Oscar Hasse

Oscar Hasse
Oscar Hasse
Hasse, Armin Oscar
Hasse, Arminius Oscarus
Hasse, Armin Oskar
Hasse, Oskar
Hasse, Hermann Oskar
geb. 13. März 1837 in Quedlinburg
gest. 14. Februar 1898 in Nordhausen
Mediziner
GND-Nummer 131479415
DNB: Datensatz

Oscar Hermann Hasse (geb. 13. März 1837 in Quedlinburg; gest. 14. Februar 1898 in Nordhausen) war Mediziner und Pionier der Bluttransfusion.

Leben[Bearbeiten]

Oscar Hasse wurde am 13. März 1837 als Sohn des Pfarrers Carl Ferdinand Hasse und seiner Ehefrau Johanna Hasse, geb. Fessel, in Quedlinburg am Harz geboren. Die Familie lebte in Quedlinburg an der Adresse Ägidii Kirchhof 647.[1] Nach dem Besuch des Gymnasiums seiner Vaterstadt legte er Michaelis 1856 das Abitur ab und bezog die Universität Greifswald, um Medizin zu studieren. 1857 wurde er Mitglied des Corps Pomerania Greifswald.[2]

Von 1859 bis 1861 war er an der Berliner Universität immatrikuliert und wurde hier am 29. Juli 1861 zum Dr. med. promoviert. Das Thema seiner Inauguraldissertation lautete: „De anaesthesia longe diffusa in individuo epileptico“. Von 1861 bis 1864 arbeitete er als Assistent unter dem berühmten Diagnostiker und Chirurgen Wilrns im Krankenhaus Bethanien zu Berlin, wo sich bereits seine besondere chirurgische Begabung erwies. Über die ersten in Bethanien ausgeführten Tracheotomien (Luftröhrenschnitte), die damals insbesondere bei Diphteritis und der durch sie bedingten Erstickungsgefahr die ultimative Behandlungsweise darstellten, verfaßte er einen Bericht, der ihn eindeutig aus der Menge der Kollegen heraushob.

Inzwischen war Hasse, der nach dem Abitur von Oktober 1856 bis 1857 beim 2. Jäger-Bataillon diente, bei der Mobilmachung im Jahre 1859 (anläßlich des österreichisch-italienischen Krieges) als Unterarzt eingezogen worden. Als solcher nahm er auch am Deutsch-Dänischen Krieg vom Dezember 1863 bis Oktober 1864 teil. Mit dem Charakter als Assistenzarzt wurde er am 19. Oktober entlassen.

Bereits am 25. Oktober 1864 ließ er sich, als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Nordhausen nieder, wo er zunächst bis 1870 in der Rautenstraße 343 wohnte. Hier entwickelte der 27jährige alsbald eine rege Tätigkeit auf einem Gebiete ärztlicher Kunst, das vor ihm nur wenige betreten hatten, nämlich dem der Blutübertragung. Angeregt durch Veröffentlichungen eines baltischen Arztes, Dr. Franz Gesellius, über die Transfusion des Blutes, unternahm Hasse seine ersten Versuche an Patienten aus Rottleberode und Nordhausen, deren Zustand an sich hoffnungslos zu sein schien. Der Erfolg war überraschend, und Hasse veröffentlichte einen Bericht über den Verlauf seiner Behandlung in der Berliner Klinisehen Wochenschrift 1869. Seine ersten Transfusionen führte er ohne medizinische Assistenz durch. Lediglich der im gleichen Hause wohnende und ihm befreundete Mathematikus und Stadtrat Ferdinand Oßwaldt, ein „durch manuelle Geschicklichkeit und Geistesgegenwart ausgezeichneter Mann“, leistete ihm Beistand.

Diese zivile Praxis und Forschungsarbeit wurde mehrmals unterbrochen. Vom 12. Mai bis 15. September 1866 war er beim 3. leichten Feldlazarett des 4. Armeekorps eingesetzt, am deutsch-französischen Kriege nahm er als Stabsarzt im 5. Feldlazarett vom 20. Juli 1870 bis Kriegsende teil. Ausgezeichnet wurde er nach 1866 mit dem Roten-Adler-Orden IV. Klasse und 1871 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse.

