Martin Luther bei einem Nordhäuser Schuhmacher: Unterschied zwischen den Versionen

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An einem solchen Tag, einem 10. November, begab sich der Reformator Dr.  
 
An einem solchen Tag, einem 10. November, begab sich der Reformator Dr.  
Martin Luther nach Nordhausen. Auf seiner Fahrt, nahe vor der Stadt, holte er  
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[[Martin Luther]] nach Nordhausen. Auf seiner Fahrt, nahe vor der Stadt, holte er  
 
mit seinem Wagen einen Schuhmacher ein, der sich zu Fuß auf dem Heimweg  
 
mit seinem Wagen einen Schuhmacher ein, der sich zu Fuß auf dem Heimweg  
 
befand.  Er  durfte  sich  zu  Luther  in  die  Kutsche  setzen,  und  alsbald  kamen  
 
befand.  Er  durfte  sich  zu  Luther  in  die  Kutsche  setzen,  und  alsbald  kamen  

Aktuelle Version vom 10. November 2019, 12:01 Uhr

Von altersher wurde in Nordhausen der Martinstag zu Ehren des St. Martin von Tours gefeiert, welcher der Legende nach seinen Mantel mit einem notleidenden Bettler geteilt hatte.

An einem solchen Tag, einem 10. November, begab sich der Reformator Dr. Martin Luther nach Nordhausen. Auf seiner Fahrt, nahe vor der Stadt, holte er mit seinem Wagen einen Schuhmacher ein, der sich zu Fuß auf dem Heimweg befand. Er durfte sich zu Luther in die Kutsche setzen, und alsbald kamen beide Männer in ein tiefsinniges Gespräch. Luther bemerkte mit Wohlgefallen, wie verständig sich sein zufälliger Reisegefährte über die neue protestantische Lehre aussprach, und wie er ihr mit innerlichem Eifer fest anhing. Ebenso erstaunte der Schuhmacher über die gelehrten, aber doch verständigen Worte des Mannes neben ihm. So gut hatte er sich mit noch keinem Menschen über Angelegenheiten des Glaubens besprechen können. Unversehens langte das Gespann in der Stadt an. Da fragte der Schuhmacher den Herrn, wie es um seine Herberge für die Nacht stehe. Wenn er vorlieb nehmen wolle, würde er ihn gern zu sich einladen. Seine Frau habe Gänsebraten, Blaukohl und wohl auch Fisch zur Feier des Martinsabends angerichtet.

Luther willigte in die Gastfreundlichkeit gern ein und stieg im Hause des Schuhmachers ab. Der ging hinaus in die Küche zu seiner Frau und sagte: „Wir haben einen gelehrten hohen Herrn zu Gast, dem müssen wir Wein vorsetzen!“ Die Frau nickte und sagte: „Ja, ich getraue mich nur nicht in den Ratskeller. Dort sitzen jetzt die feinen Ratsherren beim Festmahl, und wenn ich komme und verlange Wein, heißt es: Was will des Schusters Frau mit dem Wein? Wenn ich wüßte, wie unser Gast heißt, könnte ich sagen, es ist für ihn.“ Luther hatte das Gespräch durch die offene Tür mit angehört, trat hinzu und sagte: „Nun liebe Frau, ich will Euch sagen, wie ich heiße. Ich bin der Doktor Martin Luther.“ Da durchfuhr die Frau ein freudiges Erstaunen. Sie lief eiligst zum Ratskeller und rief: „Gebt mir Wein für den Doktor Luther!“ Die hohen Herren hörten das und meinten: „Was schwatzt das Weib für Dummheit? Wie käme der berühmte, hochgelehrte Luther in des Schusters Haus?“ Doch die Frau blieb bei ihrer Rede, und um sich zu überzeugen, erhob sich die lebhafte Tafelrunde und begleitete sie zurück in ihr Haus. Schon an der Tür trat Luther ihnen entgegen. Es kam zu einer freudigen und herzlichen Begrüßung. Eilig verbreitete sich die Kunde vom Aufenthalt Luthers in der Stadt. Schnell fand sich ein Menschenauflauf zusammen, um den Reformator zu sehen. Seitdem gehört „Martini“, der 10. November, Luthers Geburtstag, in Nordhausen zu den volkstümlichen Feiergelegenheiten.