Die nach zweyen unglückl. Feuers-Bränden sich wieder erhohlte Käyserl. fr. Reichsstadt Nordhausen

Textdaten
Autor: Johann Christoph Sieckel
Titel: Die nach zweyen unglückl. Feuers-Bränden sich wieder erhohlte Käyserl. fr. Reichsstadt Nordhausen
Untertitel: nach ihrem Nahmen, Alterthum und Beschreibung derer Strassen so wohl, als denen neu aufgeführten Publiquen- und Privat-Gebäuden, wie auch alten und neuen Begebenheiten, mit denen itzo darinnen lebenden Personis publicis, samt demjenigen, was sich iezu weilen in der Nachbarschaft ereignet, denen einheimisch- und auswärtigen Liebhabern derer Alterthümer zu einiger Betrachtung vorgebildet
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1753
Verlag: Cöler
Drucker:
Erscheinungsort:
Quelle: Bayerische Staatsbibliothek
Kurzbeschreibung:
Digitalisat: {{{DIGITALISAT}}}
Eintrag in der GND: [1]
Bild
[[Bild:|250px]]
Bild
Editionsrichtlinien:
Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek

Gönstiger Leser
[Bearbeiten]

Daß GOtt der HErr die in voller Sicherheit dahin gehende Menschen um ihre Sünde und Missethaten willen, ehe sie es vermei­nen, endlich heimsuche, damit sie in der Gnaden-Zeit in sich gehen, und sich bessern sollten; solches hat auch vor Zeiten die Stadt Nordhausen durch die am 23 Aug. 1710. und 21 Aug. 1712. erfolgten grossen Brände leider allzuwohl erfahren. Denn dadurch ist es geschehen, daß die besten und vornehmsten Strassen der Ober- Stadt, wie die historischen Nachrichten von der Stadt Nordhausen de Anno 1740 pag. 581 fqq. mit mehrern besagen, gantz erbährmlich in die glüende Asche geleget worden, dergestalt, daß man von einem Stadt-Thore zu dem ändern sehen, mithin Niemand unter denen, so dieses Unglück mit betroffen, den schmertzlichen Verlust seiner Haabe und Güther genug beseufzen können, Gleichwie aber der gütige HErr Himels und der Erden mit denen gefallenen Menschen nicht immerhin zürner, sondern diesel­ben dennoch wiederum mit Gnade und Barmhertzigkeit ansiehet, als hat er auch, nachdem die Einwohner derselben dessen väterliche Zü­chtigung erkannt, angenommen, und sich gebessert haben, die Sonne seiner unschätzbahren Gnade wiederum von neuen über sie aufgehen und scheinen lassen, daß Sie nicht allein ihre eingebüsseten Häuser nach gerade wieder aufbauen, sondern auch solche bis hieher unter seiner göttlichen Beschirmung ungestöhret und ruhig bewohnen können.

Gott der HErr ist Sonne und Schild über sie gewesen, und hat sie vor mehrern Unglück väterlich beschirmet. Seit denen vorhin angeführten unglücklichen Brand-Jahren dieser werthesten Vater-Stadt hat sie sich wieder erholet, und ist durch Gottes Gnade und dessen noch immerhin über sie fort dau- rende unermüdete Vorsorge aus der alten Stadt Nordhausen zu die­ser Zeit ein neues Nordhausen geworden. Da sich nun dessen Palläste und neu aufgefuhrte Gebäude in einem gantz ändern erneuerten Zustande befinden, und von aussen und innen wohl aussehen; so wäre zu wünschen, daß aller und jeder geliebtesten Bewohner derselben ihre Hertzen und Gemühter in Verherrligung des göttlichen Nahmens und der ihnen bis hieher erzeigten Hulde und Barmhertzigkeit so wohl, als in brennender auf­richtiger Liebe unter ein ander neu werden möchten? Befände sich dieses also, so hätten wir schon einen grossen Grad der göttlichen Eigenschafft erreichet. Sintemahl die wahre und ungefärbte Liebe Niemanden etwas arges wünschet, alles hoffet und erduldet, nicht nach Schaden noch Muthwillen trachtet, noch weniger aber Fehler und Schwachheiten richtet, noch den Neben-Christen damit beschä­met. Denn von dieser Unvollkommenheit weiß sie nichts, sie lasset auch nicht geschehn, daß einer den anderen beleidige, noch Unrecht zufiige.

Niemand aber, der dieses lieset, verdencke mich, daß ich von dieser herrlichen Eigenschaft etwas alhier mit einfliessen laste, weil wir auch in dieser Gottgefälligen Tugend täglich zunehmen und geübter werden sollten. Daß ich aber gegenwärtig von denen wieder neu aufgebaueten Häusern dieser werthesten Stadt etwas geschrieben; darzu hat es mir des seel. Herrn M. Johann Heinrich Kindervaters, der Kirche zu St. Blasii alhier weiland wohlverdienten Pastoris, und des hiesigen Gymnasii Inspectoris sein in anno 1713 an das Licht gestelltes Tractätlein: das bauende Nordhausen ec. Gelegenheit gegeben. Weil ich darinnen gute Gedancken gefunden, welche mich zu weiteren Nachsinnen verleitet. Ich werde demnach in gegnwärtiger Abhandlung nach Maßgebung meines Titul-Blattes drey Ordnungen oder Abschnitte durchgehen, und in dem ersten Theile handeln: Von der Benennung und Situation der Stadt Nordhausen und deren Erbauung. In dem 2ten Theile aber: Von denen Strassen und publiquen Gebäuden, worinnen ich die Strassen nach einander darinnen namhaft machen werde.

In dem dritten Theile, welcher weitläuftiger als der erste und zweite ist, werde ich gedencken: Von einigen alten und neuen Merckwürdigkeiten dieser Stadt und deren erlittenen Fatis. Und dann endlich in dem vierdten gantz kurz zusammen gezogenen Abschnitte: Von denen hieselbst ietzo lebenden Personis publicis, nach ihren Nahmen, und was vor Aemter sie bedienen einige Nachricht geben, und damit dieses Wercklein meiner geringen Arbeit beschliessen. Dieses Tractätlein habe bei abgebrochenen Stunden von meiner sonst gewöhnlichen Arbeit und Expeditionibus, weil ich nicht gewöhnet bin, mein Leben im Müßiggänge zu fuhren, aus meinen alten Manuscriptis und nachherigen eigenen Collectaneis zusammen getragen, und aus Liebe zu meinen werthsten Mitbürgern, wie auch denen auswärtigen Liebhabern derer Alterthümer zu einiger Dienstgeflissenheit und Andencken entworffen, auch meines Wissens nichts aus denen Nordhäusischen in anno 1740 publicirten historischen Nachrichten genommen, sondern nur solche über die selbst besessenen Materien nachgeschlagen, und hierinnen paginas darzu gesetzet, auch den geneigten Leser dahin verwiesen Immassen hier meines Vorhabens nicht gewesen, mich bei vergangenen und auch noch zum Theil in einigen Andencken schwebenden Begebenheiten lange aufzuhalten, weil der gönstige Leser in jenem alles umständlicher und weitläuftiger ausgeführet finden wird. Vorurtheile derer Herren Gelehrten deprecire hierbei, indem ich diesen kurtzen Tractat aus keiner Großmuth noch Ehrgeitze, sol­che bei dieser Zeit damit zu erwerben, verfertigt habe, indem mein Hertz nicht hoffärtig ist. Vielmehr überlasse ich hiervon künftig ein mehrers und besseres zu schreiben, geübtem und geschicktem Federn, als die meinige ist. Dieses wenige aber habe nur denen, wel­che Liebhaber von alten und neuen Begebenheiten sind, ohn alle intereßirte Absichten mittheilen wollen. Ich wünsche demnach, daß dieses kleine Wercklein von denen liebreichen Lesern meiner an das Licht gestellten geringen Schriften gönstig aufgenommen werden möge. Womit sich vorietzo denenselben zu einem geneigten Andencken ehrerbiethig und dienstfertig entpfiehlet

Nordhausen den 25ten Junii 1752

der Verfasser

1ster Abschnitt
[Bearbeiten]

Von der Benennung und Situation der Stadt Nordhausen und deren Erbauung.

