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Mathilde, die Witwe König Heinrichs, des Finkenstellers, lebte auf ihrem Besitztum in Nordhausen, das ihr der Gatte zu Lebzeiten letztwillig zugeeignet hatte. Sie war aber gegenüber der Kirche, dem Kloster und vielen Bedürftigen und Armen so grenzenlos freigiebig, daß ihre beiden Söhne, Otto und Heinrich, dies nicht länger dulden wollten und ihre Mutter zwangen, als Nonne in ein westfälisches Kloster einzutreten.
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Mathilde, die Witwe König Heinrichs, des Finkenstellers, lebte auf ihrem Besitztum in [[Nordhausen]], das ihr der Gatte zu Lebzeiten letztwillig zugeeignet hatte. Sie war aber gegenüber der Kirche, dem Kloster und vielen Bedürftigen und Armen so grenzenlos freigiebig, daß ihre beiden Söhne, Otto und Heinrich, dies nicht länger dulden wollten und ihre Mutter zwangen, als Nonne in ein westfälisches Kloster einzutreten.
  
 
Doch vom selben Tage an sahen sich die Brüder vom Unheil verfolgt. Sie wurden von üblen Krankheiten befallen; ehedem verläßliche Freunde wandten sich gegen sie, aussichtsreiche Unternehmungen mißlangen. Die beiden Männer empfanden dieses alles schließlich als eine Bestrafung für ihr hartes Betragen gegenüber der wohltätigen Frau Mutter. Da holten sie nun im Jahre 962 die Königinwitwe nach Nordhausen zurück. Diese gründete hier sogleich selbst ein Nonnenkloster. Am siebenten Tag seines Aufenthaltes in der Freien Reichsstadt wollte Kaiser Otto nach Italien aufbrechen. Nach langer herzlicher Unterredung hörten die Mutter und der hohe Herr noch einmal gemeinsam die kirchliche Messe und nahmen vor der Kirchentür unter Tränen voneinander Abschied. Die Mutter sah dem schwer gewappneten Reiter lange nach, kehrte dann an die Stelle zurück, wo der Kaiser während des Gottesdienstes gestanden hatte, kniete nieder und küßte den Steinboden. Als Graf Wittger, ein getreuer Vasall, dies bemerkte, rührte ihn der Jammer zutiefst. Er eilte dem Herrscher nach und meldete ihm den Vorfall. Der sprang sogleich vom Pferd, schritt hastig zurück und hob die verehrte Mutter auf. Er versprach ihr, sobald als möglich zurückzukehren und bei ihr zu Besuch zu verweilen. Von der gleichen Stunde an gelangen ihm alle seine Unternehmungen auf das glücklichste.
 
Doch vom selben Tage an sahen sich die Brüder vom Unheil verfolgt. Sie wurden von üblen Krankheiten befallen; ehedem verläßliche Freunde wandten sich gegen sie, aussichtsreiche Unternehmungen mißlangen. Die beiden Männer empfanden dieses alles schließlich als eine Bestrafung für ihr hartes Betragen gegenüber der wohltätigen Frau Mutter. Da holten sie nun im Jahre 962 die Königinwitwe nach Nordhausen zurück. Diese gründete hier sogleich selbst ein Nonnenkloster. Am siebenten Tag seines Aufenthaltes in der Freien Reichsstadt wollte Kaiser Otto nach Italien aufbrechen. Nach langer herzlicher Unterredung hörten die Mutter und der hohe Herr noch einmal gemeinsam die kirchliche Messe und nahmen vor der Kirchentür unter Tränen voneinander Abschied. Die Mutter sah dem schwer gewappneten Reiter lange nach, kehrte dann an die Stelle zurück, wo der Kaiser während des Gottesdienstes gestanden hatte, kniete nieder und küßte den Steinboden. Als Graf Wittger, ein getreuer Vasall, dies bemerkte, rührte ihn der Jammer zutiefst. Er eilte dem Herrscher nach und meldete ihm den Vorfall. Der sprang sogleich vom Pferd, schritt hastig zurück und hob die verehrte Mutter auf. Er versprach ihr, sobald als möglich zurückzukehren und bei ihr zu Besuch zu verweilen. Von der gleichen Stunde an gelangen ihm alle seine Unternehmungen auf das glücklichste.

Aktuelle Version vom 10. November 2019, 17:39 Uhr

Mathilde in der Pfarrkirche hl. Pankratius, Kirnberg an der Mank

Mathilde, die Witwe König Heinrichs, des Finkenstellers, lebte auf ihrem Besitztum in Nordhausen, das ihr der Gatte zu Lebzeiten letztwillig zugeeignet hatte. Sie war aber gegenüber der Kirche, dem Kloster und vielen Bedürftigen und Armen so grenzenlos freigiebig, daß ihre beiden Söhne, Otto und Heinrich, dies nicht länger dulden wollten und ihre Mutter zwangen, als Nonne in ein westfälisches Kloster einzutreten.

Doch vom selben Tage an sahen sich die Brüder vom Unheil verfolgt. Sie wurden von üblen Krankheiten befallen; ehedem verläßliche Freunde wandten sich gegen sie, aussichtsreiche Unternehmungen mißlangen. Die beiden Männer empfanden dieses alles schließlich als eine Bestrafung für ihr hartes Betragen gegenüber der wohltätigen Frau Mutter. Da holten sie nun im Jahre 962 die Königinwitwe nach Nordhausen zurück. Diese gründete hier sogleich selbst ein Nonnenkloster. Am siebenten Tag seines Aufenthaltes in der Freien Reichsstadt wollte Kaiser Otto nach Italien aufbrechen. Nach langer herzlicher Unterredung hörten die Mutter und der hohe Herr noch einmal gemeinsam die kirchliche Messe und nahmen vor der Kirchentür unter Tränen voneinander Abschied. Die Mutter sah dem schwer gewappneten Reiter lange nach, kehrte dann an die Stelle zurück, wo der Kaiser während des Gottesdienstes gestanden hatte, kniete nieder und küßte den Steinboden. Als Graf Wittger, ein getreuer Vasall, dies bemerkte, rührte ihn der Jammer zutiefst. Er eilte dem Herrscher nach und meldete ihm den Vorfall. Der sprang sogleich vom Pferd, schritt hastig zurück und hob die verehrte Mutter auf. Er versprach ihr, sobald als möglich zurückzukehren und bei ihr zu Besuch zu verweilen. Von der gleichen Stunde an gelangen ihm alle seine Unternehmungen auf das glücklichste.