Warum aus dem Südharz die Zwerge verschwanden: Unterschied zwischen den Versionen

Aus NordhausenWiki
(Die Seite wurde neu angelegt: „In den Felsen des Südharzes bei Ilfeld und Neustadt sind mitunter kleine Höhlen zu finden, die einem Menschen als Unterschlupf längst keinen Platz bieten. S…“)
 
 
Zeile 1: Zeile 1:
In den Felsen des Südharzes bei Ilfeld und Neustadt sind mitunter kleine Höhlen zu finden, die einem Menschen als Unterschlupf längst keinen Platz bieten. Sie heißen im Volksmund seit jeher Zwergenlöcher, wohl, weil sie einstmals von solchem Völkchen bewohnt waren. Warum die Zwerge jetzt hier nicht mehr zu finden sind, erzählt die Sage.
+
In den Felsen des Südharzes bei [[Ilfeld]] und [[Neustadt]] sind mitunter kleine Höhlen zu finden, die einem Menschen als Unterschlupf längst keinen Platz bieten. Sie heißen im Volksmund seit jeher Zwergenlöcher, wohl, weil sie einstmals von solchem Völkchen bewohnt waren. Warum die Zwerge jetzt hier nicht mehr zu finden sind, erzählt die Sage.
  
 
Einen Bauern der Gegend verdroß es ungemein, daß sein Erbsenfeld immerfort von Dieben heimgesucht wurde. Doch so eifrig er sich auch mühte und auf die Lauer stellte, konnte er ihrer nie habhaft werden. Endlich bekam er von einer weisen alten Frau den Rat, zur mitternächtlichen Stunde mit einer langen Haselnußgerte über sein Feld zu gehen und flach in die Luft hineinzuschlagen. Er tat es, und siehe da, es dauerte nicht lange, da standen ein paar Zwerge vor ihm, denn er hatte ihnen ihre unsichtbar machenden Tarnkappen abgeschlagen. Ängstlich, jammervoll und zitternd fielen die Zwerge vor dem Bauern auf die Knie und bekannten, daß sie es wären, die den Landleuten heimlich ihre Felder beraubten. Doch sie täten dies nur aus äußerster Not, um sich und ihre Kinder zu ernähren.
 
Einen Bauern der Gegend verdroß es ungemein, daß sein Erbsenfeld immerfort von Dieben heimgesucht wurde. Doch so eifrig er sich auch mühte und auf die Lauer stellte, konnte er ihrer nie habhaft werden. Endlich bekam er von einer weisen alten Frau den Rat, zur mitternächtlichen Stunde mit einer langen Haselnußgerte über sein Feld zu gehen und flach in die Luft hineinzuschlagen. Er tat es, und siehe da, es dauerte nicht lange, da standen ein paar Zwerge vor ihm, denn er hatte ihnen ihre unsichtbar machenden Tarnkappen abgeschlagen. Ängstlich, jammervoll und zitternd fielen die Zwerge vor dem Bauern auf die Knie und bekannten, daß sie es wären, die den Landleuten heimlich ihre Felder beraubten. Doch sie täten dies nur aus äußerster Not, um sich und ihre Kinder zu ernähren.

Aktuelle Version vom 10. November 2019, 17:50 Uhr

In den Felsen des Südharzes bei Ilfeld und Neustadt sind mitunter kleine Höhlen zu finden, die einem Menschen als Unterschlupf längst keinen Platz bieten. Sie heißen im Volksmund seit jeher Zwergenlöcher, wohl, weil sie einstmals von solchem Völkchen bewohnt waren. Warum die Zwerge jetzt hier nicht mehr zu finden sind, erzählt die Sage.

Einen Bauern der Gegend verdroß es ungemein, daß sein Erbsenfeld immerfort von Dieben heimgesucht wurde. Doch so eifrig er sich auch mühte und auf die Lauer stellte, konnte er ihrer nie habhaft werden. Endlich bekam er von einer weisen alten Frau den Rat, zur mitternächtlichen Stunde mit einer langen Haselnußgerte über sein Feld zu gehen und flach in die Luft hineinzuschlagen. Er tat es, und siehe da, es dauerte nicht lange, da standen ein paar Zwerge vor ihm, denn er hatte ihnen ihre unsichtbar machenden Tarnkappen abgeschlagen. Ängstlich, jammervoll und zitternd fielen die Zwerge vor dem Bauern auf die Knie und bekannten, daß sie es wären, die den Landleuten heimlich ihre Felder beraubten. Doch sie täten dies nur aus äußerster Not, um sich und ihre Kinder zu ernähren.

Anderntags geriet über die Nachricht von den gefangenen Zwergen die gesamte Umgegend in Aufregung. Man beriet, was zu tun wäre, um sich der mißliebigen Wichte zu entledigen. Jedenfalls sollte Gericht über sie gehalten werden. Darauf erbat sich einer von ihnen ein Rosenblatt, stippte kleine Löcher hinein, gab den Leuten auf, in das mittlere Loch zu blasen, alsbald würde sich ihr Anführer der Rechtsprechung stellen. Man blies in das Rosenblatt, und richtig erschien vor dem Gericht der König des Zwergenvolkes. Er erklärte, daß seine Untertanen gerne abziehen und keinen Schaden im Lande mehr tun wollten, wenn er und seine Brüder jetzt ungestraft davongehen dürften. Das sollte gestattet werden, aber es gab noch Streit über die Art des Abzuges.

Die Landeseinwohner wollten die Zwerge nicht mit ihren angesammelten und versteckten Schätzen abziehen lassen, während jene forderten, in aller Heimlichkeit und ungesehen abwandern zu dürfen. So kam man überein, daß die Zwerge in dunkler Nacht über eine schmale Brücke abziehen und jeder von ihnen dort in ein bereitgestelltes Gefäß seinen Zoll zu werfen habe, ohne von irgendeinem Menschen beobachtet zu werden. Allerdings konnten einige ihre Neugier nicht bezähmen, stellten sich unter die Brücke und hörten das stundenlange Getrappel der kleinen Füße. Wegen dieser Unredlichkeit der Menschen lassen sich seitdem keine Zwerge mehr in der Gegend sehen.