Diese führet ihren Nahmen von Norden, weil sie ihrer Gegend nach Nord- oder Mitternachtwärts lieget, und eine von denen Reichs-Städten ist, welche an Nord-Thüringen, am Ende des Thür­ingischen Landes situiret. Thüringen aber wurde vor Zeiten, als es noch ein Königreich war, in vier Theile abgetheilet, nemlich in den Theil gegen Morgen, welcher Ost-Thüringen hieß, und die Gegend Meissen umschliesset, und Osterland genennet wird, hiernächst in den Theil gegen Mittag bis Süd-Thüringen, welcher den ietzigen Theil des Thüringer- Landes begriff, und dann den Theil gegen den Abend, welcher West- Thüringen genennet wurde, und an das Hessenland stösset, und end­lich in den Theil gegen Mitternacht, so Nord-Thüringen hieß, und bis an die Unstruth nach der Elbe zu gräntzet.

Da nun Nordhausen am Hartze disseit der Unstruth situiret, so gehöret es per consquens zu dem Nord-Thüringischen Theile, und heisset demnach Nordhausen so viel, als das Norden-Hauß, immas- sen die Stadt vermuthlich ihre Benennung von denen dahin stossen­den Nord-Winden führet.

Sie lieget an der güldenen Aue, mithin in einer so schönen Gegend, daß sie verschiedene lustige Oerther um und neben sich zu ihren Grentz-Nachbarn hat, und zwar von Morgen, das Hochfiirstl. Schwartzburgl. Dorff Sundhausen; vom Abend, das Königl. Preußl. Dorff Saltze; von der Mittags-Seite das Schwartzburgl. Dorff Steinbrücken; und von Mitternacht das Churfurstl. Braunschw. Lüneburgl. Dorff Rüdigesdorff und Hartzungen. Derer ein jedes nur eine Stunde von diesem Orthe belegen.

Die dabey liegenden nahen Städte sind Elrich, 2 Meile, wie auch Heringen, und das Flecken Neustadt unterm Hohnstein, eine Meile davon. Die Gegend um diese Stadt ist sehr fruchtbar am Geträyde und Küchen-Speisen. In solchen werden viele Garten- Gewächse in denen darzu mit allen Fleiß zubereiteten schönen Gärten gezeuget, auch von denen benachbahrten Dörffern Sund­hausen, Bielen, Steinbrücken und Uthleben alle Marcktage, welches wöchentlich 3 mahl geschiehet, herzu gebracht, und um einen gar wohlfeilen Preiß verkauffet, daß sich auch der Hartz mit denen Küchen-Speisen und Getraide von Nordhausen versorget. Obst kan man daselbst auch in grösser Menge haben, und werden alle derglei­chen Nothdürftigkeiten von nahen und entlegenen Oerthern dahin gebracht und versilbert, daß also Nordhausen mit allem Beyfall eine reiche Frucht- Obst- und Gewächs-Cammer von allerhand Gat­tungen derer zur Haußhaltung dienlichen Lebens-Mittel genennet werden kan. Gutes Geträncke an allerhand Weinen, an Gose, Breyhahn und Bier findet man auch daselbst, und ein jeder Fremder kan in denen Gasthöfen und Tracteur-Häusern allezeit seine zube­reiteten Speisen und Tractamente haben. In Summa: Nordhausen ist ein Orth, da man um einen billigen Preiß erhalten kan was die Nothdurfft an Wildpret, Fischen und übrigen Fleischwerck erfordert.

Es lieget dieser Ort an einem Berge fast in einer geraden Linie bis an das Barfiisser-Thor, von da das Altendorff an, und Berg unter gehet, daher es denn auch das Altendorff von dem Sundhäuser- Thore, wegen seines Thals, nicht in Augenschein genommen werden kann.

Von Mitternächtiger Seite dieser Stadt lieget der Kirschberg, welcher seine Benennung von denen alda in denen Bergen wachsen­den Kirschen, oder wie andre wollen, von dem Giers- oder Geiers- Berge, ratione derer vor Zeiten daselbst anzutreffen gewesenen Geiern fuhren soll.

Diesen Berg, welcher einen grossen Umpfang hat, hat Ein HochEdler Rath einige Jahr hindurch mit einer grossen Menge Linden und anderer nutzbahren Bäume bis an derer Wilden Höltz- gen pflantzen lassen. Wozu ein jeder angehender Bürger bei seiner Reception ein erleidliches Contingent zu erlegen hat, damit die dazu bestellten Männer, welche die Bäume anpflantzen und begiessen müssen, davon salariret werden können. Von der Mittags- und Morgen Seite sind verschiedene Oerter als Kleinenwerther, Sundhausen, ff eringen, Auleben, Bielen, Winde­hausen ec. und die Rudera des zerstörten Schloßes Rothenburg nebst Kieffhausen, welches 5 Stunde davon belegen, zu sehen. Und wach­sen in solcher Gegend, welche die Güldene Aue genennet wird, vor­hin gedachtermassen die schönsten Früchte.

Was nun noch hiernächst dieser Stadt ihre Erbauunge an­betrifft, so soll dieselbe Anno 333 zur Zeit Constantini Magni so wohl erbauet, als nachher von dem Kayser Theodosio mit zweyen Privilegiis Imperii begnadiget worden seyn, welche in denen Anno 1740. gedruckten Historischen Nachrichten von der Stadt Nord­hausen pag. 7. seq. zu finden, und von denen Liebhabern derer Alterthümer nachzulesen sind.

Zu Behauptung dieser Meinung beziehet man sich auf das am Töpffer-Thore befindliche in Stein gehauene Monument: de Anno Domini CCCCIIII. Theodosius II. nobilis Hispanus, Rom. Im­perator, anno imperii sui quarto hanc urbem sundavit, libertatibus armisque imperialibus ditavit, helf GOtt, Maria berath. vide angezogene Nachrichten p. II.

Welcher Meinung aber aus ändern Vermuthungen pag. 13 widerspro­chen wird. Andere halten dafür: daß diese Stadt nach Christi Geburth anno 336 von Merbico unter dem Käyser Theodosio erbauet, und daher Theodosia genennet worden, weil er anno 414. oder wie ande­re melden 447. zum Königreiche der Thüringer gelanget, und, wie aus denen Historien nicht unbekant, in Thüringen mehr Städte erbauen lassen, und auf dem Königs-Hofe eine Zeit lang residiret haben soll. Wiewohl auch hinwiederum andere Henricum Aucupem, welcher im zehnten Seculo gelebet, zu einem Gründer dieser Stadt ausgeben wollen. Sintemahl derselbe viele Städte in Sachsen erbauet. Allein diese Meinung scheinet gar nicht wahrscheinl. zu seyn, weil man in denen Scribenten keinen Beyfall findet, und daher noch eher zu ver- muthen, daß ersterer Käyser diese Stadt erbauet, und seine Gemahlin die Mechtildis damit regaliret haben mag. Wobey denn noch zu gedencken, daß inter septem Memorabilia der Stadt Nordhausen

  1. das Rathhauß.
  2. der Rohland.
  3. der Stein am Töpffer-Thore.
  4. Die Feld-Schlange, so anno 1519 gegossen.
  5. Die zwey grossen Wasser-Künste.
  6. Der Brunnen bey dem Hospital S. Elisabeth, und dann
  7. Der Vogel unter dem Rauten-Thor der Aar genant, gezehlet werden.

