Messetraditionen in Nordhausen

Aus NordhausenWiki

Nordhausen blickt auf eine seit dem 19. Jahrhundert bestehende Messetradition zurück.

Einleitung[Bearbeiten]

Über Jahrhunderte hinweg war Nordhausen eine Stadt, die den Handel mit den umliegenden Orten und auch mit den entfernten Städten brauchte. Bereits um 1700 hatten die Nordhäuser Bürger ihre Wochenmärkte für auswärtige Lieferanten geöffnet, konnten Waren zollfrei zur Versorgung eingeführt werden. Aber auch der Kreis derjenigen, die Nordhäuser Erzeugnisse kaufen wollten, vergrößerte sich permanent.

Anfangs waren es Orte wie Hasselfelde, Elbingerode, Andreasberg, Duderstadt, Heiligenstadt, Sangerhausen, Bleicherode, Einbeck und die Eichsfeldorte, die zu den Nordhäuser Marktbesuchern zählten. Doch der Radius vergrößerte sich rasch. Käufer und Verkäufer kamen bald auch aus Naumburg, Querfurt, Leipzig, Braunschweig, Göttingen und Frankfurt. Bielefelder brachten Leinen, aus dem Thüringer Wald und dem Vogtland kamen Glaswaren und Spitzen, selbst Nürnberger waren mit ihren Tand vertreten.

Nordhausen war für den Handel eine interessante Adresse. Hier wurde auch Luxuriöses umgesetzt. Pelze, Hüte, modisch dünne Strümpfe, gutriechende Seifen und Öle, türkische und böhmische bunte Garne. Im Gegenzug nutzten Nordhäuser Händler, Krämer, Kaufleute und Handwerker die durch die Stadt erteilten Privilegien, um mit ihren Erzeugnissen anderswo Fuß zu fassen. So in Querfurt, Mühlhausen, Frankenhausen, Sondershausen, Ebeleben, Schernberg, Clausthal- Zellerfeld, Herzberg, Ellrich, Stolberg, Hasselfelde und Güntersberge. Auch auf Messen und Märkten in Leipzig, Braunschweig, Naumburg, Lüneburg und Frankfurt waren sie zu finden.

Nur in Nordhausen selbst fehlte eine Möglichkeit, sich in einer Ausstellung zu präsentieren. Das sollte sich ändern, nachdem 1844 in Berlin erstmals eine nach englischem Vorbild gestaltete deutsche Gewerbeausstellung veranstaltet wurde. Nach acht Jahren folgte Nordhausen.

