Gedenkschrift zum 75jährigen Bestehen der Tabak-Fabrik Grimm & Triepel zu Nordhausen a. H.

Gedenkschrift zum 75jährigen Bestehen der Tabak-Fabrik Grimm & Triepel zu Nordhausen a. H.
Gedenkschrift zum 75jährigen Bestehen der Tabak-Fabrik Grimm & Triepel zu Nordhausen a. H. (Cover)
Untertitel ihrer Kundschaft, sowie allen ihren Geschäftsfreunden gewidmet von den jetzigen Inhabern
Autor Georg Kruse ; Otto Kruse jun.
Verlag Druck: Kaufbeuren, Bayern : Verein. Kunstanstalten
Erscheinungsjahr 1924
Umfang 15 Seiten : Illustrationen
Crystal Clear action apply.png Im Bestand der Stadtbibliothek Nordhausen.
Stand: 25. Mai 2016
Digitalisat: PDF (Scan, 15 Seiten, 1,8 MB)
Editionsrichtlinien:
  • Der Text ist vollständig, für Illustrationen siehe Digitalisat.
  • Der Text wurde teilweise Korrektur gelesen und spiegelt somit keinen endgültigen Bearbeitungsstand wider.

Am 14. Juni 1924 besteht die Tabakfabrik Grimm & Triepel zu Nordhausen a. H. 75 Jahre.

Der Begründer der Firma war der Kaufmann Theodor Grimm, der, nachdem er im Jahre 1848 aus Amerika zurückgekehrt war, am 14. Juni 1849 zu Nordhausen a. H. in einem Hause an der Wassertreppe eine Tabak- und Zigarrenfabrik mit bescheidenen Mitteln eröffnete.

Das Betriebspersonal bestand anfänglich aus einem Spinner, drei Zigarrenmachern und den dazu erforderlichen Hilfsarbeitern, insgesamt aus 15 Köpfen. Dementsprechend hielt sich auch in den ersten Jahren der Umsatz der Firma in bescheidenen Grenzen.

Aber schon im Jahre 1853 hatte Grimm vermöge seiner Tatkraft und seiner kaufmännischen wie fachmännischen Begabung das Geschäft soweit gehoben, daß er das Betriebspersonal vermehren und die alten, unzureichend gewordenen Fabrikräume verlassen mußte. Er verlegte nunmehr den Betrieb in das Haus Pfaffengasse Nr. 1, die sog. alte Post. Auch hier nahm das Geschäft einen ununterbrochen günstigen Verlauf, sodaß es für Grimm, welcher stets auf eine Vergrösserung des Betriebes bedacht war, ratsam erschien, einen kapitalkräftigen Teilhaber in die Firma aufzunehmen.

Ein solcher fand sich in der Person des Kaufmannes Adolf Triepel. Dieser trat am 1. Juli 1858 in das Geschäft ein. In den nächstfolgenden Jahren machte die Entwicklung der Firma weitere Fortschritte. Die zur Verfügung stehenden Fabrikationsräume erwiesen sich bald als zu klein und man beschloß deshalb, den unmittelbar an der Grimmeiallee gelegenen Ramsthal’schen Garten käuflich zu erwerben und in diesem eine zweckentsprechende Fabrikanlage aufzuführen.

Am 24. April 1863 wurde der Garten angekauft und in ihm vorerst ein Wohnhaus im Schweizerstil und dahinter, parallel zum Wohnhause, ein dreistöckiges Fabrikgebäude mit Seitenflügel errichtet, in dem im Hinblick auf weitere Vergrößerungen zugleich der Dampfbetrieb eingeführt wurde.

Im Jahre 1864 wurde mit einer Kopfzahl von etwas mehr als 100 Personen der Betrieb in den neuen Räumen aufgenommen und in den nächsten Jahren unter beständiger Erweiterung des Absatzgebietes fortgesetzt. Am 1. Juli starb der Teilhaber Triepel.