Und dieses mag hiervon genug seyn, weil mein Vorhaben nicht ist, deshalb eine ungewisse Untersuchung von diesem Orthe so wohl, als dessen Gründung, weiter darüber anzustellen, sondern ich schrei­te vielmehr zu denen, durch die unglücklichen beyden grossen Brände, welche in anno 1710 und 1712 diese Stadt sehr hart betroffen haben, eingeäscherten, und wieder von neuen aufgebaueten Strassen, und gedencke davon folgendes:

II. Abschnitt
[Bearbeiten]

Von der Ordnung derer Strassen und publiquen Gebäude dieser Stadt.

In dem Centro dieser Stadt lieget

i. Der Marckt und auf demselben

Das Rath-Hauß. Dieses hatte in anno 1710. die wüthende Flamme dergestalt einge­äschert, daß von demselben weiter nichts, als die hoch aufgeführten Mauren in einem Quadrat zu sehen waren; durch Gottes Beystand aber wurde dasselbe in anno 1711 wieder erbauet, und von Jahren zu Jahren in einen ansehnlichem Stand gesetzet. Jetziger Zeit praesen- tiret sich solches, als eines derer ansehnlichsten Gebäude, und zwar von aussen mit einem wohl reparirten Mauerwerck, einem Schiefer- Dache, und artigen Thürmgen mit Schiefer gedeckt, worinnen eine Glocke befindlich, welche zu gewissen Zeiten geläutet wird, es befin­det sich auch ein Sonnen-Weiser von aussen an solchem. Insonderheit sind merckwürdig:

  1. Die unter demselben befindlichen Gewölbe oder Cammern in Feuers-Gefahr.
  2. Die in der ändern Etage belegene schön tapezirte ansehnliche Regiments- oder Audienz-Stube, deren Fenster auf den Marckt und nach dem Weinkeller stossen.
  3. Die darneben liegende Cämmerey-Stube deren Fenster auf den Kirchhoff St. Nicolai gehen.
  4. Die Mahl-Casse, und
  5. Die dahinter belegene und neu tapezirte alte Cämerey-Stube, deren Fenster theils auf den Fleisch-Marckt, theils auch auf den Töpffer-Marckt stossen.
  6. Die darneben befindliche Acten-Stube und Archiv.
  7. Die in der dritten Etage belegene Käyser-Stube, welche sehr angenehm aussiehet, und schön tapeziet, auch mit denen Gemählden derer Allerdurchlauchtigsten Käyser höchstsee- ligsten Andenckens ausgeschmücket ist.

Vor dem Rathaus befindet sich:

8. Der von Holtz ausgehauene roth bekleidete Ruhland, mit einer auf dem Kopffe habenden Crone, und in der rechten Hand haltenden Schwerdte, unter einem KupfFern Dache, welcher gar martialisch aussiehet.

Wer hiervon ein mehres zu lesen verlanget, denselben weise ich auf die historischen Nachrichten Cap. IV. pag. 18 seq.

Die Hauptkirche St. Nicolai. Diese hat die Fatalité gehabt, daß sie in anno 1710 mit ihren egalen 2 hohen Thürmen, und wiederum anno 1712. also in 2 Jahren gedoppelt verunglücket, dadurch aber das vortreffliche Kirchen-Gewölbe von Steinen und starcken Pfeilern durch den Fall beyder hohen Thürme und von der Erschütterung wegen des darauf gefallenen Daches, grossen Schaden litten; das neue Schiefer-Dach ging in dem ändern Brande wieder verlohren, und weil die Schiefern rar geworden, muste sie das andere mahl mit einem Ziegeldache zufrieden seyn. Oben auf dem Ziegeldache nach der Mittags Seite ist die Jahr-Zahl 1717 zu ersehen, und dieses Gottes-Hauß an sich einige Jahr nach dem Brande schön repariret und in Festo Michaelis 1727 eingeweyhet wor­den, wie solches die historischen Nachrichten von der Stadt Nord­hausen p. 31. mit mehrern besagen.

Sie wurde anno 1360. wie der alte Stein am Rathhause gegen der Kirche über besage gebauet, und brante anno 1612. den 21. Aug. der­gestalt mit ab, daß nur das Mauer-Werck davon und ihre Thürme annoch stehen blieb, welche vorhin mit Bley gedecket waren, hist. Nachricten p. 25.

Die anno 1710 mit abgebranten Thürme aber waren mit Kupffer bedecket, welches ich hier nur beyläuffig anfuhre. In dem inwendigen inwendigen Gebäude besagter Kirche merckwürdig:

  1. Der ansehnliche Raths-Stand, im hingehen rechter Hand, wel­cher auf 3 verguldeten Palmbäumen ruhet, darinnen 8 Fenster mit grossen viereckigen Spiegel-Scheiben und verguldeten Rahmen.
  2. Das über demselben befindliche Nordhäusische Wappen eines gedoppelten Adlers, und
  3. Die über demselben aufgestellte Gerechtigkeit.
  4. Die beyden Beicht-Stühle rechter und lincker Hand mit ver­guldeten Schnitzwerck und Glaßfenstern, und über denensel- ben befindliche Bilder.
  5. Die Helligkeit beyder gegen einander befindlichen Bohrkirch- en, welche nebst denen übrigen Stühlen mit rothen Tuch be­schlagen.
  6. Die auf beyden Seiten an denen Mauren angebaueten Capellen, mit Zierathe und hellen Spiegel-Fenstern.
  7. Die 3 Meßings-Sterne.
  8. Der Altar von Marmor-Stein.
  9. Das reparirte ansehnliche Orgelwerck.
  10. Der Tauffstein.
  11. Die schöne Cantzel mit Bildern.
  12. Das reine Glocken-Geläute.

Wer hiervon ein mehrers zu wissen verlanget, beliebe die histor. Nachrichten nachzuschlagen, allwo p. 38. feq. alles weidäuftig be­schrieben findet.

Ferner Der Raths- oder Wein-Keller. Ist ein ansehnlich Gebäude von drey Stockwercken, und lieget gegen dem Rathhause über, ingleichen

Die alte Apothecke, ohnweit dem Marckte.

Die Hauptwache, am Marckte, welche anno 1744 von Grund aus neu erbauet worden. Item die dabey befindliche steinerne Wasser-Kunst, das ansehnliche Riesen-Hauß, mit dem oben unter dem Dache stehenden von festen Holtze ausge­hauenen Riesen, davon es seinen Nahmen führet. Die schönen Privat-Gebäude, so wohl auf dem Marckte und Stein- Wege, als

2. Die auf dem Königs-Hofe aufgefiihrten schönen Häuser, und die daselbst vorhandene steinerne Wasser-Kunst.

3. Die ansehnliche Ritterstrasse, samt dem alda befindlichen Walckenriether- Ihro Königl. Majest. von Preußen zugehörigen Collectur-Hofe.

4. Der neue Weg, mit dem überbaueten Neuen-Weges-Thore, und dem neben demsel­ben vorhandenen Wasser-Troge.

5. Das vor dem neuen Wege erbauete ansehnliche Waisen-Hauß, an welchem von aussen das Gemählde unsers geliebtesten Heilandes in Lebens-Grösse und Romanischer Tracht zu sehen ist.

6. Die kalte Gasse. 7. die Becker-Gasse. Und der daselbst befindliche tiefe Brunnen, mit Holtzwerck und einem Schiefer-Dache überbauet.

