Park Hohenrode

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Park Hohenrode
Typ Park, Grünzone, Gartendenkmal
existiert seit 1871
Villa Kneiff 2016.jpg

Villa Kneiff (September 2016)

Der Park Hohenrode ist ein am Rande von Nordhausen gelegenes Kulturdenkmal.

Geschichte[Bearbeiten]

Lageplan von Hohenrode (1874)

Die Anlage wurde 1874/75 von dem Nordhäuser Kautabakfabrikanten Carl Kneiff (1829–1902) geschaffen und vom Frankfurter Gartenbaumeister Heinrich Siesmayer, dem Schöpfer und Ersten Direktor des Frankfurter Palmengartens, gestaltet. Der Park weist einen urwüchsigen Charakter auf; 1015 Arten an Laub- und Nadelgehölzen sind auf dem Gelände erfaßt. Eine umfangreiche Erweiterung des Parkes geschah um 1910 durch Fritz Kneiff (1864–1944). Die Planung dieses neueren Teiles geschah nach Entwürfen der Söhne Heinrich Siesmayers.

Das Parkgelände war ursprünglich ein nach Süden geneigter Acker, der sich seit den 1830er Jahre im Besitz und Bewirtschaftung der Familie Kneiff für die Zwecke der Kornbrennerei und Viehzucht befand; er umfaßte rund 25 Morgen. An den Rändern standen einst Eichen und Obstbäume.

Die Schöpfung Heinrich Siesmayers wurde bei Entstehung sparsam mit ausländischen Gehölzen ausgestattet. Hier überwiegen heimische Eichen, Ahorne, Linden, Ulmen und Fichten sowie Roßkastanien in stattlichen Exemplaren. Später wurde eine Reihe fremder Laub- und Nadelhölzer zugepflanzt, die auch dem Neuteil ihr Gepräge geben. So hat dann Sammlerfreude des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts eine Reihe dendrologischer Kostbarkeiten zusammengetragen, u. a. eine schöne Ahorn- und Eichensammlung. Der wenig tiefgründige Boden des Parkes besteht aus lettehaltigem bis kiesigem Lehmboden, welcher auf einer Schotterterrasse der Zorge aufliegt.

In der Gründerzeit entstand in Hohenrode ein Hotel- und Villenpark mit Teichen und Gärten. Es wurde zum einem beliebten Ausflugsziel der Nordhäuser. Der Zigarettenfabrikant Fritz Kneiff erwarb das Grundstück 1908. Er ließ das Hotel und Ausflugslokal Wilhelmshöhe abreißen und legte an dessen Stelle Grottenanlagen und ein Alpinum an. Kneiff beschäftigte sich damals mit dem Wachstum und der Zucht von bestimmten Gehölzen und Pflanzen und wertete diese unter bestimmten Gesichtspunkten aus.

Nach Enteignung des Tabakunternehmens wurde die „Villa Kneiff“ von 1954 bis 1990 als Internat des Institutes für Lehrerbildung „A. S. Makarenko“ genutzt. Das stark restaurierungsbedürftige Gebäude wird seit 2010 unter Leitung der Bürgerstiftung Park Hohenrode und mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz rekonstruiert. Dem Förderverein Park Hohenrode e.V. gelang 2009 der Erwerb der Parkanlage und der Gebäude. Für den Erwerb bat die Bürgerstiftung auch die Stadt Nordhausen um finanzielle Unterstützung.[1] Die Schauspielerin Susanne Bormann ist seit 2012 Botschafterin des Park Hohenrode.[2] Im Mai 2013 wurde die Fachhochschule Nordhausen als Pate für den Park gewonnen, mit dem Ziel der gemeinsamen Forschung und der Aufwertung der Parklandschaft sowie der Gebäude.

Villa[Bearbeiten]

Villa Kneiff

Die „Villa Hohenrode“ oder auch „Villa Kneiff“ wurde 1874 unter Leitung des Architekten Ludwig Bohnstedt (1822–1885) errichtet. Außer der im Zentrum des Parks gelegenen Villa errichtete Bohnstedt im Nordwesten einen verglasten Pavillon und im Osten unweit der Villa ein Wirtschaftsgebäude mit Wohnungen der Bediensteten, Pferdeställen, Remisen usw. Wohl auf Grund des übersteigerten Geltungsanspruchs des Bauherrn griff Bohnstedt bei der Einordnung der Villa in die landschaftliche Umgebung auf seine eigene Schloßbautradition zurück. Während der Park der malerisch gelösten Art englischer Landschaftsgärten folgt, ordnete er der Villa einen barock empfundenen, symmetrisch und geometrisch regelmäßig gestalteten Gartenteil zu. Von der gleichen Grundhaltung ist die Villa selbst bestimmt, deren hochherrschaftlicher Habitus in der barockisierenden Gartenanlage nur eine konsequente Fortsetzung findet. Der Baustil des quadratischen Gebäudes orientiert sich an der italienischen Villenarchitektur der Renaissance.