Am 1. Januar 1872 ging die Fabrik mit der Firma durch Kauf in den Besitz des Kaufmannes Ferdinand Feustell über, dem schon während der Krankheit Triepels die kaufmännische Leitung anvertraut worden war. Feustell, ein fleißiger und strebsamer Mann, vergrösserte in den Jahren 1873 und 1877 die vorhandenen Fabrikräume durch mehrfache Zu- und Anbauten und suchte das Unternehmen nach jeder Richtung zu fördern, wobei ihm der frühere Teilhaber Grimm als fachmännischer Berater treu zur Seite stand. Seinem weiteren Streben setzte der Tod, der ihn am 19. März 1881 ereilte, ein frühzeitiges Ende.

Geschäft nebst Firma ging nunmehr durch Kauf auf den Kaufmann Otto Kruse, den Vater der jetzigen Inhaber, über. Am 1. Mai 1881 fand die Uebernahme statt und mit ihr vollzog sich ein gewaltiger Umschwung und Aufschwung des ganzen Unternehmens. In gewissenhafter Erfüllung der durch seinen neuen Beruf übernommenen Pflichten, den Dienst in diesem Berufe über alles stellend, suchte der neue, erst 26 Jahre alte Besitzer, alle ihm gestellten Aufgaben mit eisernem Fleiße, unverwüstlicher Schaffenskraft und kluger Berechnung durchzuführen. Stets hatte er nur das eine Ziel vor Augen, den Betrieb vorwärts zu bringen und ihm eine führende Stellung in der Tabakindustrie Deutschlands zu verschaffen und zu erhalten.

Dieses Ziel hat er in einer mehr als 40jährigen, rastlosen Tätigkeit für die Firma erreicht.

Schon im Jahre 1882 arbeitete er mit einem Fabrikpersonal von ungefähr 200 Köpfen. In diesem Jahre vergrösserte er die Fabrikanlage durch einen der Vermehrung des Fabrikpersonals entsprechenden Neubau nach Böttcher’s Garten zu. Im Jahre 1887 wurde ein neues Kesselhaus und ein weiterer Anbau an die Fabrik aufgeführt. Im Jahre 1892 entstand seitwärts vom Wohnhause das massive, zweistöckige Kontorgebäude. Im Jahre 1895 wurden Kocherei und Packstube durch Anbauten vergrößert. Im Jahre 1896 wurde das große Fabrikgebäude in der Flickengaße errichtet, in

welches die Zigarrenfabrikation verlegt wurde. Am 1. April 1899 wurde für Lagerungszwecke und Stallungen das Böttcher’sche Scheunengrundstück in der Flickengasse angekauft.

Zurzeit des 50jährigen Bestehens der Firma im Jahre 1899 war der Stand des Fabrikpersonals auf ungefähr 400 Köpfe angewachsen.

In der Folgezeit nahm der Umfang des Geschäftes immer größere Formen an, sodaß weitere Neuanlagen und Neueinrichtungen zur Bewältigung des Betriebes erforderlich wurden. So wurde im Jahre 1903 eine großzügige Vergrösserung der Fabrikanlage vorgenommen. Im Jahre 1910 wurde ein zweites Maschinenhaus errichtet und der gesamte Betrieb auf elektrischen Antrieb umgestellt. Ferner erfolgte im Jahre 1910 der Ankauf der Grundstücke Grimmeiallee 2 a und Flickengasse 9. Auf dem ersteren wurde im Jahre 1911 das große Verwaltungsgebäude errichtet, in dessen unteren Räumen die einzelnen Kontorabteilungen, die bislang in dem massiven, zweistöckigen Mittelbau untergebracht waren, Aufnahme fanden. Der Mittelbau wurde zu Pförtnerwohnungen und zu Aufenthaltsräumen, unter anderem zu Speisesälen für das Fabrikpsrsonal eingerichtet.

Die für den Fabrikbetrieb erforderlichen Maschinen und Einrichtungen wurden der Neuzeit entsprechend vervollkommnet und zur Erleichterung des Betriebes mehrere Fahrstühle eingebaut.

Bis zu diesem Jahre wurde neben dem wichtigsten Erzeugnis der Firma Grimm & Triepel, nämlich Kautabak, der Herstellung von Zigarren nur ein geringes Gewicht beigelegt.