8. Die Strasse der Engelsburg.

9. Der sogenante Crähmern, und die daselbst erbaueten Crahm- und Privat-Häuser. Das Primariat- und Diaconat- Hauß.

10. Der räumliche Kornmarckt, mit dessen propern Gebäuden und Gasthäusern. Die daselbst in der Mitte desselben befindliche neue steinerene Wasser-Kunst.

11. Die TöpfFer-Strasse, und deren schöne Gebäude und Gast-Höfe. Der in dieser Strasse belegene tieffe Brunnen, welcher mit einem Schiefer-Dache über­bauet. Das vordere überbauete Töpfer-Thor.

12. DieTöpffer-Hagen- und enge Hund-Gasse.

13. Die lange Rauten-Strasse, vom Kornmarckte herunter bis an das mit Holtzwerck übersetzte Rauten-Thor, und deren ansehnliche Gebäude, gröten Theils drey Stockwerck hoch aufgefuhret. Die neuerbaueten zwey steinerene Wasser-Künste, davon eine oben neben dem Techtischen Hause, und eine besser herunter neben des Herrn Amts-Rath Böttichers Hause befindlich. Der besser herunter ohnweit derselben belegene tiefe Brunnen, mit Holtzwerck und einem Schiefer-Dache überbauet.

14. Die besser hin rechter Hand vom Kornmarckte in einem Winckel nach der innern Stadt-Mauer belegene Gieckers-Gasse.

15. Die rückwärts lincker Seite im hinaufgehen belegene Jüdengasse, in welcher vor Zeiten der Jüden-Tempel gestanden. Diese Strasse ist zwar etwas enge gebauet, hat aber grösten Theils hohe Häuser, und stösset aus der Rauten-Strasse an den Marckt.

16. Der Predigern. In dieser Strasse befinden sich auch ansehnliche Häuser, dergleichen sind das Lerchische, Liebenrodtsche, des Herrn Bürgermeister Wildens, des Herrn Advocati Grotjans, Herrn Secretarii Filters Hauß und andere dergleichen mehr. So auch ein publiques Schul- und daran gebauetes Spritzen-Hauß. Das Gebäude ist also abgetheilet, daß ietzo zwey Familien, nemlich der Herr ConRector Albert, und Herr Septimus König darinnen wohnen.

17. Das Gymnasium Lieget zwar in einem Winckel, ist aber ein weitläuftiges Gebäude, welches von dem ietzigen Herrn Rectore Goldhagen bewohnet wird, und ist unten ein Durchgang durch das Vorder-Hauß, wenn man nach den Schul-Classen gehen will, allwo in der untersten Etage ein langer etwas dunckler Gang, mithin eine Classe von Secunda bis Septima an die andere, Prima aber oben queer vorgebauet. Das unterste Stockwerck ist ein hoch aufgeführtes Mauerwerck, und hat sieben abgetheilete kaum gedachter massen aufeinander folgende Classen, oder Schul-Ordnungen, welche ihre Helligkeit von dem dahinter belegenen grossen Garten des ietzigen Salv. Tit. Herrn Bürgermeister Wildens, JCti haben, da die Schulfenster auf solchen stossen. Dieser Ort der grossen Stadt-Schule ist von ändern Strassen abgesondert, mit Gärten umgeben, und wegen der Stille und Abgeschiedenheit des Wanckens und Fahrens denen Müsen sehr bequehm, weil sie auf die Arth von niemanden beunruhiget werden. Von da schreite in meiner Beschreibung wieder zurück, hinter denen Predigern herdurch zur Jüden-Gasse lincker Hand des Marcktes her­unter, zur Halbschied der Rauten-Gasse hinauf vor dem ansehn­lichen vormahligen Huxhagischen, anjetzo S.T. Herrn Bürgermeister Riemanns, Sen. JCti Eckhause vorbey nach dem

18. Born-Berge. Und von da nach

19. Der Weber-Gasse, welche im hinauf gehen lincker Seite bis an die Stadt-Mauer neu erbauet, auf der ändern Seite rechter Hand aber, allwo sich die vor- mahlige Feuers-Brunst geendiget, zum Theil noch alte itziger Zeit reparirte Häuser befinden. Rückwärts rechter Hand gehet man von dem Bornberge, welcher seine Benennung von dem allda belegenen tieffen Brunnen führet, und jetzo mit einem Schiefer-Dache, wie die übrigen Brunnen, versehen ist, gerade fort

20. Auf den Petersberg, welche daselbst befindliche Häuser, bis auf das Diaconat-Hauß, von denen unglücklichen Bränden verschonet geblieben; und sind auch diese jetziger Zeit fein repariret. Wobey denn zu gedencken, daß des jetzigen Herrn Bürgermeister Riemanns, Sen. Hauß, ingleichen das Pastorat-Diaconat- und neuerbauete ^Edituat-Hauß, die ansehnlich­sten Häuser in solcher Strasse sind. Neben des Herrn Burgemeister Riemanns Hause befindet sich die Kirche S. Petri, und der darneben erbauete hohe Thurm, welcher unter allen hiesigen Kirch-Thürmen der höchste und ansehnlichste mit seiner Gallerie ist,-und von dem Thürmer bewohnet, auch täglich 3 mahl, nehmlich früh morgens um 4 Uhr, mittags um 11 Uhr, und des abends um 8 Uhr von demselben durch den Haußmann und dessen Gehülffen musiciret wird. Die Kirche St. Petri hat die Ehre, daß sie in dem 1751 Jahre durch die unermüdete Vorsorge des Herrn Bürgermeister Riemanns sen. (als Hochansehnlichen Ober-Kirch-Vorstehers) inwendig gäntzlich umgekehret, und in einen gantz ändern Statum reduciret wurde. Des Endes dann die alte Cantzel neben das Chor gebracht, die Bohr- Kirchen auf beyden Seiten verändert, neue Beicht- und Familien Stühle (wie in der Marckt-Kirche St. Nicolai) mit schönen hellen Glaß- Fenstern erbauet, dadurch aber dieses Gottes-Hauß in einen herrlichen fplendeur gesetzet worden. Wobey dann noch zu mercken, daß der ansehnliche Kirchhoff die gantze Kirche, und diesen rund herum eine tüchtige Mauer um- schliesset, und auf demselben verschiedene Epitaphia anzutreffen sind. Rechter Hand führet eine Strasse bei dem Diaconat-Hause vorbey nach der so genannten Schluntz-Treppe Lincker Seite ist des Herrn Burgemeister Riemanns, Sen. ansehn­licher grösser Garten, Garten-Hauß und ein dahinter auf die Stadt Mauer neu gebaueter hoher Lust-Thurm. Von der itzt gedachten Schluntz-Treppe, welche von beyden Seiten mit Gärten umgeben, und etwas lehne Stuffen-weise ableitet, gelanget man an das Rauten- Thor. Ich verfüge mich nun bei meiner Beschreibung in denen Gedancken wieder zurück nach der Kirche St. Petri zu, lasse dieselbe lincker Seite liegen, gehe zwischen demselben, und denen Häusern rechter Hand vorbei gleichsam in einen halben Circul fort nach der Stadt-Mauer, zu eben dieser rechter- und denen Gärten lincker Hand gerade durch, vor dem vorhin schon gedachten Töpffer Thore vorbey, und gehe rechter Hand, weil lincker Seite der Töpffern lieget, durch das Töpffer Thor

