Der Nordhäuser Geschichts- und Altertums-Verein

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Autor: Walther Reinboth
Titel: Der Nordhäuser Geschichts- und Altertums-Verein
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aus: Nordhausen-Harz und Goldene Aue
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Erscheinungsdatum: 1974
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Digitalisat:
Eintrag in der GND: [1]
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Der Nordhäuser Geschichts- und Altertums-Verein


Wenn der unselige letzte Weltkrieg nicht gewesen wäre, würde man am 26. April 1970 wahrscheinlich das hundertjährige Bestehen des so erfolgreich gewesenen Nordhäuser Geschichts- und Altertums-Verein gefeiert haben. Über ein historisches Thema würde eine weitere Schrift herausgegeben worden sein. Nun ist das Vereinsleben in der „D.D.R.“ anders geworden, der Verein besteht nicht mehr. So obliegt es uns, der Gründung zu gedenken. Professor Dr. Perschmann berichtete über die Gründungsversamimlung des Nordhäuser Geschichtsvereins, daß der Harzverein für Geschichte und Altertumskunde während seines zweijährigen Bestehens (1870) auch in Nordhausen eine Reihe von Teilnehmern gefunden hatte, daß es aber notwendig sei, für die in Nordhausen vorgesehene Tagung einen würdigen Empfang vorzubereiten. Dazu bedürfe es der Gründung eines Vereines in Nordhausen. In einer zum 14. 4. 1870 einberufenen Versammlung machte Gymnasialdirektor Schmidt den Vorschlag, daß die Nordhäuser Mitglieder des Harzvereins als Ortsverein enger zusammentreten und „ihre Tätigkeit auf Erforschung der Geschichte Nordhausens und Konservierung seiner Altertümer richten sollten.“ Am 26. 4. 1870 verlas man den Entwurf eines Statuts, nahm es an und gründete damit den Nordhäuser Verein. Gymnasialdirektor Dr. Schmidt wurde Vorsitzender, Dr. Krenzlin sein Stellvertreter, Dr. Perschmann Schriftführer und Fabrikant Zacharias Schatzmeister. Diese Herren waren dadurch im Festausschuß, zu diesem traten noch Stadtrat Jäger, Fabrikant Richard Schulze und Baumeister Gerns. Am 7. Juni 1870 fand die dritte Hauptversammlung des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde in Nordhausen statt und kein Geringerer als der später so bekannt gewordene! Julius Wolff, der damals Redakteur der Harz-Zeitung in Quedlinburg war, schrieb das Protokoll der Versammlung. Im Athenstädt’sehen Lokale vereinigten sich die anwesenden Mitglieder, am anderen Tage gings ins Gehege und in die Blasiikirche. Man erholte sich dann im Garten der Loge. In der Aula des Gymnasiums fand die Versammlung statt. Seitenlang könnte man darüber berichten, erwähnt sei aber die Rede des Lehrers Karl Meyer (damals in Roßla). Im Riesenhaus folgte das Festmahl. Mittags darauf ging die Fahrt nach Walkenried!

Benutzt wurde damals die kaum eröffnete Eisenbahn von Halle nach Northeim (wie damals Julius Wolff sich ausdrückte). Ein Mitglied des Nordhäuser Vereins, Architekt Beisner, Roßla, legte von ihm angefertigte Walkenrieder Grundrisse vor. Der Besuch Walkenrieds hinterließ bei den Teilnehmern einen starken Eindruck. Natürlich fand die Tagung ihren Niederschlag in einer Broschüre, 88 Seiten mit wertvollen Bild-Ergänzungen von Nordhäuser Münzen, Walkenrieder Grabsteinen und einem Grundriß der Klosterruine in Walkenried nebst einer „die Baugeschichte betreffenden Übersicht“.

Die Arbeit des Nordhäuser Vereins trug reiche Früchte. Karl Meyer, von dem schon die Rede war, wurde einer der fleißigsten Heimatforscher. Das 25-jährige Bestehen gab ihm Anlaß, über „die Reichsstadt Nordhausen am Ausgange des Mittelalters“ zu sprechen, die Festschrift hatte Stadtarchivar Heineck verfaßt, es war eine topographische Studie auf Grund des ältesten im Nordhäuser Archiv vorhandenen Erbbuches. Zum 50-jährigen Jubiläum machten die Nordhäuser einen Ausflug nach Ilfeld. Karl Meyer sprach über die Geschichte von Burg, Kloster und Flecken Ilfeld. Die 200 Seiten starke Festschrift von 1920 enthielt eine denkwürdige Liste der Erfolge bei der Vereinsarbeit. Unter den herausgegebenen Schriften befinden sich u. a. Meyer: „Aus Nordhausens Vergangenheit“ (1911) und Heineck: „Kriegstagebuch des Lehrers Carl Angelrodt 1870/71“. Für Foerstemann und Duval brachte der Verein Gedenktafeln an deren Wohnhäusern an, über Foerstemann sprach Professor Haese, der damals Vorsitzender war. Haese gab auch eine Schrift heraus: „Nordhausen und Umgebung ilm Jahre 1848“ (1909).

Die zahlreichen Beiträge für die Jahrbücher des Harzvereins können nur erwähnt werden. Für die Erhaltung der Nordhäuser Altertümer setzte sich der Verein stark ein. 1920 trat auch Dr. Silberborth schon in Erscheinung durch seinen Beitrag über den Direktor Friedrich Karl Kraft (Gymnasium Nordhausen). Aufschluß über die im Verein aktiven Nordhäuser gab die Namensliste des Vorstandes und der Mitglieder von 1920. Von ihnen ist kaum noch jemand am Leben.

Der am 20. 1. 1964 in Walkenried gegründete „Verein für Heimatgeschichte Walkenried und Umgebung e. V.“, der Mitglieder aus verschiedenen Orten des Südharzes hat, versucht die Arbeit des Nordhäuser Vereins fortzusetzen und kann schon manchen Erfolg aufweisen. Er bemüht sich, wissenswerte Daten zusammenzutragen, Material für die Aufzeichnung der Heimatgeschichte zu sammeln, die Flurnamenforschung aufzunehmen und zu ergänzen, auf schützenswerte Baudenkmäler hinzuweisen und ein Forum für die Erörterung historischer Vorgänge zu bilden. Über der Tür des Nordhäuser Archivs standen die Worte: „Dr Ohlen Ärwe loßt nich verdärwe!“ In diesem Sinne!

Walther Reinboth