Als sich nun im Jahre 1911 herausstellte, daß trotz grosser Neubauten die Räume für die gesamte Fabrikation auch fernerhin nicht ausreichend waren, wurde die Herstellung der Zigarren besonderen Filialbetrieben übertragen. Diese wurden an auswärtigen Orten errichtet. Hierdurch wurde der Zigarrenherstellung erhöhtes Interesse zugewandt und, wie die heute noch in Heiligenstadt und Neustadt bei Großbodungen in vollem Betriebe stehenden Filialen beweisen, auch für diesen Artikel ein treuer Kundenkreis erworben.

Im Jahre 1921 wurde in Köln am Rhein auf einem für diesen Zweck gekauften Grundstück ein größerer Filialbetrieb zur Herstellung von Kautabak eingerichtet und damit ein direkter ungestörter Verkehr mit dem besetzten Gebiete ermöglicht.

Im Jahre 1921 und 1922 wurden im Hauptbetriebe Nordhausen durch Unterkellerung und Erhöhung vorhandener Fabrikgebäude neue große Lagerräume geschaffen. Da nunmehr die im Besitze der Firma befindlichen Grundstücke völlig bebaut waren, wurde im April 1924 das angrenzende Grundstück Grimmelallee 2 b erworben.

Entsprechend der stetigen Vergrößerung der Firma hatte sich auch das Personal der kaufmännischen und technischen Angestellten, sowie der Arbeiter beträchtlich vermehrt. Ihre Höchstzahl betrug 1225 Köpfe. In dieser Zahl ist ein ansehnlicher Stamm treuer Mitarbeiter enthalten, die über 15 Jahre, zum Teil sogar über ein Menschenalter hinaus, in den Diensten der Firma stehen. Ihre Namen sind auf der anhängenden Liste unter Beifügung der einzelnen Dienstjahre verzeichnet, ein lebendiges Zeugnis für das gute Einvernehmen und das Vertrauen, das von jeher zwischen der Firma und ihren Mitarbeitern geherrscht hat und das weiter zu pflegen und zu erhalten eine der vornehmsten Aufgaben der Firma sein wird.

Außer den an ihrer Hauptniederlassung und ihren Filialen tätigen Angestellten unterhält die Firma zum Vertriebe ihrer Fabrikate in den verschiedensten Teilen des deutschen Reiches noch eine größere Zahl von Reisenden und Vertretern, unter ihnen eine ganze Reihe solcher, welche in langjährigen Diensten erprobt und mit den Interessen der Firma auf das engste verbunden sind.

In der Führung und Leitung der Firma erfolgte eine grundlegende Aenderung dadurch, daß der langjährige Besitzer und Leiter, nachdem er am 31. Dezember 1913 seine Söhne als Teilhaber in die Firma aufgenommen hatte, im Jahre 1921 aus dieser ausschied und sie seinen beiden Söhnen Georg und Otto allein überließ. Von Georg Kruse und Otto Kruse jun. wird die alte, weit und breit bestens eingeführte Tabakfabrik unter Beobachtung des von ihrem Vater stets hochgehaltenen Grundsatzes strengster Reelli-tät weiter fortgeführt, wobei ihnen ihr Vater vermöge seiner reichen Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite steht.

In der Herstellung von Kautabak steht die Firma Grimm & Triepel heute an erster Stelle im deutschen Kautabakgewerbe. Es wird neben den altbewährten und bekannten Rollen und Stangen neuerdings auch loser Kautabak von gleicher Güte, in sauberen, würfelförmigen Päckchen in den Verkehr gebracht. Die Firma legt besonderen Wert darauf, daß ihre Kautabake nur aus besten amerikanischen Kentucky-Tabaken hergestellt sind.

Der Zigarrenfabrikation wird, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sorgfältigstes Interesse gewidmet. Desgleichen ist die Herstellung von Rauchtabak in erweitertem Umfange in die Hand genommen und für diesen Geschäftszweig ein besonderes Fabrikgebäude geschaffen, in dem die besten neuzeitlichen Maschinen Verwendung finden.

Die jetzigen Inhaber werden, getreu den alten Überlieferungen ihrer Firma, stets bestrebt sein, nur erstklassige Fabrikate zu liefern, um sich das Wohlwollen und die Zufriedenheit ihres alten Kundenkreises zu erhalten und diesen ständig zu erweitern.