Nach seiner Rückkehr nach Nordhausen setzte er, nunmehr in der Töpferstraße 25, seine ärztliche Praxis fort. Sein Ruf als hervorragender Wundarzt ging weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Während er anfänglich den Patienten auf direktem Wege defibriniertes (ungerinnbar gemachtes) Menschenblut injizierte, wandte er sich seit 1873 der direkten Transfusion des Blutes von lebenden Lämmern auf den Menschen zu. Den genauen Verlauf und die Ergebnisse der von ihm bis 1873 vorgenommenen 31 Blutübertragungen veröffentlichte Hasse in seiner Abhandlung „Die Lammblut-Transfusion beim Menschen“, die 1874 im Petersburger Verlage von Eduard Hoppe erschien. Er war überzeugter Befürworter dieser Operation, auch als deren Gefährlichkeit und Nutzlosigkeit bereits nachgewiesen war.[3][4][5]

In technischer Hinsicht war er bemüht, die von ihm gewonnene Erfahrung der Ärztewelt zur Verfügung zu stellen, indem er die von ihm entwickelte Apparatur zur Ausführung der Transfusion dem Nordhäuser Mechaniker Ockert in Auftrag gab und in der Fachliteratur empfahl. Aus seiner sonstigen Praxis sind mangels anderweitiger authentischer Belege nur noch die zahlreichen Tracheotomien zu erwähnen, die er mit geübter Hand ausführte.

Hassedenkmal im Stadtpark Nordhausen

Aus Hasses persönlichem Leben ist nicht viel bekannt. Aus seiner Ehe mit Adele Capelle, die 1865 geschlossen wurde, gingen zwischen 1866 und 1873 vier Söhne hervor. Von 1886 bis 1894 hatte er sein Domizil in der Schützenstraße 8, um schließlich in die Neubaugegend Bahnhofsplatz 2 zu übersiedeln.

In ganz besonderem Maße war Hasse dem Harz verbunden. Er wurde Begründer des Nordhäuser Harzklub-Zweigvereins, sein Vorsitzender und Ehrenvorsitzender.

Nach seinem Tode wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein im Stadtpark eingeweiht und eine Straße nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten]

  • De anaesthesia longe diffusa in individuo epileptico, 1861.
  • Einige Fälle von Transfusion. In: Berliner Klinische Wochenschrift, 6, 30 August 1869, Nr. 35, S. 370–373.
  • Dritter Congress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Zweiter Sitzungstag. Ueber Lammblut-Transfusion. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Organ für practische Aerzte, Elfter Jahrgang 20 Juli 1874, Nr. 29, S. 353–354.
  • Die Lammblut-Transfusion beim Menschen. Erste Reihe: 31 eigene Transfusionen umfassend. St. Petersburg: Eduard Hoppe, 1874.
  • Surgical management for direct animal-blood transfusion, 1874.
  • Über Transfusion. Eine Erwiderung auf Professor P. L. Panum’s Abhandlung: Zur Orientierung in der Transfusionsfrage. In: Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin. Band 64 (2), Juli 1875, S. 243–292.

Externe Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 695. (Permalink)
  • R. H. Walther Müller: Dr. med. Oscar Hasse. Leben und Wirken eines Nordhäuser Arztes. In: Der Nordhäuser Roland (Heft August 1955), S. 202–205.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerverzeichnis Quedlinburg von 1849
  2. Kösener Corpslisten 1960, 53, 376
  3. P. L. Panum: Zur Orientierung in der Transfusionsfrage. In: Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin. Band 63 (1–2), April 1875, S. 1–91.
  4. Oscar Hasse: Über Transfusion. Eine Erwiderung auf Professor P. L. Panum’s Abhandlung: Zur Orientierung in der Transfusionsfrage. In: Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin. Band 64 (2), Juli 1875, S. 243–292.
  5. P. L. Panum: Weitere Bemerkungen zur Orientirung in der Transfusionsfrage. In: Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin. Band 66 (1), Januar 1876, S. 26–55.