21. in die Strasse derer Töpffer, Allwo meistentheils Töpffer wohnen, und ihre Profession treiben, bis an das äuserste neu erbauete mit einem Stockwerck übersetzte Töpffer-Thor, welches nach dem Himmel-Garten, und nach einer geraden Land-Strasse ableitet, wobey ich denn der nach dem Frauenberge im hinaus gehen lincker Hand, und der auf der rechten Seite nach der Giers-Pforte leitenden Stiegel noch hierbey gedencke und wieder zurücke nach dem ersten Töpffer Thore, durch das­selbe hindurch rechter Hand nach der seit dem Brande neu aufgebaueten

22. Töpffer-Hagengasse, Und von da rechter Seite

23. Zum Hagen hinauf gehe, als welche Strasse grösten theils bis auf wenige Häuser im hinauf gehen lincker Hand neu aufgeführet, und wiederum den geraden Weg lincker Seite bis auf

24. den Pferde-Marckt, vor dem daselbst belegenen Königl. und Churfürstl. Brl. Lüneburgl. Collectur Hofe vorbey, den Pferdemarkt herunter, lincker Hand zu er neu erbaueten Raths-Waage, und neuen Raths-Apothecke, welche der gantzen Strasse ein Ornament geben. Diese Strasse ist sehr räumlich dergestalt, dass die löbl. Rathsfähige Schumacher Gülde alda des Marcktages ihre Waare in Buden ausleget, und verkauffet, auch noch über diß in eben dieser Strasse der Holtz-Marckt wöchentlich gehalten wird, mithin ein Wagen dem ändern gar füglich ausweichen könne. Hierauf folget

25. die Granich-Gasse, welche ebenfalls eine derer ansehnlichsten neu erbauten Strassen mit ist. Diese vorhin angemerckte Strassen haben das Unglück gehabt, daß sie abgebrant, und wieder neu aufgebauet werden müssen, und befinden sich ietzo in einem erneuerten Zustande. Es ist auch so gar das Steinpflaster in der Ober-Stadt durch Obrigkeitliche Vorsicht in denen vornehmsten Strassen in besseren Stand gesetzet worden. Von iezt benandter Granich-Gasse gelanget man rechter Hand neben des Herrn Tabberts Wohn- und Eckhause vorbey, ehe man zu denen Barfüßern kömmt, zu der Kirche zu S. Blasii, welche zwey Thürme hat, und vor einigen Jahren inwendig schön repariret worden, daß sie wegen der Porkirchen, Orgel, und derer darinnen erbau-eten Familien-Stühle der Kirche zu St. Nicolai gantz ähnlich siehet. Der Kirchhoff ist räumlich, und mit Häusern umgeben. Neben dem wohlgebaueten Pastorat-Hause dieser Kirche gehet man

26. Zu der Barfüßer-Strasse, welche von denen beyden ehemahligen Bränden bis auf das Pastorat-Hauß der Blasiuskirche verschonet geblieben, und nachher an ihren Häusern starck repariret, es sind auch verschiedene alte Häuser abgerissen, und wieder neu aufgebauet worden. Es führet auch hiernächst von hier

27. Eine Strasse hinter St. Blasii, und von da wiederum nach dem so genandten Hagen. In der kaum gedachten Barfüßer-Strasse befindet sich im hinunter gehen rechter Hand die Barfüßer- oder so genante Spende-Kirche, in welcher eher nicht geprediget wird, als wenn ein öffentliches Leich-Begängniß aus der Gemeinde zu St. Nicolai, oder zu St. Blasii dahin geschiehet. Das Gebäude an sich ist groß, alt, und sehr wandelbahr. Der Kirchhoff aber rund um die Kirche herum dermassen erweitert, daß er zu dieser Zeit, wie ein schöner grüner Garten aussiehet, und zwey Gemeinden dahin begraben werden können. Auf dem Kirchhofe im hinein gehen rechter Hand befinden sich Begräbnisse gewisser vornehmer Familien so wohl, als besser hin rechter und lincker Seite aufgerichtete Piramiden und andere Monumenta. Von dieser Barfüßer-Strasse gelanget man lincker Seite

28. Nach dem Dohm, oder Röhmisch-Catholischen Stifte St. Crucis, und Strasse des Dohms, welche aus alten, jedoch ebenfalls durchgängig reparirten Häusern derer Herren Geistlichen alda bestehet, und zu der daselbst von aussen ansehnlichen von Quater- Steinen aufgeführten, inwendig aber etwas wüste aussehenden Kirche, im hinein gehen lincker Hand ein neues schön ausgebauetes Orgelwerck mit stattlichen Pfeilern zieret. Die Kirche ist ein hohes Gebäude, und so wohl mit 2 egalen Thürmen aufgefuhret, als mit einem verwahreten Kirchhofe versehen, und hat ein schönes Glocken-Geläute. Neben solcher stehet die alte Probstey und ein ödes Nonnen-Closter an der Stadtmauer. Von ferne präsentiret sich sothanes Kirchhebäude wegen seiner eminirenden Höhe und dessen Thürmen gar schön- Wer hiervon ein mehreres zu lesen verlanget, beliebe die historischen Nachrichten von der Stadt Nordhausen § 29. p. 148. fqq. nachzuschlagen, allwo er von allem ausführlichen Bericht findet, weil mein Vorhaben nicht ist mich hierbey aufzuhalten. Von dieser Strasse gelanget man gerade fort

29. Zu der Wasser-Treppe, und der alda belegenen Wasser-Kunst, welche nach dem Grimmels-Thor abführet, und von dieser Kunst in der Linie fort

30. In die Pfaffengasse als welche auch neu erbauet ist. Rückwärts nach dem Dohm von denen Barfüßern hinunterwärl körnt man in das Barfüßer-Thor, und von da

31. In das Altendorff, welches von denen Feuer-Bränden verschonet geblieben. Es ist aber diese lange Strasse zu dieser Zeit durch das vor einigen Jahren abgerissene alte Seiger-Thor gantz durchsichtig, und daher in eine gerade Linie gebracht, zugleich auch das alte ausgefahrne Stein-Pflaster aus gehoben, und mit grossen Kiesel-Steinen neu gepflastert worden, da solche nunmehro wohl aussiehet, und durch die erfolgten Repara so wohl, als wegen verschiedener neu erbaueten Häuser ein feines Ansehen gewonnen. Unter dem Barfüßer-Thore rechter Hand, an dem so genandten Plane befindet sich ein Brunnen, und besser hin in der Ecke eine Pforte, welche nach dem Geiersberge, oder wie man vulgo saget, nach dem Kirschberge Stufen-weise hinauf leitet. Neben dieser und der eusern Kirsch-Pforte ist lincker Seite ein enges Gäßgen, durch welches man gerade fort auf den Altendörffer Kirchhoff gelanget. Man kan auch, wenn man von dem Barfiißer-Thore das Altendorff herunter gehet, lincker Hand in die Kirch-Gasse, und von da zu solcher gleichsam an einen von der Strasse abgesonderten Orth erbaueten, zu jetziger Zeit aber von neuen reparirten, gar ansehnlich gemachten Kirche gelangen, welche nicht allein mit einem geraumen Kirchhofe versehen, sondern auch von aussen, oder der Seite des Kirchberges, mit einer Mauer umgeben ist Rechter Hand der Kirchgasse, befindet sich eine Brücke, und über derselben die neu erbaueten Lauerischen Garten-Häuser, der Ziegelhoff, und das neu erbauete schöne Altendörffer Thor, mit starcken Pfeilern so wohl verwahret, als mit einem Aufsatze überbauet. Rückwärts befindet sich zwischen denen Gärten ein enger Weg, welcher über das Wasser bey der so genadten Rosen-Mühle vorbey in