Die beigefügten Tafeln sollen ein anschauliches Bild von der räumlichen Ausdehnung und Entwicklung geben, welche die Firma seit ihrem Bestehen genommen hat, und den Beschauer daran erinnern, welche Unsumme von Mühe und Arbeit dazu gehört hat, die Firma auf ihre gegenwärtige Höhe zu bringen.

Möge auch in Zukunft das Unternehmen sich segensreich weiter entwickeln.


Dienstjahre Name Stand
über 45 Jahre Robert Frey Spinner
Maria Härtel Packerin
über 40 Jahre August Scheinhardt Rollenmacher
Albert Schramm Rollenmacher
Eugen Eichardt Büroleiter
über 35 Jahre Louis Wenkel Rollenmacher
August Knabe Rollenmacher
Auguste Reinhardt Deckermacherin
Auguste Strunk Ripperin
Eduard Frey Spinner
Wilhelmine Distel Meisterin
Wilhelm Sterdt Spinner
Oskar Karnstedt Kassierer
Karl Spieß Betriebsleiter
Gustav Meyer Rollenmacher
über 30 Jahre Richard Wenkel Spinner
Hermann Husung Pförtner
Friedrich Seile Spinner
Hermann Krone Rollenmacher
Louis Witzei Spinner
Karl Kühne Rollenmacher
Louis Bauersfeld Rollenmacher
Henriette Theuerkauf Deckermacherin
Karoline Fuchs Deckermacherin
Friedrich Heise Spinner
Richard Berger Büroleiter
August Grabe Zigarrenmacher
Hermann Wagener Büros chef
über 25 Jahre Hermann Illhardt Spinner
August Decker Rollenmacher
Minna Schilling Wickelmacherin
Hermann Liebau Rollenmacher
Hermann Trost Rollenmacher
August Hartung Spinner
Friedrich Kiel Spinner
Minna Hessler Deckermacherin
Paul Scharfe Rollenmacher
Louis Steinmetz Rollenmacher
Karl Hake Zimmermann
Karl Sturm Rollenmacher
Marie Becker Deckermacherin
Robert Becker Spinner
über 20 Jahre August Ahlert Rollenmacher
Hermann Krause Rollenmacher
Friedrich Hillenhagen Spinner
Paul Stange Spinner
Hermann Bösenberg Rollenmacher
Hermann Becker Buchhalter
Pauline Deckert Sortiererin
Christian Bauersfeld Rollenmacher
Ida Angelstein Vorlegerin
Friedrich Bornkessel Spinner
Anna Baumbach Deckermacherin
Minna Köthe Ripperin
Paul Eggers Rollenmacher
Albert Meyer Rollenmacher
Friedrich Roser Spinner
Karl Strecker Rollenmacher
Albert Herbothe Rollenmacher
Gustav Pfitzenreiter Rollenmacher
August Reuter Spinner
Viktor Friedrich Spinnermeister
Hermann Bruns Spinner
Richard Kahn Spinner
Karl Pfennig Arbeiter
Otto Schulze Rollenmacher
Anna Schramm Deckermacherin
über 15 Jahre Friedrich Bornkessel Zigarrenmacher
Wilhelm Koch Rollenmacher
Else Seyferth Ripperin
Hermann Wienrich Meister
Ida Stade Sortiererin
Ernst See Rollenmacher
Hermann Liebenrodt Rollenmacher
Emma Franke Arbeiterin
Fritz Jarke Kontorist
Willy Liesegang Spinner
Robert Schmidt Buchhalter
Richard Rödde Spinner
Otto Spangenberg Rollenmacher
Friederike Münch Ripperin
Hermann Spangenberg Arbeiter
Albert Schmidt Spinner
Theodor Walther Büroschef
Anna Hafermalz Vorlegerin
Wilhelm Lehmkühler Meister
Karl Kaufholz Spinner
Wilhelm Meister Arbeiter
Paul Mahrhold Spinner
Emil Schütze Spinner
Hermann Gebhardt Spinner
Fritz Meissner Spinner