Liste von Messen in Nordhausen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1852: Vom 3. bis 16. Oktober 1852 findet im Lux'schen Saale später Gaststätte „Hoffnung“ (Wallrothstraße) die 1. Nordhäuser Gewerbeausstellung statt. In dieser werden Produkte von einheimischen und auswärtigen Gewerbetreibenden ausgestellt, vor allem aus der Feld-, Garten- und Forstwirtschaftlichen Erzeugung. Nur Produkte der eigenen Erzeugung dürfen ausgestellt werden. Ansonsten sind nur „absolute technische Neuheiten“ zugelassen. Die erste Nordhäuser Messe wird durch den regen Besuch der Nordhäuser Bürger und vieler Gewerbetreibender aus nah und fern zu einem vollen Erfolg.
  • 1862: Die 2. Nordhäuser Kunst- und Gewerbeausstellung wird vom 18. Juli bis 17. August in der Maschinenfabrik am Siechentor Nr. 1409 (später Kasselerstraße Nr. 53) durchgeführt. Als „Messe für die Goldene Aue und das alte Thüringen Kunst- und Industrieausstellung“ vereint sie auch Aussteller aus den Nachbarländern, wie Hannover, Braunschweig, Sachsen-Weimar und Schwarzburg-Sondershausen. Am 18. Juli wird im Gießhaus dieser Fabrik die Kunst- und Industrieausstellung vom Vorsitzenden der Nordhäuser Stadtverordneten, Herrn Krug, feierlich eröffnet. Die Stadt verdankt diese Ausstellung dem „Verein für Kunst und Industrie“ zu Nordhausen. Der Eintrittspreis ist gegenüber 1852 unverändert geblieben und betrug pro Person 5 Silbergroschen. Erstmals gab es eine eigene Restauration bei einer Nordhäuser Ausstellung, die mit im Gießhaus eingerichtet war. Sie sorgte für die leiblichen Genüsse der Messebesucher. Am 17. August wird durch das Schlusswort des Herrn Krug die Messe beendet.
  • 1875: Für einen Tag ist die 3. Nordhäuser Gewerbeausstellung in „Ernst's Biergarten“ in der Riemannstraße/Ecke Köllingstraße geöffnet. Die Aussteller sind ausschließlich Nordhäuser Firmen, wie die Gärtnereien H. Pressei, C. Kaiser und F. Peter sowie die Maschinenbaubetriebe O. Kropff, Gebrüder Günther und Carl Zimmermann.
  • 1879: Unter Oberbürgermeister Riemann wird am 9. Juni in Nordhausen ein Vorbereitungskomitee für eine Gewerbeausstellung geplant, die etwas Neues, noch nie dagewesenes bringen soll. War wegen Größe und Umfang zunächst eine Zusammenarbeit mit Halle geplant, so übernahm man bald das finanzielle Risiko allein. Kurzfristig wird die Garantiesumme von 20.000 Mark gezeichnet. Bereits am 3. Dezember kann auf den Äckern am Geiersberg der 1. Spatenstich für ein neues Ausstellungsgelände erfolgen.
  • 1880: Die Arbeiten auf dem 14.170 m² beginnen am 15. April. Am 2. Juni wird das Gelände abgenommen, am 15. Juli wird die 4. Gewerbeausstellung mit über 700 Ausstellern eröffnet. Die Eisenbahn setzt bis zu 4 Sonderzüge täglich ein. Eintritt wieder nur 5 Silbergroschen. Wegen des großen Zuspruchs wird die Ausstellung, die schon damals mit kulturellen Veranstaltungen und einer Tombola umrahmt wird, zweimal verlängert, bis zum 26. September 1880. Die größte Ausstellung, welche die Stadt im 19. Jahrhundert gesehen hat.
  • 1904: Vom 12. bis 17. Juli findet auf dem Gelände des Turnplatzes der Petersbergschule eine Fleischerfachausstellung statt, die echte Thüringer und Braunschweiger Wurst zeigt. Zum gleicher Zeitpunkt findet der 27. Verbandstag des Fleischerbundes in Nordhausen statt.
  • 1910: Im November kann man die Kunst- und Gewerbeausstellung in den Räumen der Gaststätte “Hoffnung“ in der Wallrothstraße besichtigen mit Betrieben und Händlern aus der näheren Umgebung.
  • 1911: Auf dem Sundhäuser Terrain (Besitz der Familie Schreiber) werden vom 3. bis 7. Juli die Nordhäuser landwirtschaftlichen Ausstellungstage durchgeführt.
