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Der rote Schuß

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Version vom 17. Januar 2020, 12:44 Uhr von Heinrich (Diskussion | Beiträge)
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Zu Ende des Limbachtales bei Ellrich liegt ein steil abfallender Berg, dessen rotes Porphyritgestein stellenweise zutage tritt. Er heißt der Rote Schuß. Welche Bewandtnis es mit diesem Namen hat, wird so erzählt: In Kriegs- und anderen schlimmen Notzeiten trifft der Mangel an Brot und Fleisch stets die an Verdienst, Hab und Gut armen Leute am härtesten. Der eigene Hunger und der von Frau und Kindern treibt den einen oder anderen dann wohl einmal dahin, sich trotz strengen Verbotes und angedrohter harter Strafe aus der freien Natur ein Stück Wild zu verschaffen. Einem Einheimischen, von dem man wußte, daß er daheim viele darbende Mäuler zu stopfen hatte, war es schon mehrfach gelungen, für sich und seine Familie eine gute sattsame Mahlzeit zu erbeuten. Mag sein, daß der Förster aus Mitleid und Weichherzigkeit ein Auge zudrückte, oder daß ihm der arme Mann mit besonderem Geschick und ein wenig Glück bisher entgangen war.

Da kam ein junger Waldhüter in den Dienst, der sehr ehrgeizig und sich seinem Herren besonders auszuzeichnen bestrebt war. Der paßte unentwegt und mit Übereifer an Tränken, Wechseln und Lichtungen auf die Unversehrtheit des Reviers auf. Eines Abends sah er dann von weitem den Mann, wie er gerade dabei war, einen eben niedergestreckten Rehbock auszuweiden. Hinter den Baumstämmen Deckung suchend, schlich sich der junge Bursche, das schußbereite Gewehr in der Hand, näher und näher an den Wilddieb heran. „Halt ein! Hände hoch!“ schallte es durch den Wald. Doch der andere, geistesgegenwärtig, warf sich blitzschnell herum und schoß selbst. Mitten ins Herz getroffen sank der Förster zu Boden und der Berg färbte sich von seinem Blut rot. Er hieß von nun an der Rote Schuß.