Rotleinmühle Nordhausen

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Die Rotleinmühle um 1910

Die Rotleinmühle vor dem Altentor ist die bekannteste Mühle des ehemaligen Mühlgrabens in Nordhausen. Ihren Namen verdankt die dem rötlich gefärbten Lehm, der bis in die 1970er Jahre am Beethovenring gewonnen und in der Ziegelei Kahlenberg verarbeitet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Freibad in Nordhausen bei der Rotleinmühle um 1907

1304 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Rotleinmühle. 1305 vermachte der wohlhabende Bürger Heinrich Kinderlin dem Altendorfer Zisterzienser-Nonnenkloster die Mühle, nebst seinen beiden Töchtern. Zu dem Besitz gehörte auch die Rotleinwiese, die zu dieser Zeit noch sumpfiges Gelände war. Die Rotleinmühle lag außerhalb der Stadtmauern und wurde 1326 niedergebrannt. Im Jahr 1523 überließt das Kloster „dem erbarn und wolwiesen rathe der stad Northusen seine zwo molen“ für wenig Geld und in einem beklagenswerten Zustand.[1] Nach Reparaturen und Ausbesserungen ging „die Scherfmullin und die mulen am Rotenlehmen“ zwei Jahre später in das Eigentum des Rates über.[1] 1641 plünderten etwa 50 Reiter die Mühle aus.

Im 19. Jahrhundert wurden in der Mühle Olfrüchte und Getreide vermahlen. Die Stadt verpachtete die Rotleinmühle „Vor dem Altenthore Nr. 1353“ meistbietend für mindestens drei Jahre bei einem Zins von jährlich 200 Taler in Gold, 67 Taler und 21 Groschen in Münze, weiterhin 3 Scheffel Weizen und 16 Scheffel Roggen sowie ein fettes Schwein, 8 fette Gänse und beim järlichen Abschlag des Mühlgrabens 8 Taler und 16 Groschen.[2] Um 1900 wurde der Mühlbetrieb eingestellt, der letzte Müller war Friedrich Tölle. Danach diente die Mühle als Wohnhaus und auf dem Gelände wurde Vieh, vor allem Ziegen, gehalten.

1860 wurde auf dem Gelände das erste öffentliche Nordhäuser Freibad eingerichtet. Im Winter wurde östlich der Mühle eine zugefrorene Fläche zum Eislaufen genutzt (Eiswiese).

Während des Zweiten Weltkrieges war die Technische Nothilfe im Haus untergebracht. Mit Besetzung von Nordhausen durch US-amerikanische Truppen Anfang April 1945 wurden etwa 200 deutsche Soldaten und verdächtige Personen im Stadtgebiet gefangen genommen und im Sammellager Rotleinmühle zusammengeführt.

Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude als Haus der Pioniere „Hermann Matern“ genutzt. Von 1955 bis Anfang der 1960er Jahre war die Zentrale Kinderbibliothek im Kassenhäuschen an der Eiswiese untergebracht.

Nach 1990 ging das Areal an das Jugendsozialamt über. Am 10. August 1995 wurde die Rotleinmühle als „Jugendgäste- und Bildungshaus“ eröffnet. In den nachfolgenden Jahren entstanden Neu- und Anbauten; insgesamt stehen 130 Betten in zwei Häusern zur Verfügung.

Literatur[Bearbeiten]

Externe Verweise[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Rainer Hellberg; Fritz Schmalz: Der Mühlgraben von Nordhausen. 1. Auflage. Gotha: Druckerei Kirchner, 2003. Seite 44.
  2. Rainer Hellberg; Fritz Schmalz: Der Mühlgraben von Nordhausen. 1. Auflage. Gotha: Druckerei Kirchner, 2003. Seite 44.