32. die Rosen-Gasse führet, von wannen man wieder in das Altendorff körnt, in welchem man im hinuntergehen rechter Hand bey der Kirch-Gasse zu einer Mühle, die Scharff-Mühle, gelanget. Rückwärts nach dem Barfüßer-Thore neben demselben ist ein enges Gäßgen, welches nach der Hospital-Kirche St. Elisabeth, und der so genandten Kayser-Mühle ableitet. Von da aber gelanget man nach em Neuen Wege. Welche Strasse vorhin gedachter massen, und zwar oben von dem Neuenweges-Thore herunter, etwas lähne bis an voaS ^serste Neueweges- oder Grimmels-Thor gehet, welches itzo von Grund aus abgerissen unb neue aufgebauet worden, dergestalt, ein jeder vorbey Gehender darüber sein Vergnügen bezeiget. Ich begehe nun einen faltum, und verfüge mich in denen Gedancken wieder rückwärts nach dem vorhin beschriebenen Rauten-Thor, und von da durch das äusere Rauten-Thor. Lincker Hand neben demselben zu einem Hügel hinauf, körnt man in

33. Die Hüther-Gasse, und von da gerade fort um die Ecke lincker Hand zu der Frauenberges-Stiegel hinaus auf das Feld, rückwärts aber rechter Hand

34. Auf den Frauenberg, und zu der daselbst von der ordinairen Strasse abgesonderten Frauen-berges-Kirche, welche mit einem feinen Kirchhofe, und um denselben mit einer Mauer versehen ist. Lincker Hand gelanget man zu dem ohnweit sothaner Kirche bele-genem Bielen-Thore. Rückwärts von der Kirche aber durch ein enges Gäßgen, die Schaaff-gasse genant, zu dem Sundhäuser-Thore. Wobey dann noch zu gedencken, daß die itzt erwehnte Hüther-Gasse und Frauenberg durch Gottes Gnade von denen beyden unglücklichen Bränden verschonet geblieben, weswegen denn daselbst noch alte, jedoch aber zu dieser Zeit reparirte, auch zum Theil neuerbaute Häuser zu sehen sind. Von dem bereits gemeldeten Rauten-Thore gerade herunter gelanget man

35. Nach dem so genanten Ähren, und dem daselbst auf einen hohen Pfahl aufgesteckten Vogel, welcher im Ausgange des 1750 Jahres samt den hohen Pfahle, worauf er befestiget ist, bei dessen Wandelbahrkeit neu gemachet worden, zu einem immerwährenden Andencken, daß vor Zeiten in der Reichsstadt Nordhausen zweyerley Obrigkeiten gewesen, nemlich ein Judicium in der Ober-Stadt, und dergleichen in der Neustadt. Die obrigkeitlichen Personen bestunden aus ansehnlichen Patriciis, doch so, daß die in der Ober-Stadt wohnende vermögender waren, als die, welche in der Neustadt wohneten. Sie wurden aber zur Vereinigung oder Vereinbahrung mit der Oberstadt durch den Einfall ihrer Mauren um die Vorstädte genöthiget, zu deren fumtueufen Reparaturen sie sich unvermögend schätzten. Denn als die Stadt Nordhausen in anno 1364 mit dem Graff Ulrich von Hohnstein, und in anno 1365 mit dem Herzog Albrecht von Braunschweig in Streit gerieth, und sich bey dieser Gelegenheit, da die Vorstadt ohne Mauren war, die Neustädter einen Überfall zu besorgen hatten, so wurden sie daher genöthiget, ihre Jura an den Rath der Oberstadt abzutreten, dergestalt, daß dieser die Neustadt mit Mauren befestigen solte. Der darüber zwischen beyden Räthen errichtete Vergleich ist in denen mehrgedachten historischen Nachrichten von der Stadt Nordhausen pag. 276. §. 2. zu finden. Damit nun wegen dieser nothdringlichen Vereinigung vor die Nachwelt ein Monumentum übrig bleiben möchte, so ließ man vor dem Ähren auf eine hohe Seule einen Adler, welchen die Alten einen Ahm nanten, aufstellen, welcher von Kupffer gemachet, mit Golde übermahlet, und in seinem nach der Oberstadt gerichteten Schnabel einen güldenen Ring hält, mit dem Schnabel aber nach dem Rathhause zu gerichtet ist, um dadurch anzudeuten: daß gleich wie der güldene Ring ohn Ende sey, also auch beyde Regimenter der Oberund Unterstadt unzertrennlich und unzergliedert, mithin in einem Zustande eines durablen Regiments verbleiben solten. Von diesem gedachten Ähren gelanget man lincker Hand

36. In den Rumbach, gerade fort rechter Seite nach dem Stifte St. Martini, und neben diesem vorbey nach dem innern und eusersten Sundhäuser-Thore, als welches kaum vor einigen Jahren wiederum repariret worden. Ohnweit diesem innem Thore im hinnaus gehen lincker Hand befindet sich

37. Der so genante Closter-HofF, welcher vorhin nur eine Strasse hatte, zu dieser Zeit aber ist kaum vor wenig Jahren, an eben solchem Orte eine neue Gasse angebauet worden. Von obgedachtem Ähren gelanget man lincker Seite zu

38. Der Neustadt, welche eine wohl ausgebauete lange ansehnliche Strasse ist, und vor Zeiten die Fatalité gehabt, daß sie durch den erbärmlichen Brand gäntzlich eingeäschert, und erst nach vielen Jahren nach gerade wieder aufgebauet worden. In dieser sehr gangbahren Strasse, befindet sich die im hinunter gehen rechter Hand durch ein enges Gäßgen in der Ecke belegene in Anno 1744 und folgenden Jahren vom Grund aus neu erbauete Anschauungs würdige schöne Kirche, und um solche der Kirchhoff, welcher sie umschliesset. Von welchem vortrefflichen Gebäude des gelehrten Herrn Pastor Lessers herausgegebene historische Nachrichten und Abrisse von der alten Kirche, und dem neu aufgefuhrten itzigen Gebäude dieses Gotteshauses, mit attention zu lesen, und denen Liebhabern völliges Licht und Unterricht geben werden. Diese Strasse führet gerade fort rechter Seite

39. Auf den Lohmarckt, und von da hinwiederum nach dem vorhin gemeldeten Neuen-Weges Thore. Lincker Hand von der langen Neustadt kömt man zu der Brücke

40. Auf den so genandten Sand, Dieses wäre demnach die Beschreibung derer vornehmsten und gangbaren Strassen der Stadt Nordhausen, wie sie sich zu dieser Zeit repræsentiren. Wobei ich dann noch mit wenigen gedencke, daß die gantze Oberstadt von dem Töpffer-Thore bis an das Rauten-Thor, und von diesem gantz herdurch bis an die Kuttel-Treppe, und wieder von da unter dem neuen Wege vorbei, bis an das Stift St. Crucis. Ferner von da bis an das Barfusser-Thor, und von da auf jener Seite rechter Hand hinter der Barfusser-Kirche herum bis wiederum an das Töpffer-Thor, mit hohen und festen Mauren umgeben und ver wahret, auch hiernächst von dem äusersten Töpffer-Thore bis zur Frauenberges-Stiegel, und von jener Seite bis wieder an die Giers-Pforte mit Mauren und Wällen umgeben, dannenhero die Stadt von allen solchen Seiten her wohl verwahret sey. Desgleichen ist auch die gantze Neustadt von aussen mit Mauren und Pallisaden umgeben, wie solches alles der Augenschein mit mehrern ausweiset. Ich habe demnach bei dem Beschlusse des erstem Abschnittes zu einigen Ruhm und Andencken meiner geliebten Vater-Stadt, deren itzigen Zustand und Wohlergehen ihrer Löbl. Bürgerschaft, und gesamten Einwohner, in nachgesetzten geringen Versen entwerffen, und solche dem gönstigen Leser ohne alle Schmincke, einer hierbei gesuchten eigenen Lobwürdigkeit, zu einiger Betrachtung comuciren wpööen, wovon meine Gedancken folgendermassen lauten:

Beliebte Norden Stadt, erhebe deine Mauren!