Die freie Lage des Gebäudes ermöglichte es zwar Bohnstedt, die Raumverteilung nach den Lichtverhältnissen vorzunehmen, die Schauseite mit den anliegenden Repräsentationsräumen nach Süden zu orientieren. Doch reichte bei der beträchtlichen Gebäudetiefe das Seitenlicht nicht aus, so daß für den zentralen Durchgangsraum Oberlicht aushelfen mußte, das durch das Glasdach und zwei gläserne Decken bis in das Erdgeschoß dringt. Diese immerhin interessante Lösung diente jedoch nicht nur einem unmittelbar praktischen Zweck, sondern hatte den genau in der Mitte des Baus gelegenen Raum auch als formales Zentrum, als Drehpunkt der Anlage auszuweisen. Der Grundriß ist von quadratischer Gestalt und blockhafter Geschlossenheit. Entgegen der von Bohnstedt gewohnten Kompositionsweise dient der im Süden vorspringende Bauteil mit dem polygonalen Vorbau hier nicht der Auflockerung, sondern ist Endpunkt und Erfüllung einer den Baukörper von Nord nach Süd durchschneidenden Repräsentationsachse. Sie geht von der leicht vorgezogenen Eingangssituation im Norden aus. Eine Vestibülfolge schließt sich an, durch die man stetig emporsteigend erst in der zentral gelegenen Oberlichthalle das Niveau des Erdgeschosses erreicht. Der folgende Raum endlich gewährt Zugang zu der westlich anschließenden, hier in den Baukörper mit einbezogenen Treppe und zu dem die Südfassade bestimmenden großen Saal. Die Haupttreppe führt nur bis zum zweiten Geschoß. Hier ist eine Verbindung zu der anliegenden und im Westen auch von außen betretbaren Dienstbotentreppe hergestellt, über die man bis auf den Dachboden gelangen kann. Stiegen führen dann weiter auf eine dem Dach über dem nördlichen Eingang aufgesetzte Aussichtsplattform, die dem Besitzer den Genuß der landschaftlich schönen Umgebung gewähren sollte. An der West- und Südseite ist der Bau von einer Terrasse über vorgezogenem Kellergeschoß umgeben. Von ihr führen Treppen in den Garten hinab.

Die von einer Balustrade umgrenzte Terrasse verleiht dem Bau in der Ansicht jene hoheitsvolle Entrücktheit und repräsentative Distanz, die Fabrikbesitzer des 19. Jahrhunderts im Sinne aristokratischer Baugepflogenheiten an ihren Villenbauten so sehr schätzten. Den herrschaftlichen Charakter unterstreichen die strengen Linien des dem Mittelrisalit aufgesetzen Dreiecksgiebels, betont der axialsym-metrische Aufbau. Nur der dem Bau im Osten angegliederte und als gläserner Pavillon aufgefaßte Wintergarten bringt etwas Bewegung in die Anlage, schafft jene Voraussetzungen, die dem Gebäude hinsichtlich seiner Bindung an die umgebende Natur notwendig zugehören müssen. Stärker als gewöhnlich bezog sich Bohnstedt bei der Konzipierung dieses Baus auf die italienischen Villen des 16. Jahrhunderts. Ihr Vorbild ermöglichte es ihm, dem Bau eine ausgewogene Proportionalität mitzuteilen und die Schmuckfreudigkeit in angemessenen Grenzen zu halten.

1879 war Bohnstedt mit der Errichtung eines Kriegerdenkmals abermals in Nordhausen tätig. Im ersten Architekturwettbewerb für das Reichstagsgebäude in Berlin im Jahr 1872 wurde sein Entwurf mit dem ersten Preis ausgezeichnet, jedoch nicht ausgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Externe Verweise[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Antrag der Bürgerstiftung Park Hohenrode e. V.: Finanzielle Starthilfe" vom 25. November 2010 auf der Website der Stadt Nordhausen
  2. Interview auf stimme.de, abgerufen am 20. Juli 2014.