  • 1912: Gleichfalls in den Räumen der „Hoffnung“ findet vom 19. bis 28. April die gastwirtschaftliche Fach- und Kochkunst-Ausstellung mit großem Erfolg statt.
  • 1925: Zur großen Nordhäuser Gartenbauausstellung vom 12. bis 25. September werden das Gelände um den Spendekirchhof, am Stadtgraben sowie die Gaststätten „Spangenberg“ und „Hoffnung“ genutzt.
  • 1927: Zur Jahrtausendfeier wird in Nordhausen wieder eine Großausstellung durchgeführt, die IGENO - Industrie und Gewerbeschau Nordhausen. Am 15. Juni prangt Nordhausen anlässlich der feierlichen Eröffnung im Fahnenschmuck. Die Besucher kommen zu Tausenden. Auf dem ehemaligen Flugplatz, dem Gelände der Condorflugwerke, begrüßt sie eine eigene kleine Stadt. Den wichtigsten Teil stellen 4 riesige Flugzeughallen dar. Nordhäuser Industrie, Industrie- und Bergbau (die Kaliindustrie hat ein vollständiges Bergwerk aufgebaut) sowie Technik aller Art füllen die Hallen. Tägliche Kinoprogramme zählen zu den Ausstellungsneuheiten. Ein riesiger Vergnügungspark mit noch nie dagewesenen Karussells, Konzerte und Vorführungen sorgen für Kurzweil. Sogar Postamt, Feuerwehr, Auto- und Fahrradparkplätze sind vorhanden, ebenso einfache und gehobene Gastronomie. Danach wurde es in Bezug auf Messen ruhig in der Stadt. In den letzten Jahren fanden einige Ausstellungen wie „Nordhausen baut auf oder Konsumgüterausstellungen statt.
  • 1990: Am 17. November wird auf dem August-Bebel-Platz die erste Südharz-Schau eröffnet. Etwa 180 Aussteller präsentieren auf einer Fläche von 10.00 m² ihre Erzeugnisse. Im Jahre 1927 hatte eine vergleichbare Messe, die IGENO, auf dem Gelände des Stadions stattgefunden.
  • 1991: Die 2. Süd-Harz-Schau findet auf dem August-Bebel-Platz statt. 270 Aussteller sind vertreten.
  • 1992: Die 3. Süd-Harz-Schau öffnet am Darrweg in Nordhausen ihre Pforten. Die Stadt- und Kreisverwaltung sind mit einem gemeinsamen Stand vertreten. Das Landratsamt gibt eine weitere Wirtschaftsbroschüre heraus. Ihr Titel „Nordhausen im Zentrum Deutschlands - Landkreis mit Tradition und Zukunft - im grünen Thüringen“.
  • 1993: Die 4. Süd-Harz-Schau wird auf dem Gelände des ehemaligen Hubschrauberlandeplatzes eröffnet. Stadt und Landkreis haben wieder einen gemeinsamen Stand.
  • 1994: 12. November, die größte Verbrauchermesse Nordthüringens, die Süd-Harz-Schau, wird an der Darre eröffnet. Veranstalter Jürgen Köhne hebt in seiner Eröffnungsrede den Charakter dieser Messe hervor: eine gesunde Mischung aus Commerz, Kultur und Regionalem.
  • 1995: Auf dem Gelände des ehemaligen Hubschrauberlandeplatzes an der Darre wird die 6. Süd-Harz-Schau eröffnet.
  • 1996: 16. November, die 7. Südharzschau öffnet ihre Pforten auf dem August-Bebel-Platz. Rund 200 Aussteller aus Thüringen sowie aus anderen Bundesländern sind in 14 Hallen auf 10.000 m2 Ausstellungsfläche vertreten. Bis zum 24. November präsentieren sie ihre Produkte und Dienstleistungen.
  • 1997: 15. November, auf der 8. Süd-Harz-Schau, die heute ihre Pforten auf dem August-Bebel-Platz öffnet, präsentieren zahlreiche Unternehmen ihr Leistungsangebot. Es ist auch das Arbeitsamt vertreten. Es vermittelt vielseitige Informationen über Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten. Mit einem Stand ist auch die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora vertreten. Zu sehen sind auch Raketenteile von V-Waffen, die in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges in den Stollen am Kohnstein produziert wurden.
  • 1998: 14. November, 14 Hallen auf dem 10.000 m² großen Ausstellungsgelände auf dem August-Bebel-Platz werden für das Publikum geöffnet. 200 Firmen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen freuen sich auf viele Besucher der 9. Süd-Harz-Schau.