Darin der Höchste dich mit Wohlergehn beglückt, du darffest über Feur und Unglück ietzt nicht trauren, da Er dir, statt der Furcht, viel Seegen zugeschickt. Daß deine Kinder dich mit Freudigkeit bewohnen, und deren Wohlstand sie, wie einen Ring umschließt; der Feinde Tyranney das Vaterland verschonen, daß jeder GOTTES und des KAYSERS Schutz genießt. Das Rathhauß, das vorhin der Künstler Hand gebauet von schönen Quater-Stein drey Stockwerck aufgeführt, wird mitten auf dem Marckt von jedermann beschauet, und ist mit Schiefer-Dach und einem Thurm geziert. Man steigt zu selbigen vom Marckt hinauf auf Stuffen, die künstlich zubereit, von ausgehaunen Stein? Partheyen werden da citirt und hin beruffen? Gerechtigkeit muß hier ihr Schutz und Schiedsmann seyn man findt sie aufgestellt schon in der Vorhoffs-Cammer, und praesentiret sich lebhafft im Regiment; der Bürger stellet vor den ihn betroffnen Jammer. Der Richter höret ihn, weil er die Noth erkennt. Der Ort, wo man justiz pflegt zu administriren, ist einem gräflichen Gemach an Schönheit gleich; er sucht vor ändern sich genau zu distiguiren, und siehet keinen an, er sey Arm, oder Reich; die Ehrfurcht machen schon die tapezirten Wände, des grossen Kaysers Bild, der Chrystallinen Stern, und mit dem Glockenschlag erscheinen gar behende die schwarz gekleidete Burgmeistere und Herrn; Sie leisten die Justiz den Armen und den Reichen, in dem Gemach, wo man auf Stühlen praesidirt, und ihre Sanftmuth pflegt der Grobheit auszuweichen, weil die Gelindigkeit bei ihr das Scepter führt. Bey diesem Rathauß steht Sanct Nicolai Tempel, der biß aufs Mauerwerck vom Feur verzehret war; der ist nun schön erbaut, und dient uns zum Exempel, daß man des HERREN Tag hoch halten soll und rar. Man pfleget da mit Lust von innen zu beschauen die Cantzel, den Altar, Tauffstein und Orgelwerck, den Bürgermeister-Stand, und was man müssen bauen, und die Familien-Stühl, des Kirch-Gewölbes Stärck Bohrkirchen, und zugleich die drey Messinges-Sterne, die Mahlerey, und das darauf gesetzte Gold, sie leuchten hell um sich, mithin auch in die Betrachtungswürdig ist hiernächst auch das Gebäude, so man vor Zeiten hat dem Blasius geweiht, dis hat der höchste GOtt beschirmt vor allem Leide, daß über solches sich die Flamm nicht ausgebreit. In Anno 40 wurd es treflich repariret, daß es der Schönheit nach der Nicols Kirchen gleich, Das Eingeweide ist sehr künsdich ausgezieret, und die Bibliotheck an alten Schriften reich. Die Stühle sind darin mit blauem Tuch beschlagen, und eine grosse Zahl Familjen-Stühl zu sehn; die Kirch ist hell und groß, und dieses noch zu sagen: daß auch das Kirch Gewölb und Orgelwerck sehr schön. Die Weiber-Stühle sind hierbey egal gebauet, daß alte Gitterwerck durchgängig abgeschafft, ein jeder wird alda gesehen und beschauet, was an Geberden und an Mienen an ihm hafft. Und aus der Sacristey kan hier der Priester-Orden zu seiner Kirch’ Gemein zur hohen Cantzel gehn, Als welche an die Wand mit Fleiß gesetzet worden, daß er die Hörenden durchgehnds kan übersehn. Zwey Thürme zeigen schon das Gottes Hauß von ferne, die Glocken klingen hell, sehr angenehm und rein; der Thürmer observirt die gantze Stadt und Sterne, und der Prospect ins Feld, der zeigt sich ungemein. Die Ordnung trift nun auch ein ander Kirchgebäude, das auf den Berg gegründt, sich Petri Kirche nennt: das schöne Gottes-Hauß erwecket dem viel Freude, der es fein oft besucht, und Andachts halber kennt. In anno 50 wurd es wieder repariret durch einen weisen Mann, der viele guts gethan, und kraft des Vorstehr-Amts, den gantzen Bau regieret, der hieß zu dieser Zeit Herr Senior Riemann. Der gantze Bau ist auch nun glücklich absolviret, und an die Sacristey der Predigtstuhl geschmückt; die Vorstehr-Stühle sind vortreflich aufgefuhret, und die Familjen-Stühl von solchen abgerückt. Ja die Verändrung hat die Bohrkirch mit betroffen, und solche beyderseits mit Gleichheit abgetheilt, sie stehen gantz entdeckt, von forn und hinten offen, ob die Perfection sich gleich vorhin verweilt. Das alte Orgelwerck ist völlig abgerissen, und jezt an dessen Stell ein neues angebracht, und diese Aenderung kan jederman nur wissen, weil sie den innern Theil sehr schön und herrlich macht. Denn dieser Bau geschah fumemlich GOtt zu Ehren und auch der Kirch-Gemein zu ihrer Freudigkeit, der Satan kont ihn nicht verhindern noch zerstöhren; drum Zion freue dich, der jetzt erlebten Zeit! Der angebaute Thurm reicht über alle Spitzen, so viel das Norden-Hauß an Thürmer Spitzen zehlt, und dessen fester Bau kan auch viel Häuser schützen, ob er gleich selbst von Wind und Stürmen wird gequählt. Der Thürmer last sich mit Trompeten-Schalle hören auf seiner Gallerie, die in die Luft gebaut, und dadurch pfleget sich der Schall noch zu vermehren, auf seinem Vorhoff wird er weit und breit geschaut. Gehülffen helffen ihm Tags drey mahl musiciren, daß sich des Menschen Hertz darüber freuen muß, das Eccho hilft den Klang gleichsam hier dupliciren, und dessen Lieblichkeit, die machet den Beschluß. Nun muß ich ferner noch mit wenigen berühren die Sanct Jacobi Kirch’, das treffliche Gebäu, von aussen können ihn vornemlich herrlich zieren das feste Mauerwerck und Dach, so alles neu. Der Grundstein war darzu mit Müntzen eingeleget, und bey des Volckes Meng zum Denckmahl eingeätzt, um auch der künftgen Welt zu zeigen was gepräget, und alsofort darauf das Mauerwerck gesetzt, auch nachher bis zum Dach gar glücklich aufgefiihret, und durch die Zimmerleut der Dachstuhl aufgericht; hiernächst der innre Theil geschicklich ausgezieret, an Maur und Tischer Fleiß da fehlte es gar nicht. Die Künstler pflegeten fast täglich zu arbeiten, und das Vorsteher-Amt bewiese seinen Fleiß, den schönen Kirchen-Bau gehörig zu bestreiten, er machte viele Müh, und manchen sauren Schweiß. Herr Pastor Leßer ließ sich keine Müh verdriessen, und wandte manche Nacht an die Correspondentz, damit auch grosse Herrn davon was möchten wissen. Die Kirch erhielt Geschenck, und Er dadurch Clemenz. Er war zu jeder Zeit zu Reisen unverdrossen, und grosse Fürsten bath er um Mildthätigkeit, daß auf dies Gottes-Hauß viel reiche Gaben flössen, Mund, Feder, Hand und Fuß, die waren stets bereit. Endlich war diese Kirch