebräuchlichen Methode von Frage und Antwort. Die eher schlichte Fragestellung diente nach Höpfners eigener Aussage dazu, den Schülern das jeweilige Thema zum Eigentum sowohl des Verstandes wie der Überzeugung zu machen. Die ausführlichen Antworten bezogen sich auf Originalquellen und waren mit umfangreichen Zitaten unterlegt. Höpfner sah seine Aufgabe darin, die Jugend zu fördern und ‚mit seinem Unterricht nützlich zu werden‘. Seine Arbeiten sollten Leitfäden und Handweiser sein, um Interesse und Verständnis für die alten Kulturen zu wecken.

Dabei bezog Höpfner, der Kenntnisse des Griechischen und Hebräischen besaß, auch jüdische Quellen wie den Talmud mit ein. Die Erschließung der antiken Quellen in deutscher Sprache betrachtete er als Erweiterung gegenüber den meist lateinischen Abhandlungen anderer Gelehrter. Persönliche Widmungen und Empfehlungen von einflussreichen Zeitgenossen wie seinem Schwiegervater Pfarrer Reimmann dienten dem Bekanntheitsgrad seiner Veröffentlichungen.

In seiner 1713 erschienenen Schrift "Nachrichten und Urtheile von denen Lateinischen Auctoribus classicis" gab Höpfner alphabetisch geordnete Kurzbiografien lateinischer Autoren von der Antike bis in die Neuzeit wieder. Neben Lebensdaten und Inhaltsangaben finden sich darin auch zeitgenössische Bewertungen ihrer Werke sowie Verweise auf maßgebliche Editionen und Kommentare.

Trotz der breiten Themenvielfalt bezog sich ein Großteil von Höpfners Schaffen auf die römische und griechische Antike. Es lassen sich in seinen Schriften aber keine Aussagen dazu finden, inwiefern sich dieses Wissen auf seine spätere Tätigkeit als Pfarrer und Seelsorger ausgewirkt hat. Da jedoch nur wenige zeitgenössische Dokumente überliefert sind, bleibt sein Einfluss auf die Bildung der Gymnasiasten spekulativ.

Rezeption

Höpfners Arbeiten wurden von einigen Zeitgenossen positiv rezipiert, gerieten nach seinem Tod jedoch schnell in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert erfolgte durch regionale Publikationen eine partielle Wiederentdeckung als Lokalgelehrter, ohne dass sein Œuvre einer tiefergehenden wissenschaftlichen Analyse unterzogen worden wäre. 1995 veröffentlichte Christian Tegtmeier einen Artikel über ihn in der Reihe Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen.

Sowohl Höpfners schriftlicher Nachlass als auch Unterlagen über seine Lehrtätigkeit in Halberstadt gingen durch Kriegseinwirkungen verloren, so dass eine kritische Würdigung seines Wirkens nur bruchstückhaft möglich ist. Ungeklärt bleibt vor allem der Einfluss, den seine Beschäftigung mit der profanen Antike auf die pastorale Arbeit gehabt haben könnte.

Familie

Am 20. April 1702 heiratete Höpfner Sophia Elisabeth Reimmann aus Schwaneberg. Ihr Vater war Pfarrer von Schwaneberg. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

  • Agnesa Margaretha (getauft 1703),
  • Friderich Wilhelm (getauft 1707),
  • Johann Friderich (getauft 1710, verstorben 1742).

Werke

  • Hierosolyma antiqua, oder kurze Fragen von denen Profan-Gebräuchen der Juden welche in Bürgerlichen, Gelehrten, Kriegs- und Haus-Sachen bestehen, als ein Anhang zu Herrn M. Semlers ... Jüdischen Antiquitæten, etc. Halle im Magdeburg, 1752. (Google Books)

Literatur