solen inauguriret, nachdem der schöne Bau nach allem Wunsch vollbracht, und so hat Müh und Fleiß mit GOtt hier triumphiret, ob er auch schon vorhin viel Kümmerniß gemacht. Der gantze Kirchenbau ist künstlich schön gerathen, des Menschen Auge sieht ihn mit Vergnügen an, und kostet er auch schon viel Silbers und Ducaten, so ist der Beytrag doch zu GOttes Ehr gethan. Die Cantzel ist geschickt in den Altar gebauet, zwey Cherubinen sieht man da um solche stehn. Capellen werden auch in einer Meng geschauet, wohin Familien allein hinein nur gehn. Die Fenster sind beziert mit grossen Spiegel-Scheiben, und durch des Künstlers Hand gar säuberlich polirt: Bey deren Anschauung kan man die Zeit vertreiben; Der Himmel ist mit Gold und einem Lamm geziert. Das Orgelwerck läst sich im Spielen lieblich hören, das Chor, worauf sie steht, ist künstlich ausgebaut: die singende Gemein hilft GOttes Ruhm vermehren, der Prediger wird auch mit Andacht angeschaut, Wenn er als Gottes Both die Stimme lasset schallen, so zeigt sich eine Still, und ein Aufmercksamkeit, die denen Hörenden nothwendig muß gefallen, ein jeder stehet da zum Gottesdienst bereit. Der Thurm umschliesset das erbaute Kirchgebäude, der Glocken-Klang ist hell, gantz lieblich, rein, und schön, und denen hörenden erweckt er eine Freude, wenn sie auf ihren Schall zum schönen Tempel gehn. Die Frauenberges Kirch, die man Marie zu Ehren mit der im Altendorff also benennet hat, kan die Ruhmwürdigkeit auch hier niemand verwehren, der HErr beschütze sie vor Unglück früh und spät. Ich muß vom Gottes-Hauß des Altendorffs anführen, daß es vor kurzer Zeit gantz sauber reparirt, denn hieraus kann man auch die Liebe zu GOtt spühren, daß er das Vorstehr-Amt zu diesem Bau gerührt. Martin, Elisabeth, gedenck ich auch indessen, es folget noch hierbey das schöne Waysen-Hauß, wobey Sanct Cyriaz denn auch nicht zu vergessen, GOtt seegne die dahin eingehn und wieder aus. Endlich so muß ich noch des Dohms hierbey gedencken, den unsre Norden-Stadt durch Mauren mit umschließt, die Sanct Crucis Gebäu zugleich auch mit einschrencken, als das von Quater-Stein künstlich gebauet ist, Worin gesehen wird die Vielheit der Altäre, das neue Orgelwerck und hochgebaute Chor, das hohe Kirchgewölb’ nach seiner Läng und Quähre, wie auch Mechtildis Grab ohnweit dem Kirchen-Thor, zwo Thürme sind daselbst in Gleichheit aufgeführet, das Nonnen-Closter und die alte Probestey, das Dohm-Capitul und was sonst den Ort noch zieret, Stifts-Häuser und hiernächst die gantze Clerisey. Was sonst Nordhausen noch an den Public-Gebäuden in ein und andrer Straß bis hieher in sich hält, die wird mein Leser sich erinnerlich bescheiden, den Abriß hab ich ihm davon vorhin gestellt. Noch stehet man alhier vor dem genanten Ähren, die von dem Alterthum gesetzte hohe Säul, Darauf ein Adeler vor Zeit drey hundert Jahren und acht und achzig sich da stellt der Stadt zum Heil. In seinem Schnabel hält er einen Ring von Golde, und wendet sich damit just nach der Oberstadt; Die Flügel sind gemahlt, ein jeder ist ihm holde, weil sich das Regiment mit ihm verwechselt hat. Der obre Theil der Stadt war ehmals separiret von dem, den man noch ietzt alhier die Neustadt nennt, sie hatte ihren Rath, der sie allein regiret, und gleich der Oberstadt, besonders Regiment. Weil nun das Mauerwerck begunte einzufallen, das sie von aussen her zur Festigkeit umschloß, so wurd ein Schluß gefast im Regiment von allen, eh und bevor der Feind auf Maur und Häuser schoß: sich mit der Oberstadt künftig zu conjungiren, dagegen solte Er der Vor-Stadt Mauren baun, doch aber müsten sie nebst ihm zugleich regiren, und daselbst solte man im Rathe sie mit schaun. Die Resolution war hier sehr wohlgetroffen, zu obgedachter Zeit ein Transact aufgericht. Der Raths-Stand stehet noch der Neustadt jetzo offen, drey Senatores stehn vor sie in Eyd und Pflicht. Wie nun der goldne Ring die Einigkeit vorstellet, und bis ans End der Welt zu seinem Grunde hat, daß sich der Neustadt Rath zur Oberstadt gesellet in unsrer Norden- und des grossen Käysers Stadt, so fuhrt der Adeler auf seinem Haupt die Crone von Golde zubereit, auch in der Klau ein Schwerd, und pranget in der Luft auf dem erhöhten Throne, da dessen Schnabel sich vorwärts zum Rohland kehrt. Damit nun dieser noch die Nachwelt kann belehren von dem, was vormahls sey an diesem Ort geschehn: ließ Ein HochEdler Rath mit neuer Zierd ihn ehren, wie an dem Adler selbst und Flügeln ist zu sehn. In Anno 50 wurd die neue Saul gesetzet, ein neuer Adeler zum Denckmahl drauf gestellt, und dieß den Sterblichen in Marmor eingeätzet, bis endlich mit der Zeit der Bau der Welt zerfällt. Es ist die Norden Stadt mit Maur und Wall umgeben: und man erblicket sie drey Stunden weit von fern, Von Hesserode sieht man ihre Läng gar eben zu Zeiten wird sie auch besucht von grossen Herrn. Man kan in einer Stund dieselbe nicht durchgehen, wenn man die Lage nur nach ihrer Länge nimmt, ein jeder muß hiervon die Wahrheit frey gestehen, die ihm die Feder hier gar deutlich hat bestimmt. Der HErr beschütze dich, du werthe Stadt Nordhausen, für Hungers-Noth, für Feur, für Wasser, und für Brand, für Hagel, Blitz und Sturm, und der Granaten Sausen, durch seine hohe Macht, und reiche Seegens-Hand. Er geb der Obrigkeit Gesundheit, langes Leben, daß unter ihren Schutz Glück, Ruh und Heil sich küßt, und deren Bürger sich der Eintracht stets bestreben, daß nichts, als Ruh und Fried in denen Mauren ist. Hat er in Anno io und 12 mit Feur gestrafet, daß die Nachwelt hiervon noch zu erzählen weiß: hat er in seinem Zorn die Häuser weggeraffet, die wieder Aufbauung gekostet Müh und Schweiß; so sitzen wir GOtt Lob in stiller Ruh und Schatten, gemächlich und beschützt unter dem Feigen Baum, da unsre Väter noch viel Noth und Elend hatten, die Feinde selbst hält er im Zwange und im Zaum. Die werthe Bürgerschaft, die laß er stetig grünen, er seegne ihr Gewerb, er seegne ihren Stand; er mehre ihre Zahl gleich arbeitsahmen Bienen, und führe sie einst spät in das gelobte Land. Er sättge sie schon hier mit seiner Gnad und Wonne: er seegne jedes Hauß, und wer darinnen wohnt: sein Licht umleuchte sie gleich wie die helle Sonne, und führe sie dahin, wo seine Gottheit throhnt.